Tatort

So läuft der Tatort-Dreh in der Friedberger Kaserne

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Aktuell wird in der Friedberger Kaserne ein Tatort mit Ulrich Tukur gedreht. Explosionen sind bis in die Stadt zu hören. Rauch steigt auf. Ein Besuch vor Ort in Text und vielen Bildern.

Der einzige, der beim Pressetermin weitere Schäden verursacht, ist Hauptdarsteller Ulrich Tukur. Vor der "Polizeiwache", ehemals eine Fahrzeughalle der US-Armee, steht Murots Dienstfahrzeug, ein von Kugeln durchsiebter NSU "RO 80". Ringsum Glasscherben und Blutlachen. Als sich Tukur für die Fotografen in Pose setzt, reißt er den Außenspiegel des NSU ab. Tukur und seine Kollegen Peter Kurth und Christina Große nehmen die Sache mit Humor, feixen und posieren mit dem abgerissenen Spiegel für die Fotografen. Selbst auf die denkbar peinlichste Aufforderung seitens der Journalisten ("Machen Sie mal was, Sie sind doch Schauspieler") reagiert Tukur mit Humor.

Die Dreharbeiten sind stressiger. Es geht heiß her in Murots achtem Fall. "Der Angriff" ist ein Actionfilm, angelehnt an den Hollywood-Thriller "Assault" (1976) von John Carpenter. Auch da wird eine Polizeiwache von einer Bande überfallen, und es gibt viele Anspielungen auf andere Filme, was die Zuschauer auch von den Murot-Tatorts kennen. So erinnert der Name des Polizisten Walter Brenner (Peter Kurth) an eine Figur aus dem (von schießwütigen Cowboys bevölkerten) Western "Rio Bravo". Man wolle Filme drehen, die anderswo nicht gedreht würden, sagen HR-Fernsehspielchefin Liane Jessen und Redakteur Jörg Himstedt. Gerade wurde die siebte Murot-Folge (läuft am 6. Januar 2019) mit dem Deutschen Filmkunstpreis ausgezeichnet. Diese Folge lehnt sich an die Komödie "Täglich grüßt das Murmeltier" an, Murot gerät in eine Zeitschleife und erlebt alles mehrmals.

Tatort: Ideal für Experimente

"Das Film-Gewerbe überlebt nur, wenn es sich ständig erneuert", sagt Jessen. Man könne nicht alle Sehgewohnheiten in Frage stellen, der Tatort sei aber ideal für Experimente. In "Der Angriff" sei Murots Gegenspieler die Gewalt, sagt Jessen. Eine Gewalt, die nicht greifbar ist, kein Gesicht hat. Man darf aber vermuten, dass Thomas Schmauser dahinter steckt. Der Schauspieler, am 19. September in der ARD als Rudolf Mooshammer zu sehen, verbirgt sein zerknauschtes Gesicht hinter Basecap und Zauselbart. Die anderen müssen noch in die Maske, er war wohl schon dort. "Für mich ist Arbeit immer Quälerei", antwortet er knurrend auf die Frage, ob Drehen Spaß mache. "Wenn man dabei Neues entdeckt, ist man glücklich."

In der alten Fahrzeughalle haben die Dekorateure des HR ganze Arbeit geleistet. So stellt man sich eine Polizeiwache nach einem Massaker vor. Die Friedberger wünschen sich lieber heute als morgen den Abriss der Kaserne. Ob die Filmleute da nachhelfen können? "Morgen explodiert die Polizeiwache", verrät Stuber und überlegt, ob man – statt alles abzureißen – das Gelände nicht zu einer Art Bavaria-Studios des HR ausbauen könnte, mit Referenzen an Elvis. Kurth schlägt ein Konzert vor: "Elvis meets Murot". "Klar", sagt Tukur, "das spiele ich mit meinen Rhythmus Boys." "Der Angriff" wird am 6. Oktober 2019 ausgestrahlt.

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