Durch den zweiten Lockdown bekommen auch viele Betriebe Probleme, die durch den ersten noch gut durchgekommen sind - zum Beispiel Gastronomen, sagt Dominik Prinz.
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Durch den zweiten Lockdown bekommen auch viele Betriebe Probleme, die durch den ersten noch gut durchgekommen sind - zum Beispiel Gastronomen, sagt Dominik Prinz.

Folgen der Krise

Corona in Mittelhessen: Einige Betriebe sind nicht zu retten

  • vonHanna von Prosch
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Gut ein Drittel der Klein- und Mittelständischen Unternehmen in Mittelhessen sind von der Corona-Krise stark getroffen. Das geht aus einer repräsentativen Studie im Auftrag der Commerzbank hervor.

Achtzehn Prozent der mittelhessischen Selbstständigen und Unternehmer sehen sich in ihrer Existenz bedroht. »Das berührt uns auch emotional, wenn man sieht, dass bisher gesunden Branchen wie Messe- und Veranstaltungsfirmen von heute auf morgen sämtliche Aufträge verlorengingen und keine Arbeit in Aussicht ist«, sagte Dominik Prinz, Leiter der Unternehmerkunden in der regionalen Commerzbank-Niederlassung, bei der Präsentation. Zunächst half sich jedes fünfte Unternehmen mit Kurzarbeit. Jedes vierte beantragte aber schließlich staatliche Unterstützung von mehr als 100 000 Euro. Das sind viermal soviel wie im Bundesvergleich. Auch bei den Kündigungen liegt Mittelhessen mit zwölf Prozent um ein Drittel vor den anderen.

Corona in Mittelhessen: Einige Betriebe könne man wohl nicht retten

Die Geldmittel seien durchweg schnell geflossen, bestätigte Prinz. Beim Beantragen des Kurzarbeitergelds sei es zunächst etwas schwieriger gewesen, weil in vielen Betrieben die Erfahrung gefehlt habe. »Auch unser Team hat in dieser Phase nicht nur bis zum Anschlag gearbeitet, sondern auch viel dazugelernt. Wir konnten die Prozesse in der Zusammenarbeit mit Geldgebern beschleunigen und unsere Kunden bei der Auswahl der Förderprogramme gut beraten«, sagt er. Doch er fürchtet, dass mit der zweiten Welle die Situation kniffliger wird. Diejenigen, die vor der Krise schon stark angeschlagen gewesen seien, könne man wohl nicht retten. Aber es kämen jetzt auch Fälle dazu, die im Sommer gefühlt noch gut durchgekommen seien. Prinz weiß das vor allem aus Gesprächen mit Gastronomen.

Die Studie zeigt jedoch auch, dass 71 Prozent der Befragten in der Region keine staatliche Unterstützung in Anspruch genommen haben. Im Bundesvergleich war Mittelhessen also deutlich stabiler. Das könne mit der Branchenstruktur zusammenhängen, die gerade in der Wetterau von Wissenschaft und Medizin geprägt sei, meint er. Besonders sei ihm aufgefallen, dass es viel Eigeninitiative und Solidarität gegeben habe, was den Einzelhandel und die Gastronomie betraf. Auch die Kulturveranstaltungen seien schnell wieder hochgefahren worden.

Corona in Mittelhessen: Chancen genutzt bei Digitalisierung

Im Bundesvergleich weit vorne liegt Mittelhessen bei der Frage nach einem Digitalisierungsschub. Die Hälfte der Unternehmer scheinen demzufolge ihre bisherige Zurückhaltung aufgegeben zu haben und nutzen die Chance. Sie wollen vor allem die Abläufe im Marketing, in der Kommunikation intern, mit Kunden und Lieferanten im nächsten Jahr digitalisieren. Dazu investierten fast 70 Prozent mit Summen bis zu 20 000 Euro.

Eine weiterer positiver Aspekt sei die erhöhte Bereitschaft zum Homeoffice. »Viele hatten einfach Angst, dass ein Coronafall in den Betrieb kam. In der Produktion oder Dienstleistung direkt am Kunden ist Homeoffice so gut wie gar nicht möglich«, sagt Prinz. Dennoch sei auch dort viel Kreativität und Flexibilität entstanden: Man habe Schichten geändert, Verkauf und Sitzungen auf online umgestellt und sogar Entscheidungen schneller getroffen. Homeoffice wird laut Studie außerdem geschätzt, weil mehr Zeit für sich und die Familie bleibe. Damit habe die Krise auch eine gesellschaftliche Entwicklung angestoßen.

Mittelhessen: Kommt das Präsenzgeschäft nach Corona zurück?

Perspektivisch sieht Prinz eine Branchenverschiebung, bedingt durch die Zusammenhänge von Homeoffice, Digitalisierung, Klima und Verkehr. Prinz: »Inwieweit das physische Präsenzgeschäft nach der Pandemie zurückkehren wird, bewegt gerade die kleinen und mittleren Unternehmen. Viele sind sich sicher - bei Branchen wie Messen, Hotels, Einzelhandel. Ich denke auch, es geht nicht ohne menschlichen Kontakt. Man hat sehr viel Lust auf Begegnung. Aber ich glaube, die Wahrheit liegt vielleicht bei 50 Prozent.«

Die Studie: Die 7. Unternehmerkunden-Studie im Auftrag der Commerzbank beschäftigte sich mit den Auswirkungen der Corona-Krise auf die Klein- und Mittelständischen Unternehmen. Sie wurde vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos im Juli und August bundesweit bei 3500 Selbstständigen, Freiberuflern, Handwerkern und Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis zu 15 Millionen Euro durchgeführt. Für Mittelhessen wurden 50 Klein- und Mittelständler befragt.

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