Kein Ende der Kurzarbeit in Sicht: Margaret Tschentscher (r.) und ihre Mitarbeiterinnen arbeiten noch immer im Schichtdienst, weil sie sonst den Mindestabstand im Salon nicht einhalten könnten. FOTOS: NIC/ALH//LOD
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Kein Ende der Kurzarbeit in Sicht: Margaret Tschentscher (r.) und ihre Mitarbeiterinnen arbeiten noch immer im Schichtdienst, weil sie sonst den Mindestabstand im Salon nicht einhalten könnten. FOTOS: NIC/ALH//LOD

Corona-Krise

Kurzarbeit immer noch Thema in der Wetterau

Seit einigen Wochen dürfen Geschäfte, Friseursalons und Restaurants wieder öffnen. Aber bedeutet das für die Wetterauer auch ein Ende der Kurzarbeit?

Heidi Bauer-Klar seufzt. "Kaum jemand möchte verreisen." Im Reisecenter Florstadt ist die Stimmung getrübt. Viele haben Angst. Trotz der aufgehobenen Reisewarnungen. "Für uns ist die Situation immer noch sehr schwierig, es ging von Hundert auf Null." Heidi Bauer-Klar hat deshalb für ihre Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet. Sie arbeiten weniger Stunden als vorgesehen. "Dieses Jahr ist gelaufen", sagt Heidi Bauer-Klar. "Und auch nächstes Jahr wird das Geschäft nur langsam anlaufen, glaube ich." Ein Ende der Kurzarbeit sei nicht absehbar.

Betriebe müssen Kurzarbeit schriftlich bei der Agentur für Arbeit anzeigen. Im Wetteraukreis sind im März 216 Anzeigen eingegangen. Im April haben 2218 Betriebe Kurzarbeit angemeldet. Im Mai waren es noch 299 Betriebe. "Die Zahl der Betriebe, die das Kurzarbeitergeld nicht mehr in Anspruch nehmen, steigt nach meiner Einschätzung kontinuierlich an", sagt Johannes Paul, Pressesprecher der Agentur für Arbeit.

Rechnet man die Anzeigen zusammen, sind im Wetteraukreis insgesamt 2733 Betriebe und bis zu 27 684 Personen von Kurzarbeit betroffen. "Das ist jeder vierte Betrieb und rund 20 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten", sagt Johannes Paul. Dabei sei allerdings zu beachten, dass die angegebene Anzahl der Beschäftigten nur eine Schätzung sei. "Der Arbeitgeber muss bei Antragstellung angeben, wie viele Mitarbeiter voraussichtlich oder maximal von Kurzarbeit betroffen sein werden." Die tatsächliche Anzahl an Personen in Kurzarbeit könne deutlich darunter liegen.

Kurzarbeit Wetterau: Neuland für viele Betriebe

Zudem könne ein Betrieb eine oder auch mehrere Anzeigen für den Gesamtbetrieb oder Betriebsabteilungen stellen. "Das heißt, die Summe der Anzeigen spiegelt nicht unbedingt die Anzahl der Betriebe wider, die Kurzarbeit beantragt haben", sagt Paul. Es zeige aber die Bemühungen, Fachkräfte während der Krise zu halten.

Der Pressesprecher weiß: "Viele Betriebe haben sich vor der Corona-Krise noch nie mit Kurzarbeit beschäftigt." So war es auch bei Ulf Berger von Lederwaren Steck. Er hat während der Schließung seines Geschäfts Kurzarbeit angemeldet. Jetzt kehren seine Mitarbeiter langsam zur normalen Arbeitszeit zurück. "Es kommen aber noch lange nicht so viele Kunden wie vorher."

Kurzarbeit Wetterau: Schichtdienst im Friseursalon

Die Mitarbeiterinnen im Friseursalon von Margaret Tschenscher in der Bad Nauheimer Hauptstraße sind hingegen weiterhin in Kurzarbeit. "Wir arbeiten in Schichten, weil wir sonst den geforderten Abstand im Salon nicht einhalten könnten", sagt die Inhaberin. Sie ist froh, dass sie wieder öffnen darf. Die strengeren Regeln im Salon würden von allen Kunden akzeptiert.

Dass sie ihr Geschäft erneut schließen muss, glaubt Margaret Tschenscher nicht. Wann die Kurzarbeit endet, kann sie aber noch nicht absehen. "Erst wenn die Politik die Regeln lockert, können wir wieder normal arbeiten."

Die Friedberger Firma Pegasus-Spiele gehört zu den Betrieben, die nicht von Kurzarbeit betroffen waren oder sind. "Dank der Ideen unseres Teams konnten wir die Schließung der Ladengeschäfte und den Wegfall von Veranstaltungen und Messen in digitale Aktionen und Veranstaltungen umwandeln", sagt Bettina Döpp, Assistentin der Geschäftsführung.

Kurzarbeit Wetterau: Für Gastronome schwierig umzusetzen

"Für uns Gastronome ist Kurzarbeit schwierig umzusetzen", sagt Tim Wegge, der die Bar Genusserie und ein Bistro in der Bad Vilbeler Altstadt betreibt. "Falls Gäste kommen, muss ich meine Leute vor Ort haben. Das kann ich aber nie genau wissen." Vorher habe er sich noch nie mit dem Thema beschäftigt. "Ich dachte auch nicht, dass ich das jemals muss." Einige seiner Mitarbeiter hätten während der Schließung im Bad Vilbeler Rewe-Markt ausgeholfen.

Dem Servicepersonal und den Barkeepern fehle neben dem Lohn aber auch das Trinkgeld. "Die Aushilfen stehen auf Abruf bereit." Trotzdem sei er "heilfroh" überhaupt wieder öffnen zu können. Die Vilbeler Altstadtwirte bieten seit kurzem auf dem Marktplatz eine gemeinsame Außenbewirtung an. "Solange das Wetter gut ist, bekommen wir das hin", sagt Tim Wegge. "Sollte sich die Situation bis in den Winter ziehen, wird es kritisch."

Kurzarbeit Wetterau: Kurzarbeit kurzfristig aussetzen

Betriebe müssen Kurzarbeit für eine bestimmte Dauer anzeigen, zum Beispiel sechs Monate. Die Arbeitsagentur prüft die Anzeige und bewilligt sie in der Regel. "Die Bewilligung orientiert sich an der genannten Dauer, im Beispiel sechs Monate", sagt Arbeitsagentur-Pressesprecher Johannes Paul. "Innerhalb dieser sechs Monate kann der Betrieb die Kurzarbeit bis zu drei Monate lang aussetzen, ohne sie neu beantragen beziehungsweise anzeigen zu müssen." Falls es bei einer zweiten Welle etwa zur erneuten Schließung kommt. Für Arbeitnehmer wichtig zu wissen, ist, dass sie verpflichtet sind, eine Steuererklärung abzugeben, wenn sie Kurzarbeitergeld erhalten haben.

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