Gerhard Koller gelingt es, Kants Gedankengut dem gebildeten Laien in Grundzügen nahezubringen. FOTO: BF
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Gerhard Koller gelingt es, Kants Gedankengut dem gebildeten Laien in Grundzügen nahezubringen. FOTO: BF

Die Kunst des Fragens

  • vonGerhard Kollmer
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Friedberg(bf). "Kritik der reinen Vernunft" 1781; "Kritik der praktischen Vernunft" 1788; "Kritik der Urteilskraft" 1790: Innerhalb eines Jahrzehnts veröffentlicht der 1724 in Königsberg geborene und 1804 ebd. gestorbene Immanuel Kant seine drei philosophischen Hauptwerke, die zu den bedeutendsten der abendländischen Geistesgeschichte zählen.

Dieses mit Vorstudien etwa anderthalbtausend Seiten zählende Konvolut in einer Stunde vorstellen zu wollen, komme eigentlich - so der Referent am vergangenen Montagabend im großen Saal des Theaters Altes Hallenbad - einem Himmelfahrtskommando gleich. Aber alles in allem ist sein Versuch gelungen, das überreiche Gedankengut dieser Werke dem gebildeten Laien in Grundzügen nahezubringen.

Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was ist der Mensch? Unter diese Leitfragen stellt Kant seine o. g. Werke. In seiner "Kritik der reinen Vernunft" lotet der Philosoph die Möglichkeiten und Grenzen der menschlichen Erkenntnisfähigkeit aus. Das "Ding an sich" ist für Kant ein "Grenzbegriff", der eine Grenze zwischen Erkennbarem und Nichterkennbarem zieht. Wir Menschen können nicht die "Dinge an sich", sondern lediglich deren Erscheinungen wahrnehmen. Wer beides miteinander verwechselt, überschätzt die Leistung unseres Verstandes. Seine Aufgabe ist es, die chaotische Fülle der von uns diffus wahrgenommenen Erscheinungen zu strukturieren bzw. zu "kategorisieren", wie Kant es nennt.

Sinnliche Wahrnehmungen werden gedanklich zu Vorstellungen "verarbeitet". Raum und Zeit sind jedoch "Kategorien", die unser Verstand nicht aus der sinnlichen Wahrnehmung bzw. Erfahrung gewonnen hat, sondern die zu seiner Grundausstattung "a priori", das heißt vor aller Erfahrung, gehören. Aufgabe der Vernunft ist es nun, die vom Verstand strukturierte Fülle der Vorstellungen auf den Begriff beziehungsweise "unter die höchste Einheit des Denkens zu bringen" (Kant).

Glück, Liebe und Gerechtigkeit

Die Vernunft ist fähig zur Bildung von Ideen wie Glück, Liebe, Gerechtigkeit, etc. Kant nennt sie "Ideen der reinen Vernunft". Auch Tiere verfügen über Verstand, jedoch nicht über Vernunft, zu deren Leistungen auch die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis, zur Bildung eines Selbstbewusstseins gehört. Kernstück von Kants zweitem Hauptwerk, der "Kritik der praktischen Vernunft", ist der sog. "kategorische Imperativ" - ein unbedingte Gültigkeit beanspruchender Maßstab, der den Einzelnen dazu anleiten soll, moralisch richtig zu handeln. Die Formulierung dieses heftig umstrittenen Prinzips lautet: "Handle immer so, dass die Maximen deines Handelns zugleich Grundlage eines allgemeinen Gesetzes sein könnten!"

Einfach ausgedrückt: Wenn sich moralische Grundsätze verallgemeinern lassen, sind sie legitim, und ich darf bzw. muss nach ihnen handeln.

Darf ich lügen oder töten? Gäbe es ein Gesetz, das Lügen und Töten erlaubt, versänke die Gesellschaft im Chaos. Also ist es grundsätzlich verboten. Aber wie steht es mit dem Töten im Krieg oder in Notwehr? Wie steht es mit der Notlüge, um z. B. mich oder andere vor drohender Gefahr zu bewahren?

Aus heutiger Sicht ist, so der Referent, Kants "kategorischer Imperativ" zumindest problematisch, weil sein "Rigorismus" kaum Rücksicht auf die eventuellen Folgen meines Handelns nimmt.

Kants drittes Hauptwerk, die "Kritik der Urteilskraft", ist der Frage nach dem Menschen gewidmet. Unter "Urteilskraft" versteht Kant die Fähigkeit, reine und praktische Vernunft miteinander zu verbinden. Die KdU enthält auch Kants Ästhetik, seine Lehre vom Schönen.

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