Ulrike Obenauer bedankt sich mit herzlichen Worten für Freundschaft und Heimat und für die Würdigung. FOTOS: HMS
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Ulrike Obenauer bedankt sich mit herzlichen Worten für Freundschaft und Heimat und für die Würdigung. FOTOS: HMS

Kulturpreis für Ulrike Obenauer

  • vonHanna von Prosch
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Wenn nach einem gewaltigen Gongschlag auf dem Plateau des Glauberg vom Grabhügel her Antwort schallt und Ronka Nickel Bert Brechts Odysseusparabel vorträgt, dann ahnt man: Hier geschieht etwas Besonderes. Landrat Jan Weckler hatte an diesen mystischen Ort geladen. Grund: Die Verleihung des 24. Wetterauer Kulturpreises an die Ortenberger Künstlerin Ulrike Obenauer. Freunde, Wegbegleiter und zahlreiche frühere Preisträger kamen, um sie zu ehren.

Es ist ein Mythos, dass eine Frau nicht mit Stahl arbeiten könne. Die Ortenberger Künstlerin Ulrike Obenauer hat diesen widerlegt. Gewaltig und schwer sind ihre Skulpturen, nicht zu übersehen die "Mukschter Zwiwwen" im Kreisverkehr, Ruhebänke, Taufbecken, drei sich Umarmende auf dem Friedhof. Für ihr Wirken hat sie den diesjährigen Wetterauer Kulturpreis verliehen bekommen, der am Donnerstagabend auf dem Plateau des Glaubergs verliehen wurde. Viele Wegbegleiter waren gekommen.

1997 begann Obenauer das alte Raiffeisengebäude in Bleichenbach zum Wohn- und Arbeitshaus umzugestalten. "Deine Kunst begegnet mir jeden Tag vom Schlüsselbrett über Schmetterlinge am Kindergarten bis in mein Büro", erzählt die Ortenberger Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring. Obenauer setze Landmarken, mache die Wetterau selbst zur Marke. Orte würden durch ihre Kunst zur Heimat.

Kreisbeigeordneter a. D. Joachim Pollmar schilderte in der Laudatio ihren Werdegang.

Bunte Möbel und Schrottkunst

Nach dem Kunstpädagogikstudium mit dem Hauptfach Plastik entschied sie sich nicht für die Lehrtätigkeit, sondern suchte weiter, probierte aus, nahm Impulse auf, baute Möbel und übte sich in Schrottkunst. Über ein Künstlersymposion in Bad Salzhausen fand sie schließlich ihren Weg als Freie Künstlerin. In der Erwiderung auf die Preisverleihung sagt sie von sich: "Ich genoss immer Vertrauensvorschuss, denn meine Auftraggeber wussten ja nicht, ob ich schlossern konnte." Was sie, in Oppenheim geboren, bewogen hat in der Wetterau zu bleiben, sind die Menschen: "Hier schien mir ein nahrhafter Boden zu sein, in dem ich Wurzel schlagen konnte. Ich bekam Hilfe und Rat, es entstanden Freundschaften. In der Wetterau bin ich zum Blühen gekommen." Aus ihren Worten klingt nicht nur die Dankbarkeit, sondern sie spiegelt sie, mit wem sie auch spricht.

Schaut man sich dazu die Holz- und Metallskulpturen an, die sie ausgestellt hat oder die großformatigen Bilder, dann spürt man diese Harmonie des Mit-Sich-Eins-Seins. "Für mich ist schon immer das eigentliche Kriterium für ein Kunstwerk egal welcher Gattung: Es muss an die Seele gehen." So hat sie es beim Darlegen des Entstehungsprozesses ihrer Kunst dem Laudator offenbart.

Seit 1988 der an diesem Abend im Rahmenprogramm agierende Schauspieler Hans Schwab den ersten Wetterauer Kulturpreis bekam, werden die Urkunden individuell gestaltet. Für Obenauer hat sich die Friedberger Künstlerin Marion Fischer von deren durchbrochenen Schalen inspirieren lassen. Eine Kopie wird in die Preisträger-Galerie im Kreishaus eingereiht. Weckler dachte bei seiner Würdigung an ihre vielseitigen Ausstellungen im Kreishaus: vor knapp 20 Jahren "Gebranntes Blech", 2011 "Störung und Chance" als Reaktion auf die Reaktorkatastrophe in Fukushima, "Zwei Haltungen zwei Wege" in Form einer Doppelhelix und 2018 "Zusammenhänge(n)" eine Symbiose aller Gestaltungsarten. Die beeindruckende Ausstellung zum Thema "Ist die Heimat BÜD?" soll demnächst auch in Friedberg gezeigt werden.

Und weil die Preisträger schon mal beieinander waren, ließ Ronka Nickel die Säge singen, Hans Schwab blies ins Alphorn, Dirk Raufeisen legte einen Boogie auf und Martin Schnur brachte lustige Lieder zur Gitarre. Schließlich öffnete die "Keltenfürstin" Dr. Vera Rupp, Preisträgerin 2018, ihre Türen für einen genüsslichen Ausklang.

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