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Mit seinem Lieblingsinstrument Ukulele begleitet sich Lukas Rüting bei einigen seiner Lieblingslieder.

Kritische Hommage an Heimatstadt Friedberg

  • vonHarald Schuchardt
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Friedberg (har). Eigentlich wollte Sänger Lukas Rüting am Samstagabend im Burggarten erstmals ein abwechslungsreiches abendfüllendes Programm bieten. Doch die geltenden Pandemie-Regeln verhinderten den Auftritt des Musikschülers bei den Musikschulkonzerten aus der Gesangsklasse von Yvonne Adelmann.

Doch ganz auf das Konzert verzichten wollte Lukas Rüting auch nicht. So wurde aus »Lukas & Friends« ein gut halbstündiges »Lukas-Solo«, das aus dem Musikschulsaal live über die Internetseite der Musikschule online übertragen wurde.

»Wir hatten uns so viel vorgenommen«, erklärte Gesangslehrerin Yvonne Adelmann in ihrer kurzen Begrüßung und forderte die Besucher auf, sich zurückzulehnen und »das Konzert einfach zu genießen.«

Das konnten die Zuschauer zu Hause tatsächlich tun, hatte Rüting doch ausschließlich ruhigere Lieblingsstücke für sein erstes Online-Konzert ausgewählt. »Ich hätte auch »Johnny Depp« oder »Cordula Grün« singen können, doch ich habe mich anders entschieden«, meinte der 22-Jährige im Verlauf seines Auftritts mit überwiegend deutschen Songs. Erkennt sich übrigens als Sänger bei den Sitzungen der VFCG in der Stadthalle auf großen Bühnen bestens aus.

Leeres Kaufhaus und der Bahnhof

Zum Auftakt sang er seine ganz eigene Version des Amy-Winehouse-Hits »Valerie«, wobei er sich mit seinem Lieblingsinstrument, der Ukulele begleitete. War der Auftakt schon eine Überraschung, so folgte sofort die nächste: Lukas »switchte« - wie er es bezeichnete-, rüber zum Klavier, um »Nur nicht aus Liebe weinen« gefühlvoll zu interpretieren.

Hauptsächlich ältere Zuhörer kennen den Klassiker, den Zarah Leander in dem 1939 gedrehten UFA-Film »Es war eine rauschende Ballnacht« mit ihrer unverwechselbaren rauen Stimme gesungen hat. »Ich mag dieses Lied« sagte Rüting, der gleich drei Songs seiner Lieblingsband »AnnenMayKantereit« in seinem Programm hatte.

Die vor zehn Jahren in Köln gegründete Gruppe, deren Bandname sich aus den Nachnamen der drei Gründungsmitglieder zusammensetzt, lebt von der charismatischen Stimme von Sänger Henning May. Rüting gelingt es, den Songs der Band, wie dem traurigen »Ozean«, seinen eigenen Stempel aufzudrücken.

Den Song der Kölner Gruppe verschmelzt Rüting scheinbar spielend mit »Just Fine« der englischen Singer-/Songwriterin Dodie. Beim Hit »Nur ein Wort« von »Wir sind Helden« fordert Rüting die Zuhörer zum Mitsingen auf.

Für das ruhige »Nur ein Wort« des Deutsch-Pop-Rap-Künstlers »Cro«, wechselt das Multi-Talent noch einmal ans Klavier. Das Finale läutet Rüting mit seiner Eigenkomposition »Du« ein. Was zunächst wie eine Liebeserklärung an Freundin Katharina klingt, entpuppt sich als eine in einigen Passagen durchaus kritische Hommage an seine Heimatstadt Friedberg, die der Kreisstädter im August für ein Jahr verlassen muss, um an der einzigen deutschen Schule für Hörgeräteakustiker in Lübeck seinen Meister zu machen. Rüting singt vom »leeren Kaufhaus« und dem Bahnhof, »den ich bis hier her rieche«, aber auch von Elvis, der »mal da war«. So erklärt sich denn auch, warum während des gesamten Konzerts ein Porträt des King als Deko zu sehen war.

»Mir war dieser Song sehr wichtig« sagte Rüting, bevor er sich mit »Outro« von Annenmaykantereit von den Zuschauern an den Geräten zu Hause verabschiedete, nicht um noch zuvor Musiklehrer Vincent Rocher, der als Techniker fungierte, ebenso zu danken wie Adelmann und seiner Freundin Katharina, die den Chat während des Livestreams betreute. Lukas Rüting: »Ich freue mich jetzt schon, euch alle bald wieder zu sehen. Bleibt vorsichtig optimistisch gestimmt, wie ich es gerade bin.« Sprach’s, setzte die Mund-Nasen-Bedeckung auf und verschwand aus dem Bild.

Gesangslehrerin Yvonne Adelmann begrüßt die Zuschauer an den Bildschirmen.

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