Die Zulassungsstelle in Friedberg: Die Kreisverwaltung räumt Probleme aufgrund eines Personalengpasses ein, die für Wartezeiten von zwei Wochen verantwortlich seien. Kunden geben dagegen an, bis zu vier Wochen auf einen Termin warten zu müssen.
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Die Zulassungsstelle in Friedberg: Die Kreisverwaltung räumt Probleme aufgrund eines Personalengpasses ein, die für Wartezeiten von zwei Wochen verantwortlich seien. Kunden geben dagegen an, bis zu vier Wochen auf einen Termin warten zu müssen.

Viele Beschwerden

Friedberg: Kritik an Zulassungsstelle Wetterau nimmt zu - »Unbefriedigende Situation«

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Die Kritik an langen Wartezeiten in den Zulassungsstellen des Kreises häufen sich. Viele Kunden und ein Bürgermeister beschweren sich. Das Landratsamt räumt eine »unbefriedigende Situation« ein.

Friedberg - Über die Geschichte, die Burkhard D. aus Bad Vilbel zu erzählen hat, kann der Zuhörer lachen, den Kopf schütteln - oder beides. Der 65-Jährige hatte sich am 14. Juli einen »neuen« Gebrauchtwagen gegönnt und einen Tag später bereits den aufwendigen Versuch unternommen, bei der Zulassungsstelle einen Termin zwecks Ummeldung zu bekommen. Die Idee, sich an die von der Stadt Karben betriebene Außenstelle in Petterweil zu wenden, gab er bereits im Vorfeld des Kaufs auf. »Wie ich erfuhr, beträgt die Wartezeit dort vier Wochen.«

Also rief der Rentner bereits am 15. Juli um 7.30 Uhr in Friedberg an. Dort lief eine Bandansage in Dauerschleife: »Die Termine für die beiden kommenden Tage sind alle vergeben.« Verwiesen wurde auf die Möglichkeit, über die Internetseite des Kreises einen Termin zu vereinbaren. Zunächst wieder ein Frusterlebnis, denn die Seite war leer. »Im Lauf des Tages, nach wiederholten Versuchen, war ein Kalender mit freien Terminen verfügbar. Ich kann erfreulicherweise am 30. Juli nach Friedberg fahren und mein Fahrzeug umschreiben«, berichtet Burkhard D..

Kritik an Zulassungsstelle Wetterau in Friedberg nimmt zu: Mahnschreiben nach acht Tagen

So weit, so (halbwegs) gut. Richtig ärgerlich wurde der Autokäufer, als er am 22. Juli, acht Tage nach Vertragsunterzeichnung, ein Mahnschreiben des Fachdienstes Ordnungsrecht, Verkehrs- und Zulassungsangelegenheiten erhielt. Wie der Bad Vilbeler von einem Mitarbeiter der Kreisbehörde belehrt wurde, sei er verpflichtet, »unverzüglich« eine neue Zulassungsbescheinigung zu beantragen. Eine Frist bis zum 4. August wurde gesetzt, garniert mit dem Zusatz, dass der Wagen notfalls stillgelegt werde. Und dann das Zitat, das dem Rentner besonders aufgestoßen ist: »Außerdem weise ich ausdrücklich daraufhin, dass Sie sich bereits jetzt ordnungswidrig verhalten haben, da Sie Ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur unverzüglichen Umschreibung nicht nachgekommen sind.«

Der 65-Jährige musste erst mal schlucken. »Offenbar weiß im Landratsamt die eine Hand nicht, was die andere tut. Oder die Probleme in der Zulassungsstelle werden ignoriert, und es wird einfach wie immer vorgegangen«, mutmaßt Burkhard D.. Vermutlich habe der Kreis-Mitarbeiter den üblichen Standardbrief verwendet, obwohl er mit Sicherheit über die langen Wartezeiten bei den Kollegen informiert sei.

Inzwischen hat Burkhard D. zurückgeschrieben und die Behörde aufgefordert, das Schreiben offiziell für nichtig zu erklären. Ein weiterer Brief ging ans hessische Verkehrsministerium. Auszug: »Es ist für mich hinnehmbar, zwei Wochen auf einen Termin warten zu müssen, es ist aber keineswegs akzeptabel, gemaßregelt und beschuldigt zu werden.« Neben anderen Bürgern hat sich jetzt auch der Büdinger Bürgermeister Erich Spamer zu Wort gemeldet und die Zustände in den Zulassungsstellen des Kreises bemängelt.

Wie Kreispressesprecher Michael Elsaß einräumt, sei in der Kommunikation mit Burkhard D. ein Standardschreiben verwendet worden, das für die aktuelle Situation nicht passend sei. »Das ist nicht schön. Es war aber nicht die Absicht, Druck auszuüben oder dem Mann Angst zu machen«, sagt Elsaß.

Kritik an Zulassungsstelle Wetterau in Friedberg nimmt zu: Zulassungsstellen zurzeit unterbesetzt

Bewusst sei die Frist auf den 4. August gelegt worden, der Rentner habe ja einen Termin am 30. Juli vereinbart. Selbst wenn er bis zum 4. August nicht tätig geworden wäre, hätte der Kreis laut Elsaß zunächst auf ein Bußgeld oder gar auf eine Stilllegung des Autos verzichtet und die Frist um zwei Wochen verlängert.

Die Zulassungsstellen in Friedberg und Büdingen seien personell unterbesetzt. Nach Angaben von Elsaß gibt es an beiden Standorten zusammen 13,9 Stellen, von denen seit Monaten aber nur 10,7 besetzt seien. Hinzu kämen die Auswirkungen der Corona-Krise. »Die Kollegen in den Zulassungsstellen fangen bereits um 6 Uhr an, um die vielen Anträge der gewerblichen Zulassungsdienste zu bearbeiten«, sagt der Kreispressesprecher.

Zurzeit betrage die Wartezeit in Friedberg zwei Wochen, in Büdingen anderthalb. Dieser Aussage widersprechen einige Bürger und Bürgermeister Spamer. Elsaß zufolge wird derzeit eine zusätzliche Auszubildende für die Zulassung eingesetzt, zudem sei eine weitere Stelle bewilligt, aufgrund von Bewerbermangel aber noch nicht besetzt.

Kritik an Zulassungsstelle Wetterau in Friedberg nimmt zu: Bürgermeister fordert mehr Stellen

Besorgt über die Zustände in den Zulassungsstellen des Wetteraukreises zeigt sich der Büdinger Bürgermeister Erich Spamer. Seit längerer Zeit gingen bei ihm ständig Beschwerden von betroffenen Bürgern und Autohäusern ein. Zurzeit könnten Termin teils erst für Mitte August vereinbart werden. Zudem seien die Mitarbeiter telefonisch nur sehr schwer zu erreichen. »Dies ist den Wetterauer Bürgerinnen und Bürgern nicht zumutbar. Viele sind auf das Auto auch aus beruflichen Gründen angewiesen, und es müssen daher kurzfristig Änderungen vorgenommen werden, um diesen unhaltbaren Zustand zu beenden«, schreibt Sparmer an die hauptamtlichen Kreisausschuss-Mitglieder mit Landrat Jan Weckler an der Spitze. Besonders sorgt sich der Bürgermeister um die Autohändler, die mit den Wirkungen der Corona-Krise zu kämpfen hätten und teils »vor dem Abgrund« stünden. Wartezeiten von drei bis vier Wochen in den Zulassungsstellen seien da nicht gerade förderlich. Spamer fordert deshalb, kurzfristig mehr Personal einzustellen.

Kreispressesprecher Michael Elsaß nennt auch angesichts dieser Kritik die Stichworte »Personalengpass« und »Corona«. Eine an Spamer gerichtete Bemerkung kann er sich allerdings nicht verkneifen. »Bis 2015 war die Stadt Büdingen für ›ihre‹ Zulassungsstelle zuständig. Dann wurde die Behörde wieder an den Kreis abgegeben, weil die Wartezeiten zu lang waren.«

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