Verabschiedung im kleinen Rahmen: Bernhard Wiedemann mit Landrat Jan Weckler (l.) und der Ersten Kreisbeigeordneten Stephanie Becker-Bösch. 	FOTO: PRW
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Verabschiedung im kleinen Rahmen: Bernhard Wiedemann mit Landrat Jan Weckler (l.) und der Ersten Kreisbeigeordneten Stephanie Becker-Bösch. FOTO: PRW

Krisenerprobt und ein »Mann des Ausgleichs«

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Wetteraukreis (prw). Bernhard Wiedemann, seit zwölf Jahren Leiter des Jobcenters Wetterau, geht zum Monatsende in den Ruhestand. Zu den größten Herausforderungen in seinem Berufsleben zählt er die Qualifizierung und Sprachvermittlung von Flüchtlingen nach 2015 und die aktuelle Corona-Krise.

Aufgewachsen im streng katholischen Elternhaus in einem Dorf bei Neuwied hat sich Wiedemann sein rheinisches Idiom bewahrt. Nach dem Abitur besuchte er für mehrere Monate seinen Onkel in Brasilien, der dort als Missionar tätig war. Eine wichtige Zeit, aus der er manches für seine Motivation im späteren Berufsleben mitnehmen konnte, wie er sagt. Nach dem Wehrdienst und dem Studium der Sozialarbeit an der katholischen Fachhochschule Köln ging er der Liebe wegen nach Heidelberg, wo er für zwei Jahre in der Nichtsesshaftenhilfe arbeitete. Als seine Frau beruflich nach Gießen wechselte, fand er Mitte der 80er beim Wetteraukreis eine Stelle als Sozialarbeiter für die Betreuung von Flüchtlingen - viele davon aus Afghanistan.

Im Flüchtlingsbereich arbeitete Wiedemann mehr als 20 Jahre. »Ich wollte aber mehr als nur Sozialarbeit machen.« Deshalb studierte er berufsbegleitend Betriebswirtschaft und kam in Führungspositionen - zunächst als Sachgebietsleiter, später als Leiter der Fachstelle Migration.

2005 übernahm er die Leitung des Jobcenters in Bad Vilbel und wurde 2008 Geschäftsführer für den ganzen Wetteraukreis. 220 Mitarbeiter hat das Jobcenter heute - und ist laut Wiedemann in der Vergleichsgruppe »Ländliche Struktur mit Anbindung zur Metropolregion« das erfolgreichste Jobcenter bundesweit bei der Integration in den Arbeitsmarkt. »Das war noch mal ein wirkliches Highlight in meinem Berufsleben.« Eines, das er vor allem den Mitarbeitern verdanke.

Motto: Fördern und Fordern

Das Sozialgesetzbuch II mit den Prinzipien Fördern und Fordern hält Wiedemann bei aller Kritik für insgesamt gerecht und gelungen. »Es ist richtig und unerlässlich, dass eine soziale Gesellschaft denen hilft, die Hilfe nötig haben. Allerdings sollte auch jeder seine Talente nutzen und sich im Rahmen seiner Möglichkeiten in die Gesellschaft einbringen.« Wenn der Sozialstaat Menschen in Not unterstütze, dürfe er auch erwarten, dass sie ihren Beitrag leisteten, um aus dieser Lage wieder herauszukommen.

Für Wehmut nach einem langen Berufsleben fehle ihm momentan die Muse, sagt Wiedemann. In Corona-Zeiten jage ein Termin den anderen. Bei der letzten Trägerversammlung habe er sich einen »Vorratsbeschluss« besorgt, um neue Stellen im Jobcenter zu schaffen. »Die Prognosen sind dramatisch. Wir werden sicherlich erhebliche Zunahmen bei den Bedarfsgemeinschaften im SGB II haben. So lange es möglich ist, schaffen wir das mit Bordmitteln.«

Für seinen Ruhestand hat Wiedemann schon Pläne: noch mehr Rad fahren, noch mehr Sport und viele Bücher lesen. »Vielleicht schreibe ich mich auch in die Seniorenuniversität ein.«

Da eine größere Verabschiedung ausfallen muss, würdigten Landrat Jan Weckler und Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch die Arbeit Wiedemanns im kleinen Rahmen: Mit Wiedemann gehe ein krisenerprobter Geschäftsführer in den Ruhestand, »der zugleich immer ein Mann des Ausgleichs zwischen manchmal widerstreitenden Interessen war«, wie Weckler sagte. Er habe das Jobcenter in die Spitzengruppe gebracht, lobte der Landrat. Becker-Bösch dankte »für die sehr gute Zusammenarbeit, die von viel Vertrauen getragen war«.

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