Das Impftempo muss erhöht werden. Das hessische Sozialministerium hat die Landkreise per Erlass aufgefordert, mehr Kapazitäten zu schaffen. Der Wetteraukreis will daher in Kürze wieder ein zentrales Impfzentrum einrichten - zusätzlich zu den bisherigen Plänen.
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Das Impftempo muss erhöht werden. Das hessische Sozialministerium hat die Landkreise per Erlass aufgefordert, mehr Kapazitäten zu schaffen. Der Wetteraukreis will daher in Kürze wieder ein zentrales Impfzentrum einrichten - zusätzlich zu den bisherigen Plänen.

7700 Impfungen pro Woche

Corona: Wetteraukreis hat Standort für neues zentrales Impfzentrum gefunden

  • David Heßler
    VonDavid Heßler
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Schon ab kommender Woche soll es Termine geben: Mittelpunkt im Wetterauer Kampf gegen Corona wird Wölfersheim. Dort eröffnet ein neues Impfzentrum.

Update vom Dienstag, 23.11.2021, 12.05 Uhr: Der Wetteraukreis hat einen Standort für sein neues zentrales Impfzentrum gefunden. Zum Montag, 6. Dezember, hin will die Kreisverwaltung dieses in der Wetterauhalle in Wölfersheim einrichten, wie es am Dienstagvormittag (23.11.2021) hieß. Das neue Impfzentrum soll zwar kleiner ausfallen als das ehemalige Impfzentrum in Büdingen, gemeinsam mit den weiteren Angeboten sollen aber dennoch 7.700 Corona-Impfungen pro Woche möglich sein. Weitere 12.500 Impfungen sollen auf die Arztpraxen entfallen. Neben den Hausarztpraxen setzt der Wetteraukreis auf die sieben dezentralen, täglich wechselnden Impfzentren, die für mehrere Kommunen geplant sind.

Laut der Kreisverwaltung ist die Wetterauhalle in Wölfersheim „sowohl mit der Bahn, als auch mit dem PKW gut zu erreichen“. Zudem verfüge die Halle über „ausreichend Wartebereiche, Sanitärräume und Parkplätze“. Landrat Jan Weckler (CDU) zur Standort-Wahl: „Außerdem wollten wir verhindern, dass mit der Einrichtung eines zentralen Impfzentrums andere Veranstaltungen und Tätigkeiten behindert werden oder ausfallen müssen, wie etwa Schul- oder Vereinssport.“ Nach Angaben der Wölfersheimer Bürgermeister Eike See kommt es für die Nutzer der Halle „nur zu leichten Änderungen und keinen großen Einschränkungen“.

Neues Impfzentrum im Wetteraukreis: Kampf gegen Corona braucht Personal

Nun gilt es beim Wetteraukreis wieder kurzfristig Personal zu akquirieren, die Einrichtung und die benötigte IT zu beschaffen. „Eine Mammutaufgabe für die Kreisverwaltung, insbesondere für das Gesundheitsamt, das seit knapp zwei Jahren an allen Fronten wie Kontaktnachverfolgung, Testungen sowie Impfungen gegen das Corona-Virus kämpft. Hier müssen wir wieder kurzfristig alle Kräfte bündeln, um wie geplant am 6. Dezember 2021 mit den Impfungen beginnen zu können“, so Landrat Jan Weckler.

Termine für das zentrale Impfzentrum Wölfersheim wird es voraussichtlich ab Ende nächster Woche geben. Eine Terminbuchung für die sieben dezentralen Impfzentren, die ab dem kommenden Montag (29.11.2021) ihre Arbeit aufnehmen, ist über die Hausärzte oder die Hotline des Gesundheitsamts (Tel.: 06031 83-2289) von Montag bis Freitag zwischen 9:00 Uhr und 16:00 Uhr möglich. Aktuell wird die Hotline durch weiteres Personal verstärkt, um Wartezeiten zu verkürzen. Am ersten Tag wurden rund 800 Impftermine noch für den November oder Anfang Dezember vergeben. 

„An der Hotline ist es auch möglich, gleich für mehrere Personen einen Termin zu vereinbaren. Gleichwohl bitte ich nochmals um Solidarität: Termine sollten vereinbart werden, wenn die Impfung bereits sechs Monate oder länger zurückliegt. So empfiehlt es auch die STIKO. Zudem sollte denjenigen Vortritt gelassen werden, die auf Grund ihres Alters, von Vorerkrankungen oder ihres Berufs besonders gefährdet sind“, so Weckler.

Wetteraukreis sucht nach neuem Impfzentrum

Erstmeldung vom Dienstag, 23.11.2021., 5 Uhr: Der Wetteraukreis muss seine Impf-Kapazitäten laut einem Erlass des Landes Hessen so ausbauen, dass wöchentlich mindestens 2,5 Prozent der eigenen Bevölkerung über die Gesundheitsämter geimpft werden können. Das wären rund 7700 Impfungen pro Woche. Das ist wohl nur mit einem größeren stationären Impfzentrum möglich. Ob dieses wieder in Büdingen eingerichtet wird, sei offen, sagt Pressesprecher Michael Elsaß. Man suche derzeit nach adäquaten Objekten. Das Impfzentrum könne man nicht einfach wieder reaktivieren, der ehemalige Baumarkt sei »komplett leergeräumt«. Vermutlich werde es nicht noch einmal ein »ganz so großes« Impfzentrum geben.

Den Landeserlass vom Samstagabend bezeichnet Landrat Jan Weckler (CDU) als »weitere Mammutaufgabe«, die den Landkreisen und kreisfreien Städten - ohne jede Abstimmung im Vorfeld - zugewiesen werden. Trotz dieser Widrigkeiten werde der Kreis seiner Verantwortung nachkommen, betont Weckler. Aber: »Die zahlreichen und meist kurzfristigen strategischen Änderungen von Bundes- und Landesseite in den vergangenen Tagen bedeuten auch für das Wetterauer Gesundheitsamt eine erneute Herausforderung und ein ständiges Um- und Nachsteuern.«

Corona-Impfungen im Wetteraukreis: Schon im September Booster in Altenheimen

Vor einem Jahr habe der Befehl des Innenministeriums noch genau vorgegeben, dass innerhalb von 14 Tagen ein Impfzentrum aufgebaut werden müsse. »Mit genauen Kriterien für die Eignung und Einrichtung von entsprechender Infrastruktur. Im aktuellen Erlass werden keine weiteren Vorgaben gemacht«, bemängelt Weckler. Die Landkreise müssten jetzt erneut in kürzester Zeit Personal rekrutieren und eine großflächige Impf-Infrastruktur aufbauen.

Zur Erinnerung: Ende September wurden die allermeisten Impfzentren geschlossen, auch das des Kreises in Büdingen. Die Kassenärztliche Vereinigung hatte explizit gefordert, dass die niedergelassenen Ärzte impfen und betont, dass die Kapazitäten dafür grundsätzlich auch vorhanden seien. Ein Trugschluss.

Weckler: »Wir können im Wetteraukreis froh sein, dass wir seit Beginn der Pandemie gut mit den Hausarztpraxen in der Region zusammengearbeitet haben und laufend in Kontakt stehen.«

Als einer der ersten Landkreise habe man noch im September in allen Alten- und Pflegeheimen, die das gewünscht hätten, Booster-Impfungen durchgeführt, erinnert Weckler. Zusätzlich unterstütze der Kreis die Krankenhäuser bei der Impfung des eigenen Personals. Die diversen öffentlichen und niederschwelligen Impfangebote für die Bürger im Oktober (allerdings nur Erst- und Zweitimpfungen), seien dagegen wenig bis gar nicht mehr angenommen worden, berichtet Weckler.

Wetteraukreis: Lokale Impfzentren bleiben bestehen

Dass es nun »eine Kehrtwende nach der anderen von Bundes- und Landesbehörden« gebe, trage - in Kombination mit der kurzfristigen Stiko-Empfehlung zu Booster-Impfungen ab 18 Jahren sowie der Ankündigungen zur Limitierung von Impfstoffmengen vor allem für Biontech - erheblich zur Verunsicherung der Bürger bei, sagt der Landrat.

Nun wird es zusätzlich ein mittelgroßes Impfzentrum geben. Der Wetterauer Plan war ein anderer: Der Kreis hatte zur Entlastung der niedergelassenen Ärzte bei den Booster-Impfungen an der Einrichtung von sieben lokalen Impfzentren in verschiedenen Kommunen gearbeitet (die WZ berichtete). Ziel war es, dass die Hausarztpraxen dort diejenigen Patienten einschleusen, die sie selbst kurzfristig in der Praxis nicht impfen können. Nach der Stiko-Empfehlung am Donnerstag wurde wegen der zu erwartenden Nachfrage nach Terminen zudem eine Hotline beim Gesundheitsamt geschaltet.

Wie der Landrat ankündigt, werde man an den sieben lokalen Impfzentren in Friedberg, Karben, Butzbach, Altenstadt, Florstadt, Nidda und Büdingen, die »in Absprache mit den Hausarztpraxen als eine Art ›Überlaufbecken‹ gedacht waren«, festhalten und diese ab Montag, 29. November, parallel betreiben. Weckler: »Der Wetteraukreis wird selbstverständlich seiner Verantwortung nachkommen. Die Impfungen sind der einzige Weg aus der Pandemie - wir alle wollen in den kommenden Wochen noch mehr impfen. Das ist das Gebot der Stunde.« Der Landrat bittet gleichwohl darum, bei den Impfungen denjenigen den Vortritt zu lassen, die aufgrund ihres Alters oder von Vorerkrankungen besonders gefährdet sind. Es sei zu hoffen, dass bis Jahresende beide mRNA-Impfstoff (Biontech und Moderna) in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen. »Auch hier ist wieder die Solidarität jedes Einzelnen gefragt.« Die Wetterauer sollten weiter achtsam sein, Hygienevorschriften einhalten und wenn möglich Kontakte vermeiden.

Wetterauer Amtsarzt: Moderna gleichwertig geeignet

Die Ankündigung des Bundesgesundheitsministeriums, dass ab kommender Woche die Auslieferung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer limitiert werden muss, kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt: »Die Verunsicherung der Menschen wächst, und parallel wird der Beratungsbedarf zunehmen. Das trägt nicht zum schnellen Impfen bei«, sagt Landrat Jan Weckler. Amtsarzt Dr. Reinhold Merbs betont zugleich, dass aus medizinischer Sicht der mRNA-Impfstoff von Moderna für die Booster-Impfung ebenso und gleichwertig geeignet sei. Dennoch erwartet auch er einen größeren Beratungsbedarf, da ein Großteil der Bürger mit Biontech geimpft sei und zu Recht Fragen zur Auffrischung mit einem anderen Impfstoff habe. Vergangene Woche hatte der Kreis noch angekündigt, in den lokalen Impfzentren werde ausschließlich Biontech verimpft.

Impftermine können beim Hausarzt oder unter der Hotline 0 60 31/83-22 89 vereinbart werden (Montag bis Freitag zwischen 9 und 16 Uhr).

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