Auch an der Kerckhoff-Klinik ist die Lockerung des Besuchsverbots mit zahlreichen Regeln und mit einem enormen Aufwand verbunden. Die Sicherheit der Patienten und des Personals muss schließlich gewährleistet sein. ARCHIVFOTO: PM
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Auch an der Kerckhoff-Klinik ist die Lockerung des Besuchsverbots mit zahlreichen Regeln und mit einem enormen Aufwand verbunden. Die Sicherheit der Patienten und des Personals muss schließlich gewährleistet sein. ARCHIVFOTO: PM

Klare Regeln

Krankenhäuser in Bad Nauheim und Friedberg: Was die Besuch-Lockerung bedeutet

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
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Wer in einem hessischen Krankenhaus liegt, darf wieder Besuch empfangen. Was bedeutet das für die Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim und die Krankenhäuser des Gesundheitszentrums Wetterau?

Die Lockerung des Besuchsverbots ist menschlich richtig und wichtig. Gleichzeitig liegt es in unserer Verantwortung als Krankenhausbetreiber, Gesundheitsschäden von allen Beteiligten abzuwenden." Damit fasst Dirk M. Fellermann, Geschäftsführer des Gesundheitszentrums Wetterau (GZW), zusammen, was die Lockerung in hessischen Krankenhäusern vor Ort bedeutet: Patienten und Angehörige können sich freuen, zugleich liegt auf den Teams in den Krankenhäusern und auf den Besuchern eine noch größere Verantwortung: Niemand darf sich mit dem Coronavirus infizieren und es weitergeben.

Was dies für das Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim, das Bürgerhospital Friedberg und das Kreiskrankenhaus Schotten bedeutet, macht GZW-Pressesprecherin Hedwig Rohde anhand vieler Punkte deutlich. Los geht es schon zu Hause, indem man unter www.gz-wetterau.de ein Formular herunterlädt, es ausdruckt und ausfüllt. Schließlich muss man sich als Besucher registrieren. Das kann man zwar auch im Krankenhaus am Empfang tun, die Variante zu Hause spart aber vor Ort Zeit und verhindert eine Schlange am Eingang.

Fieber messen am Kerckhoff-Eingang

Im Fragebogen geht es unter anderem um den eigenen Gesundheitszustand und eventuelle Kontakte in den vorangegangenen 14 Tagen. "Die Daten werden unter Beachtung der Datenschutzbestimmungen einen Monat lang aufbewahrt und müssen bei Vorliegen einer entsprechenden Anforderung an das Gesundheitsamt weitergeleitet werden", erläutert Rohde. Fieber werde am Eingang der GZW-Krankenhäuser nicht gemessen. Patienten können innerhalb der ersten sechs Tage ihres Aufenthalts bis zu zwei Besuche und ab dem siebten Tag täglich Besuche von jeweils bis zu zwei Personen empfangen. Die Besuchszeit ist jeweils auf eine Stunde begrenzt.

Hygiene- und Abstandsregeln sind einzuhalten. Wer akute Atemwegserkrankungen hat oder in den vorangegangenen 14 Tagen gehabt hat, darf die Krankenhäuser nicht betreten. Gleiches gilt für Menschen, die sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben oder Kontakt zu einer mit SARS-CoV-2 infizierten, einer an Covid-19 erkrankten und/oder einer unter Quarantäne stehenden Person gehabt haben.

Für Patienten und ihre Angehörigen sei das Besuchsverbot "eine erhebliche seelische Belastung" gewesen, macht Christiane Brandt, Pressesprecherin der Kerckhoff-Klinik deutlich. Auch dort müssen sich die Besucher - für Akuthaus und Reha - registrieren und Fragen beantworten, und zwar am Hauptempfang. Am Eingang wird übrigens mit einem kontaktlosen Fieberthermometer die Temperatur gemessen.

Im Akuthaus der Kerckhoff-Klinik dürfen Patienten innerhalb der ersten sechs Tage ihres Aufenthalts bis zu zwei Besuche von jeweils bis zu zwei Personen empfangen, ab Tag sieben sind täglich Besuche von jeweils bis zu zwei Personen erlaubt. Die Dauer der Besuche ist auf jeweils eine Stunde begrenzt.

Patient kann Besucher festlegen

"Ausnahmeregelungen sind nach Rücksprache mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten natürlich möglich und auch angezeigt - zum Beispiel ermöglichen wir Sterbenden natürlich einen Abschied von ihren Angehörigen", teilt Kerckhoff-Sprecherin Brandt mit.

Besuche im Reha-Zentrum sind innerhalb der Besuchszeiten wieder uneingeschränkt möglich. Patienten haben in der Kerckhoff die Option, bei ihrer Aufnahme eine Besucherliste zu hinterlegen. "Wir bieten diesen Service aufgrund der Beschränkung der Anzahl an Besuchen an, damit durch möglicherweise nicht abgesprochene Spontanbesuche die vielleicht ersehnten und abgestimmten Besuche von Familienangehörigen nicht unmöglich gemacht werden. Diese Angaben sind aber freiwillig und optional", erläutert Kerckhoff-Pressesprecherin Brandt.

Es gibt einen Bereich, den aktuell kein Besucher betreten darf: die Covid-Isolierstation. Und: Da in der Kerckhoff-Klinik auch Lungen und Herzen transplantiert werden, ist in Bereichen, in denen solche Patienten Zimmer haben, schon in Nicht-Corona-Zeiten besondere Vorsicht geboten, jetzt erst recht. Und so können auf den Intensiv- und Transplantationsstationen Besuche nur nach Rücksprache mit den behandelnden Ärzten erlaubt werden.

Kontrolle und Ausnahmen

In den GZW-Häusern werde die Einhaltung der Regeln grundsätzlich von allen Mitarbeitern im Krankenhaus, am Empfang und auf den Stationen, überwacht, teilt Pressesprecherin Hedwig Rohde mit. Auch das Kerckhoff-Team wird durch die Regeln vor Herausforderungen gestellt. So können Akuthaus und Reha-Klinik derzeit nur über den Haupteingang West betreten werden - die Beschilderung ist angepasst. Während des gesamten Aufenthaltes ist ein Mund-Nase-Schutz zu tragen und sind die Abstandsregeln einzuhalten. Der Aufenthalt der Besucher wird von den Mitarbeitern im Empfangsbereich dokumentiert. Die registrierten Besucher erhalten einen Aufkleber mit dem Datum des Besuchstages, den sie an ihrer Kleidung befestigen. Die Einhaltung der Hygiene- und Verhaltensregeln wird durch die Mitarbeiter auf Station kontrolliert. Kerckhoff-Sprecherin Christiane Brandt weist darauf hin, dass über die eigentlichen Besucher hinaus weitere Menschen in die Klinik kommen dürfen. Dabei handelt es sich beispielsweise um Seelsorger, Rechtsanwälte, Notare und "sonstige Personen, denen aus beruflichen oder therapeutischen Gründen oder aufgrund hoheitlicher Aufgaben Zugang zu gewähren ist". Auch in den GZW-Häusern sind Ausnahmen von Besuchsregeln möglich - für Partner von werdenden Müttern sowie für Partner und Kinder schwerstkranker Patienten. Darüber hinaus kann die Krankenhausleitung im Einzelfall für engste Familienangehörige Ausnahmen zulassen, wenn es nach Einschätzung des behandelnden Arztes oder aus ethisch-sozialen Gründen dringend geboten ist. Dies gilt auch für Besuche von Seelsorgern und Notaren.

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