Auch Kita-Gruppen gehen in Friedberg auf die Straße, um mehr Klimaschutz zu fordern.
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Auch Kita-Gruppen gehen in Friedberg auf die Straße, um mehr Klimaschutz zu fordern.

Demo für mehr Klimaschutz

Knapp 2000 Demonstranten gehen in Friedberg auf die Straße

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Am Ende dürften es knapp 2000 Demonstranten gewesen sein, die am Freitag in Friedberg für den Klimaschutz auf die Straße gingen. Das hatten die Veranstalter nicht erwartet.

Ein Schülerstreik? Sollten die am Freitagmittag um 11.30 Uhr nicht besser im Unterricht sitzen und lernen? Die Antwort auf diese - vermutlich oft gestellte - Frage stand auf einem Aufkleber auf dem Rucksack des ehemaligen Ersten Kreisbeigeordneten Helmut Betschel: "Liebe Erwachsene, schwänzt nicht den Klimastreik!" Ein Bewusstseinswandel ist bei vielen Bürgern eingetreten. "Schwänzen ist der falsche Ausdruck", sagte eine Demonstrantin, die mit ihren Enkeln gekommen war. "Die jungen Leute setzten sich für ihre Zukunft ein. In der Schule zu sitzen, ist viel bequemer." Ein ältererHerr ergänzte: "Wir sollten mehr auf unser Gewissen als auf die Schulordnung horchen."

Schon auf dem Bahnhofsvorplatz zeigte sich, dass diese Demo - zeitgleich mit Demonstrationen weltweit - anders als die vorherigen verlaufen wird. Nicht dass die Polizei viel zu tun gehabt hätte. Alles lief friedlich ab. Doch der Zustrom an Teilnehmern wurde immer mehr. "Wir haben Kirchen, Gewerkschaft und Umweltgruppen um Unterstützung gebeten, und es gibt kostenlos Gemüse und Obst", sagte Judith Hildebrandt vom Orga-Team. Äpfel und Pflaumen wurden verteilt, der Beienheimer "Pappelhof" hatte einen Schubkarren Möhren dabei. Der Bahnhofsvorplatz glich einem Schildermeer. "Wir streiken, bis ihr handelt" war da zu lesen, gefordert wurden eine Verkehrswende, eine Energiewende, mehr Windkraft und ein Plastikverbot. Dazwischen ragten Schilder mit der Aufschrift "Omas gegen Rechts" hervor: "Wir haben eine Whatts-App-Gruppe gegründet, wollen die Jugendlichen unterstützen", verriet eine "Oma"-Aktivistin. Auch die Taxifahrer erklärten sich solidarisch. "Wenn es hier eine Ladestation gäbe, könnten wir E-Taxis von Tesla ausprobieren", sagte ein Fahrer. Aber dazu fehle die Infrastruktur. Ein anderer ergänzte: "Ich habe jetzt wieder einen Diesel bestellt. Was soll ich auch anderes machen?"

Unterstützung durch Erwachsene

Erstmals dabei waren die "Parents for Future". "Wir dürfen unsere Kinder nicht allein lassen. Sie sind nicht dafür verantwortlich, was wir angerichtet haben", sagte Volkmar Heitmann. Physiker hätten schon vor 40 Jahren vor dem Klimawandel gewarnt. "Das wollte nur keiner hören."

Große Demo in Friedberg

 © Nici Merz
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Die Schüler fanden die Beteiligung der Erwachsenen "voll in Ordnung". "Die stören nicht", unkte einer. "Ist doch klasse, wenn auch Erwachsenen mitmachen", meinte eine 15-Jährige aus Bad Nauheim. Wie zwei Waldorfschülerinnen erzählten, sei der Klimaschutz ein wichtiges Thema im Unterricht. "Wir reden da super-viel drüber." Zwei Schülerinnen aus Friedberg sagten, je mehr man über die Klimaprobleme erfahren, desto eher ändere man auch sein eigenes Verhalten. Und ja, sie seien auch schon mit dem Flugzeug in den Urlaub geflogen. "Und mein Papa hat einen SUV." Gut fänden sie das nicht. "Wir fahren so oft es geht mit dem Rad oder mit Bus und Bahn."

Klimaschutz im Sachkundeunterricht

Im Takt der Samba-Trommler ging es vom Bahnhof über die Saarstraße zur Adolf-Reichwein- und zur Augustinerschule. Ein paar wenige Schüler schlossen sich an, aber die Demo war zu diesem Zeitpunkt schon so groß, dass sie in der Mainzer-Tor-Anlage vom Platz der Deutschen Einheit bis zum Rathaus reichte. Gegenüber der Adolf-Reichwein-Schule "bewunderten" die Demonstranten einen Klima-feindlichen Steingarten, während Viertklässler der Philipp-Dieffenbach-Schule mit Inbrunst ein englisches Umweltschutz-Lied sangen. Sie haben sich im Sachkundeunterricht mit dem Thema beschäftigt und Plakate ("Rettet den Eisbären") gemalt.

Auch Lehrer waren dabei, aber nur wenige. Sie müssen fehlende Schüler eigentlich melden. "Für uns Lehrer ist das etwas problematisch", sagte einer. Das Engagement der Schüler mit Fehlzeiten zu bestrafen, halte er aber nicht für sinnvoll. Ansprachen gab es nur wenige, zu den Rednern am Elvis-Presley-Platz zählte Dekan Volkhard Guth. "Dieser Tag wird uns im Gedächtnis bleiben. Mit dem 20. September ist aus einer Schülerbewegung eine echte Bürgerbewegung geworden", sagte Guth. Er rief die Demonstranten auf, nicht nachzulassen. "Bleibt dran!"

Die "Fridays for Future"-Gruppe Friedberg/Bad Nauheim hat für kommenden Freitag, 27. September, zum nächsten Aktionstag eingeladen. Die Demo beginnt um 11 Uhr am Bahnhof in Bad Nauheim.

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