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Knallen oder spenden?

Für viele Menschen gehört es einfach dazu, das Feuerwerk zum Jahreswechsel. Die Deutschen werden in diesem Jahr schätzungsweise 120 Millionen Euro für Raketen, Bomben und Knaller ausgeben. Viel Geld, das, so meinen Kritiker, einen besseren Zweck erfüllen könnte, als in die Luft gepustet zu werden.

Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust", bekennt Volkhard Guth, Dekan des evangelischen Dekanats Wetterau. "Ich kann einerseits verstehen, dass Menschen den Jahreswechsel mit Feuerwerk feiern wollen. Aber was könnte mit dem Geld, das für Böller ausgegeben wird, alles gemacht werden? In unserer Familie wird seit Jahren kein Feuerwerk mehr abgeschossen." Unter dem Motto "Brot statt Böller" ruft das Hilfswerk "Brot für die Welt" seit 1982 dazu auf, auf die Silvesterknallerei zu verzichten und das Geld stattdessen für Entwicklungshilfe oder regionale Projekte zu spenden. Das sieht auch Guth so: "Mit dem Geld könnte mehr als kurzfristige Katastrophenhilfe geleistet, sondern strukturell etwas geändert werden. Gegen einzelne Knallkörper und Raketen ist nichts zu sagen, aber alles mit Augenmaß."

Über die Sicherheit von Feuerwerkskörpern gibt das Prüfsiegel der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) Auskunft. Doch unter welchen Umständen die Knaller produziert werden, ist nicht ersichtlich. Vor allem in Indien und China ist Kinderarbeit in diesem Bereich weit verbreitet, aber auch in Südamerika. Feuerwerk "made von Kinderhänden" wird auch in Deutschland verkauft. Für Erwachsene sind die Arbeitsbedingungen in Feuerwerksfabriken in Asien, Südamerika oder Osteuropa oftmals ebenfalls schlecht; ein weiterer Punkt für Kritiker, vom Kauf abzuraten oder zumindest nachzufragen, wo die Böller produziert wurden.

Auf Prüfsiegel achten

Für die Feuerwehr ist Silvester keine besonders arbeitsintensive Nacht. Vielleicht ein Hinweis darauf, dass die Wetterauer sehr verantwortungsbewusst mit dem Abbrennen der bunten Lichter und Knaller umgehen. "Wir müssen ein bis zwei Mal ausrücken. Es sind keine größeren Sachen", so die Erfahrung von Friedbergs Stadtbrandinspektor Michael Stotz. Ausnahme war der Jahreswechsel 2012/13, als in Bad Nauheim ein Haus brannte. "Das ist zum Glück selten."

Worauf ist beim Abbrennen von Feuerwerk zu achten? Zuallererst, dass die Feuerwerkskörper das BAM-Prüfsiegel tragen. Nur diese sind in Deutschland zugelassen. Die Gebrauchsanweisung lesen, Feuerwerk grundsätzlich nur im Freien und nicht aus der Hand zünden, rät der Fachmann. "Wenn Feuerwerkskörper nicht gezündet haben, sie nicht noch einmal anzünden, sondern lieber mit Wasser ablöschen", rät Stotz. Raketen brauchen einen festen Stand, beispielsweise eine Flasche in einem Getränkekasten. Nach oben sollte der Weg frei sein und nicht durch Straßenlaternen oder Bäume versperrt sein.

"Feuerwerk gehört nicht in die Hände von Kindern und auf andere Menschen zu werfen, ist selbstverständlich tabu", sagt Stotz. In der Silvesternacht sollten Türen und Fenster geschlossen sein, damit sich keine Raketen in Häuser verirren können. Ob selber Feuerwerk abschießen oder zuschauen, so steht einem gelungenen Jahreswechsel nichts mehr im Wege. (ini/Foto: dpa)

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