Klimaschutzkonzept wirft Fragen auf

  • David Heßler
    vonDavid Heßler
    schließen

Wetteraukreis(hed/pm). Der Wetteraukreis will die CO2-Emissionen in den kreiseigenen Gebäuden bis 2030 um mindestens 55 Prozent reduzieren, verglichen mit dem Jahr 1990. Für die CDU/SPD-Koalition ist das ein "ambitioniertes Ziel", für die Grünen ein "klimapolitischer Offenbarungseid".

Die Fortschreibung des Klimaschutzkonzeptes steht auf der Tagesordnung der Sitzung des Kreistags, die am Mittwoch, 23. September, 15 Uhr, ausnahmsweise nicht im Friedberger Kreishaus, sondern im Bürgerhaus Nidda stattfindet.

Anhand eines Maßnahmenkatalogs hatte der Kreisausschuss Vorschläge für den Einsatz regenerativer Energien, energetische Sanierungen, Heizungsmodernisierungen sowie den effizienten Einsatz von Beleuchtungstechnik und Elektrofahrzeugen vorgelegt (die WZ berichtete). Die große Koalition hat für die Sitzung einen Antrag auf Ergänzung des Papiers gestellt, "um dem Ganzen noch mehr Nachdruck zu verleihen", wie die Fraktionsvorsitzenden Sebastian Wysocki (CDU) und Christine Jäger (SPD) mitteilen. Sie wollen, dass die Nutzer der kreiseigenen Gebäude kontinuierlich sensibilisiert werden, Energie einzusparen. Weiter sollte der Wetteraukreis Beispiele aus den umgesetzten Maßnahmen veröffentlichen.

Für das nun vorliegende Konzept wurden mithilfe eines Ingenieurbüros 28 Kreis-Gebäude hinsichtlich Bauphysik, Wärmeerzeugung und Beleuchtung analysiert, um daraus Sanierungsempfehlungen abzuleiten. Neubauten müssen laut Konzept der aktuellen Energieeinsparverordnung und dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz genügen. Bei energetischen Sanierungen ist ein Heizenergieverbrauch von nicht mehr als 40 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr angestrebt, umsetzbar bis Ende 2026.

Bei der Modernisierung von Heizungen und Beleuchtungen sowie in Neubauten ist ein Heizungs- bzw. Beleuchtungskonzept in der jeweiligen Fassung anzuwenden. Bei Neubauten und Dachsanierungen wird der Einsatz von Fotovoltaikanlagen geprüft, wobei auf den größtmöglichen Eigenverbrauch zu achten ist. Weiterhin soll bei Neubauten und Sanierungen der "Einsatz von innovativer Technik" geprüft werden. Der Fuhrpark der Kreisverwaltung soll schrittweise auf alternative Antriebssysteme umgestellt werden. Alle zwei Jahre soll wie bisher ein Klimaschutzbericht erstellt werden, der alle kreiseigenen Liegenschaften - immerhin 400 Gebäude, darunter 88 Schulen und Gemeinschaftsunterkünfte - berücksichtigt.

Grüne fordern 70 Prozent

Für die Grünen ist die Fortschreibung des Klimaschutzkonzeptes "ein Freifahrtschein dafür, (fast) nichts weiter in Sachen Klimaschutz unternehmen zu müssen", kritisiert Fraktionschef Michael Rückl. Schließlich habe der Kreis bis 2018 bereits 50,5 Prozent erreicht. "Für lächerliche 4,5 Prozent zusätzliche Einsparung sollen also zwölf Jahre vertrödelt werden. Das ist ein klimapolitischer Offenbarungseid." Die Fraktion fordert daher ein Einsparungsziel von 70 Prozent, um eine Treibhausgasneutralität bis 2050 zu erreichen. Das Klimabündnis, dem der Wetteraukreis 1998 beigetreten sei, gebe als Ziel eine Reduktion von zehn Prozent alle fünf Jahre an. "Andere Mitglieder des Bündnisses, zum Beispiel Offenbach und Frankfurt, haben sich diese Ziele zu eigen gemacht - warum nicht der Wetteraukreis?", fragt die klimapolitische Sprecherin Katja Dombrowski. Fraktionskollege Marcus Stadler kritisiert, dass nur ca. 15 Prozent der kreiseigenen Gebäude überhaupt betrachtet wurden. "Darunter sind weniger als ein Siebtel aller Schulgebäude und nicht einmal alle, die im letzten Klimaschutzbericht den höchsten CO2-Ausstoß aufwiesen." Mit den vorgeschlagenen Maßnahmen würden bis 2026 nur etwas mehr als 8 Prozent der Gesamtemissionen an kreiseigenen Gebäuden eingespart - mit Aufwendungen von ca. fünf Millionen Euro. Dass Erdgas teurer werde, sei in den Wirtschaftlichkeitsberechnungen im Heizungskonzept nicht berücksichtigt; Blockheizkraftwerke und Brennstoffzellen würden kaum beachtet. Beim Fuhrpark seien nur Pkw für die Umstellung vorgesehen, Transportfahrzeuge nicht.

Laut Stadler brauche es Fachpersonal statt "weiterer teurer externer Konzepte". Nötig seien ein Sanierungsfahrplan für alle Kreisgebäude, eine "ordentliche" Beleuchtungsplanung und ein effizientes Energiecontrolling. Der Kreis Gießen sei hier viel weiter.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare