Ohne Zwischenhalt zieht die Demonstration am Elvis-Presley-Platz vorbei. FOTOS: LONI SCHUCHARDT
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Ohne Zwischenhalt zieht die Demonstration am Elvis-Presley-Platz vorbei. FOTOS: LONI SCHUCHARDT

"Fridays for Future"

Klimaschützer demonstrieren in Friedberg

  • vonHarald Schuchardt
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Klimaschützer sind am Freitag demonstrierend durch Friedberg gezogen - vom Bahnhof bis zur Seewiese, wo eine Kundgebung abgehalten wurde.

Fast ein halbes Jahr lang haben die Aktionen von "Fridays for Future" (FfF) nur im Internet stattgefunden, auch bei der Gruppe Friedberg/Bad Nauheim. Am Freitag jedoch gingen die Klimaschützer wieder auf die Straße. Los ging es um 11 Uhr am Bahnhof Bad Nauheim, von wo aus sich etwa 50 Teilnehmer mit dem Fahrrad in Richtung Friedberg auf den Weg machten. Ziel war der dortige Bahnhof, wo sich ab 12 Uhr die Klimaschützer zur ersten Demonstration seit Beginn der Corona-Pandemie in Friedberg überhaupt trafen.

"Wir sind mit der Resonanz angesichts der Umstände zufrieden", sagte der Friedberger Leonard Diez, einer der Aktivisten in der lokalen Gruppe. Für die Demonstration hatte die Gruppe ein Hygienekonzept ausgearbeitet.

Großes Aufgebot der Polizei

Vor dem Start der Demo scharte der Bad Vilbeler Niklas Braumann die Ordner um sich und erläuterte noch einmal ausführlich, worauf bei der Demonstration besonders zu achten sei. Dazu gehörten das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung ebenso wie der Mindestabstand von 1,50 Metern, aber auch Rauchen und Alkoholgenuss waren während der Demo nicht erlaubt.

Erfreulich war die Reaktion der Teilnehmer, die sich ohne Ausnahme an die vorgegebenen Regeln hielten. Verzichtet wurde auf Zwischenkundgebungen auf dem Europa- oder dem Elvis-Presley-Platz. So zog die Demonstration ohne Halt eine Stunde durch die Stadt, begleitet von einem großen Polizeiaufgebot mit zwei Motorrädern, zwei Polizistinnen auf Segways und fünf Einsatzfahrzeugen.

Mit dabei waren unter anderem das evangelische Dekanat Wetterau, das Bündnis "Querstellen" und Mitglieder der Mittelhessischen Energiegenossenschaft. Mit zwei Plakaten beteiligten sich Hanna Koppehl aus Rosbach und Nele Doerk an der Demonstration. "Ich habe das Plakat nicht selbst gemacht, aber ich finde den Spruch klasse", sagte Doerk. "Klimawandel gibt es nicht - Ganz dünnes Eis, mein Freund" war darauf zu lesen.

Mehr Windkraft in Region gefordert

Nach einer Stunde erreichte der Zug die Seewiese, wo Eva Parbel die Reihe der Redebeiträge eröffnete. "Wir haben die Regeln der Natur nicht verstanden", sagte die FfF-Aktivistin und forderte ein Umdenken in Politik und Gesellschaft: "Wir sollten unsere Umwelt endlich als Mitwelt anerkennen. Klimaschutz muss selbstverständlich sein." Als "Opa for Future" bezeichnete sich der Münzenberger Diethard Stamm. Der langjährige Kämpfer für Umweltschutz ging unter anderem auf die Diskussion um die geplanten Windräder auf dem Winterstein ein. Er forderte die Durchsetzung der ursprünglichen Planung mit 23 Windrädern. Kein gutes Haar lies das Grünen-Mitglied an der Position der Friedberger UWG: "UWG heißt Unser Wald geht". Auch Werner Neumann vom BUND Wetterau forderte den schnellen Ausbau von Windkraft in der Region.

Viel Beifall gab es für Vera Bonica von der Seebrücke Gießen, die als Seenotretterin eine sofortige Änderung der "Rassistischen europäischen Flüchtlingspolitik" ebenso forderte wie die Schaffung sicherer Fluchtwege und fairer Asylverfahren.

Die 18-Jährige Camilla Czempin aus Bad Nauheim bedauerte, dass Corona den Klimawandel verdrängt habe. "Das dürfen wir nicht zulassen. Wir sollten Hand in Hand gehen - und wenn das derzeit real nicht möglich ist, dann wenigstens in unserem Herzen."

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