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Kantor Ulrich Seeger im Hintergrund sowie seine Schülerinnen und Schüler (v. l.) Constantin Blum, Helen Hoffmann, Fiona Karl und Nils Mack. Sie haben zuvor unter anderem drei Präludien von Johann Sebastian Bach gespielt.

Kleiner Abschied von der Orgel

  • vonGerhard Kollmer
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Friedberg (gk). 56 Jahre hat sie in unzähligen Gottesdiensten, bei Andachten, Konzerten, Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Trauerfeiern ihre Dienste geleistet: die im März 1965 eingeweihte Orgel der Friedberger Stadtkirche.

Nun aber steht eine etwa neunmonatige Restaurierung und Erweiterung der »Königin der Instrumente« durch die Kasseler Orgelbaufirma Bosch an. Erfolgen wird neben Reinigung, Erneuerung der Spieltechnik und dem Einbau eines neuen Spieltischs vor allem die Ergänzung durch elf neue Register mit klangvollen Namen wie »vox coelestis« (himmlische Stimme), »harmonia aetherea« oder »Lieblich gedackt«. Die über 700 Pfeifen umfassenden Register werden in zwei Orgelwerken auf beiden Seitenemporen positioniert.

In einer musikalischen Andacht am Pfingstsamstag, die mit Meditationen von Pfrin. Claudia Ginkel über das Wunder der Ausgießung des Heiligen Geistes umrahmt war, erhielten vier jugendliche Orgelschüler von Stadtkantor Ulrich Seeger die Möglichkeit, ihr Können im Orgelspiel zu demonstrieren - Helen Hoffmann, Constantin Blum, Nils Mack und Fiona Karl. »Roter Faden« ihrer eindrucksvollen Darbietungen waren drei Präludien Johann Sebastian Bachs - in g-Moll, C-Dur und F-Dur. Darüber hinaus kamen - neben einer von Helen Hoffmann intonierten Toccata Johann Pachelbels - zahlreiche Vertonungen von Kirchenliedern aus dem evangelischen Gesangbuch zu Gehör.

Fiona Karl führte vor, dass die Orgel nicht nur in Gottesdiensten oder geistlichen Konzerten eingesetzt werden, sondern auch in Bearbeitungen »weltlicher« Musik ihr Potenzial entfalten kann.

Filmmusik und langer Applaus

Die jüngste Schülerin Ulrich Seegers hatte für ihren Auftritt unter anderem Passagen aus der Musik zu den Filmen »Die fabelhafte Welt der Amélie« und »Fluch der Karibik« ausgewählt. Langer Applaus belohnte die Leistung der jungen Musikerinnen und Musiker.

Der 1667 in Lübeck verstorbene frühbarocke Tonsetzer Franz Tunder war Schwiegervater Dietrich Buxtehudes und dessen Vorgänger als Organist an der Stadtkirche St. Marien zu Lübeck. Tunder ist es auch, der erstmals die Koppelung von Präludium und Fuge in seine Orgelwerke »einbaut« und damit in die Musikgeschichte eingeht. Ulrich Seeger brachte im zweiten Teil der Andacht dessen Choralfantasie »Komm, Heiliger Geist, Herre Gott« zu Gehör. Daneben erklangen ein Trio und Orgelchoral von Johann Sebastian Bach von seiner Hand. Passend zum Anlass der Andacht ergänzte Seeger sein Spiel durch mehrere Klangbeispiele, die den »Sound« der jeweils dominierenden Pfeifen heraushoben.

Die um den Heiligen Geist kreisenden Meditationen von Pfarrerin Ginkel versuchten - soweit dies die Kürze der Zeit zuließ - eine Ahnung von diesem schwer fassbaren Schlüsselbegriff anhand anschaulicher Beispiele zu vermitteln.

»Du bist wie der Wind, Heiliger Geist«: Mit diesem Gebet und dem Vaterunser endete die Pfingstandacht nach anderthalb Stunden.

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