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Elternbeiträge

Kitas und Schulen in der Wetterau: Freie Träger mit Finanzproblemen

Das Gros der Eltern hat das Weiterlaufen der Beiträge für Kitas und Schulen akzeptiert. Nichtsdestotrotz beobachten viele Einrichtungen in freier Trägerschaft ihre Finanzen aktuell aufmerksam.

Die Zahlen ihrer Einrichtung betrachtet Jana Theurer in diesen Tagen »besonders wachsam«. Denn die Corona-Pandemie hat auch bei Kindertagesstätten und Schulen in freier Trägerschaft - und damit auch an der Waldorfschule Wetterau in Bad Nauheim - ihre Spuren hinterlassen. Während die Betreuung während der Pandemie in vielen Teilen lange zum Erliegen kam, liefen die Elternbeiträge weiter.

Im Fall der Waldorfschule, die auch zwei Kindergärten im Kreis unterhält, wurden die Beiträge etwa - auch aufgrund der vorzuhaltenden Notbetreuung und der damit weiterlaufenden Personalkosten - komplett aufrechterhalten, erklärt Theurer, Geschäftsführerin des Waldorf-Schulvereins. »Lediglich die Nachmittagsbetreuung des Kindergartens wurde erstattet. Immerhin durften wir ja gar kein Mittagessen anbieten.« Die Stadt Bad Nauheim hingegen hätte sich ein komplettes Aussetzen der Beiträge gewünscht, sagt Theurer.

Kitas und Schulen in der Wetterau: Auch im Süden kaum Beschwerden

Proteste von Eltern, wie sie aus anderen Teilen Deutschlands berichtet wurden, blieben in Bad Nauheim aus. Rund zehn der insgesamt 450 Elternhäuser hätten auf Anfrage gestattet bekommen, die Beiträge bis Ende September zu stunden.

Auch eine Kindertagesstätte in Hand einer anderen freien Trägerschaft im Süden der Wetterau, deren Mitarbeiterin namentlich nicht genannt werden möchte, berichtet lediglich von einer »Handvoll Eltern«, die wegen der weiterlaufenden Beträge auf die Leitung zugekommen wären.

Nichtsdestotrotz: Die Zeit für Großinvestitionen sei aktuell nicht, sagt Theurer. Auch wenn die Waldorfschule durch Corona nicht in finanzielle Bedrängnis gekommen sei, so fehlten viele kleine Bausteine, erinnert sie: An Tagen der offenen Tür oder Schulfesten etwa werde traditionell gespendet, diese Einnahmen fehlten in diesem Jahr gänzlich.

Kitas und Schulen in der Wetterau: Zuschüsse durch die Stadt nur für tatsächlich betreute Kinder

Tatsächlich ist die Finanzierung durch die Stadt der einzige Punkt, an dem die Geschäftsführerin noch die Luft anhält: Hier wird der Kindergarten stets zum Jahresende bezahlt, nach der Zahl der tatsächlich betreuten Kinder. Sprich: Ist ein Kind etwa zwei Monate erkrankt oder zieht es zur Jahresmitte weg, so erhält die Einrichtung für die Fehlmonate keine Bezuschussung. »Sollte das auch mit der Corona-Zeit so gehandhabt werden, dann hätten wir ein richtiges Problem«, sagt Theurer. In der Notbetreuung durften der Vorgaben wegen nur 15 Kinder betreut werden.

Weniger drastisch sieht es beim Schulzweig aus. Das liegt zum einen daran, dass 78 Prozent der Finanzierung durch das Land Hessen abgedeckt seien, und diese Landesfinanzierung laufe weiter. Und die 22 Prozent, die die Elternbeiträge ausmachen, stehen nicht ganz so deutlich zur Disposition wie die Beiträge zur Kleinkindbetreuung - immerhin sind viele Schulen gerade in freier Trägerschaft schnell auf Online-Angebote ausgewichen.

Kitas und Schulen in der Wetterau: Größere Schulen mit größeren Problemen

So wie die Montessori-Sekundarschule Wetterau: »Unsere Lehrer haben quasi mehr unterrichtet als sonst«, sagt Geschäftsführerin Katja Prott. Schnell sei auf Online-Unterricht ausgewichen worden, seit 27. April seien die Absolventen der Klassen sieben bis zehn bereits wieder in den Präsensunterricht bestellt worden. So hätten Eltern auch hier nur »in Einzelfällen« angefragt, ob eine Erstattung der Kosten möglich wäre.

Verständnis habe sie dafür durchaus, sagt Prott: Auch bei den Eltern sei teils Kurzarbeit angemeldet gewesen, andere mussten ebenfalls mit eigenem Equipment ins Homeoffice. »Und es hat ja nicht jeder vier Laptops daheim, damit alle parallel arbeiten können«, hält sie fest. Von Kollegen von anderen, »vor allem größeren« Schulen weiß sie, dass diese größere Probleme hatten, Unterricht wieder in der Schule zu organisieren - und dementsprechend auch mehr verärgerte Eltern beobachteten. An der Montessori-Sekundarschule lernen nur 120 Schüler in vergleichsweise großen Klassenräumen.

Kitas und Schulen in der Wetterau: Keine Kosteneinsparung möglich

Adressiert hat die Schule ihre aktuellen Probleme bei einem Elternabend: »Ich habe ganz offen dargestellt, dass wir alle sogar mehr zu tun haben, und dass wir aktuell nirgends Kosten einsparen könnten, die wir an die Eltern zurückgeben könnten«, sagt Schulleiterin Prott. Allein die Desinfektionsmittel seien eine zusätzliche, nicht zu vergessende Ausgabe. »Dafür hatte dann jeder Verständnis.«

Nun blicken Prott und ihre Kolleginnen an anderen Schulen und Kindertagesstätten hoffnungsvoll auf die Zeit nach den Sommerferien. »Wir wollen wieder Essen anbieten«, sagt Prott. Auch hier war während der Corona-Zeit eine nicht unbedeutende Unwucht entstanden: Sowohl Montessori- als auch Waldorf-Campus haben eigene Küchen mit eigenen Mitarbeitern, die weiter bezahlt werden mussten. Mittagessen an die Kinder ausgegeben werden durfte jedoch nicht.

Im Wetteraukreis gibt es 124 Krabbelstuben und Kindertagesstätten, außerdem 24 Kindergärten. Grundsätzlich wird bei den Einrichtungen zwischen öffentlichen, also kommunalen, und freien Trägern unterschieden. Freie Träger finanzieren sich zu Teilen aus öffentlicher Hand, jedoch zu einem nicht unbedeutenden Teil aus Spenden und (Eltern-)Beiträgen. Sowohl die Kirchen als auch bekannte Pädagogikkonzepte wie Montessori und Waldorf sind unter den freien Trägern zu finden; letztere unterhalten in der Wetterau insgesamt sieben Kindertagesstätten, unter anderem in Bad Vilbel und Karben.

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