In der Bad Nauheim Kita an der Christuskirche sollen die Kinder an der Eingangstür abgegeben werden. 	FOTOS: NICI MERZ/PM
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In der Bad Nauheim Kita an der Christuskirche sollen die Kinder an der Eingangstür abgegeben werden.

Nachgefragt

Kita Notbetreuung: So ist die aktuelle Lage in den Wetterauer Kommunen

  • vonMarion Müller
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Ab 2. Juni sollen die Kitas stufenweise öffnen - ein einheitliches Konzept gibt es jedoch noch nicht. Wie sieht die derzeitige Notbetreuung in den Kommunen aus?

Gruppengrößen: Maximal fünf Kinder werden pro Notgruppe betreut. In manchen Bad Nauheimer Kitas sind es nur wenige Kinder, andere Einrichtungen sind schon recht voll, berichtet Fachbereichsleiter Jochen Mörler. Etwa die Kita am Hochwald, weil viele Eltern im Krankenhaus arbeiten. Für ihn ist klar, dass die Öffnung der Kitas nur schrittweise erfolgen kann. Auf größere Gruppen könne man sich einstellen, sollte der Kreis der anspruchsberechtigten Eltern erweitert werden, sagt Marion Götz, Erste Stadträtin in Friedberg. Zwei Erzieherinnen pro Gruppe seien abgestellt. In Niddatal seien immer dieselben Personen mit denselben Kindern in Kontakt. So werde das Infektionsrisiko auch zu den anderen Gruppen minimiert, sagt Bürgermeister Dr. Bernhard Hertel.

Anspruchsberechtigte: Zu den anspruchsberechtigten Eltern zählen neben den Beschäftigten in systemrelevanten Berufen alle Alleinerziehenden, unabhängig von ihrer beruflichen Tätigkeit. Doch nicht alle, die es dürften, schicken ihre Kinder auch in die Kita. »Es kommen aber immer mehr Kinder«, sagt Jochen Mörler. Vergangene Woche waren es in Bad Nauheim 95 Kinder, ab Montag sind es bereits 173. Viele Anspruchsberechtigte hätten sich bisher mit Urlaub oder Abmachungen mit dem Arbeitgeber über Wasser gehalten. »Aber das geht nur bis zu einem bestimmten Punkt.« In Friedberg gehen momentan 47 Kinder in die Kita. »Doch diese Zahl schwankt täglich«, berichtet Götz. Manche würden die Kinder nur stunden- oder tageweise vorbeibringen. »Wir versuchen, auf die individuellen Wünsche einzugehen.« Andere organisierten die Betreuung privat im Freundeskreis. Das war bisher eigentlich verboten. Bis zur Kita-Öffnung will das Land Familien die Bildung von Betreuungsgemeinschaften aus je zwei Familien jedoch erlauben.

Ausweichquartiere: Die Betreuungszahl in Niddatal schwanke von Tag zu Tag zwischen fünf und 20 Kindern, sagt Bürgermeister Hertel. In Reichelsheim sind 28 Kinder in der Notbetreuung, aufgeteilt auf zwei Kitas mit 16 und zwölf Kindern. Es werde derzeit geprüft, ob sich Bürgerhäuser für die Betreuung eignen, falls mehr Kinder betreut werden müssen.

Erzieherinnen: Nicht wenige Erzieherinnen gehören selbst zur Risikogruppe und stehen nicht zur Verfügung - was eine sofortige Rückkehr zum »Normalbetrieb« ohnehin ausschließt. In Bad Nauheim wurden Erzieherinnen zudem in Kurzarbeit geschickt. In Friedberg gebe es aber genug zu tun außerhalb des »Dienstes am Kind«, wie Götz berichtet. So würden viele derzeit die pädagogischen Konzepte aktualisieren oder administrative Aufgaben übernehmen. Auch pädagogische Arbeit mit den Kindern zu Hause werde gemacht; etwa über Rundschreiben oder Bastelpakete.

Abstand: Das Abstandhalten fällt schon Erwachsenen schwer. Gerade kleine Kinder haben oft engen Kontakt untereinander oder zu den Erziehern. »Der Kontakt findet statt«, weiß auch Horst Wenisch, Koordinator für die Reichelsheimer Kitas. »Das geht gar nicht anders.« Auch Niddatals Bürgermeister Hertel sagt, dass der Abstand unter den Kindern oder zu den Erziehern nicht immer eingehalten werden könne. »Wir versuchen, dass die Kontakte nicht zu eng sind.«

Hygiene: In den städtischen Kindertagesstätten in Reichelsheim oder Niddatal etwa würden regelmäßig Kontaktgegenstände wie Türklinken, Spielsachen oder Wickelecken gereinigt und desinfiziert. »Wir haben unsere Reinigungskräfte darauf hingewiesen, verstärkt auch diese Dinge zu reinigen«, sagt Wenisch. Auch würden die Kinder häufiger zum Händewaschen animiert. Das gehöre ohnehin zum pädagogischen Konzept, sei in Zeiten von Corona aber noch wichtiger. Auch in Niddatal waschen und desinfizieren sich die Kinder regelmäßig die Hände, bestätigt Hertel.

Masken: In Bad Nauheim sind die Erzieherinnen angehalten, Masken zu tragen. Wirklich lange geht das bei der Arbeit mit Kindern aber nicht, das wissen auch die Verantwortlichen und schauen hier nicht allzu streng hin. In Friedberg verzichtet man gleich auf Masken. Auch in den Reichelsheimer und Niddataler Kindertagesstätten müssen die Erzieher keine tragen. »Die Kommunikation über Mimik ist für die Kinder wichtig«, sagt Bürgermeister Hertel. Ein Mundschutz sei nicht gefordert. Das bestätigt auch Wenisch. In Reichelsheim würden die Erzieher nur einen Mundschutz im Wickelbereich tragen.

Eltern: An den Eingängen der Bad Nauheimer Kitas hängen fast überall Desinfektionsspender. Wo Toiletten im vorderen Bereich vorhanden sind, sollen sich die Eltern die Hände waschen. Doch wie in Friedberg sollen die Eltern die Einrichtungen bestenfalls erst gar nicht betreten und die Kinder am Eingang abgeben. In Reichelsheim gibt es dafür eine Eingangsschleuse. Es sollen so wenig Menschen in die Kita kommen wie möglich, sagen Wenisch und Hertel.

Essen: In den Friedberger Kitas wird auch in der Notbetreuung zusammen gekocht, berichtet Götz. Die Grundkomponenten würden angeliefert, das Zubereiten sei nach wie vor ein wichtiger Bestandteil in der pädagogischen Arbeit. In Bad Nauheim wird das bereits zubereitete Essen zentral angeliefert und dann verteilt.

Kita to go: In Reichelsheim sind alle Erzieher in ein pädagogisches Konzept eingebunden - Kindergarten to go. Wenisch erklärt, dass so der Kontakt zwischen Erziehern und Kinder aufrecht erhalten werden soll. So packe jede Erzieherin eine Tasche mit Spielen, Malsachen und Übungen und bringe sie den Kindern nach Hause. Zudem hielten die Erzieher regelmäßig Kontakt zu den Eltern, um Fortschritte festzuhalten. Die Taschen würden dann wieder abgeholt und »ausgewertet«.

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