Einfach mal entspannt spielen, so soll es sein in der Kita. Eigentlich, doch in Corona Zeiten ist die Sorge groß, dass ein hustendes Kind vielleicht nicht nur erkältet ist.
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Einfach mal entspannt spielen, so soll es sein in der Kita. Eigentlich, doch in Corona Zeiten ist die Sorge groß, dass ein hustendes Kind vielleicht nicht nur erkältet ist.

Kita-Kinder

Kita und Corona: Was ist, wenn ein Kind hustet? - Diskussionen in der Wetterau

  • vonHedwig Rohde
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Was ist, wenn ein Kind in einer Kita hustet? Herrscht dann Corona-Panik? Wie wird reagiert, Nachgefragt in Bad Nauheim und Friedberg. Klar ist vor allem: Es wird kompliziert für alle Beteilgten.

Das wird spannend im Herbst, wenn die Erkältungswelle kommt und alle die Panik auf der Stirn haben, es könnte Corona sein«, fasst Heike Noll, Fachdienstleiterin Soziales und Gesundheit in Bad Nauheim, ihre Erwartungen zusammen. Ebenso wie ihre Kolleginnen in anderen Kommunen ist sie gerade damit beschäftigt, das Hygienekonzept für die städtischen Kitas fertigzustellen. Das Land hat Empfehlungen formuliert: Kinder dürfen nicht krank in die Kita kommen - was theoretisch immer so war, coronabedingt nun aber streng kontrolliert werden dürfte.

Als Ausschlussgründe werden in einem Elternbrief »Fieber, Husten, Atemprobleme, Halsschmerzen, Gliederschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall« benannt. Für chronisch - zum Beispiel Heuschnupfen - kranke Kinder wird die Einholung eines ärztlichen Attests empfohlen. Schnupfen allein schließt laut Landesregierung, nicht vom Kita-Besuch aus. »Nennen Sie mir mal ein Kind, das außer Schnupfen nicht auch noch Husten hat!«, kommentiert Noll das. Auch Erzieherinnen und Erzieher mit Symptomen dürfen die Kita nicht betreten; umgekehrt dürfen Fachkräfte mit Risikobelastung keine Kinder direkt betreuen. »Wir haben Glück, dass nur eine Erzieherin nicht mit Kindern arbeiten darf. Wenn Sie mehrere Kollegen mit entsprechenden Vorerkrankungen haben, wird die Organisation schwierig«, sagt Noll.

In Friedberg werden nach Angaben von Dezernentin Marion Götz deshalb zwei Erzieherinnen für administrative Aufgaben eingesetzt. Die Anpassung an lokale Gegebenheiten gilt als Hauptgrund dafür, dass das Land die Ausgestaltung der Hygienekonzepte den Kita-Trägern überlässt.

Kita und Corona in der Wetterau: Flure zu eng, um Abstand zu halten

Grundsätzlich dürfen wieder alle Kinder kommen. Sowohl in Friedberg, als auch in Bad Nauheim werden Kinder mit Erkältungssymptomen vom Kita-Besuch ausgeschlossen. Auch sollen Eltern die Kindergärten nicht betreten, sondern die Kinder vor dem Gebäude abgeben und Gespräche nur nach Voranmeldung führen. Die Stadt Friedberg wolle diese Regelung nach der Sommerpause noch einmal überprüfen, sagt Götz. Allerdings: Die Flure in vielen Kitas seien so eng, dass Abstand halten schwierig werden dürfte.

Eine Ausnahme vom Betretungsverbot gibt es in Bad Nauheim - mit Maskenpflicht - für die Eingewöhnungszeit. In Friedberg findet die Eingewöhnung aktuell in den Außenbereichen statt. Nach den Ferien sollen Eingewöhnungen draußen und drinnen erfolgen beziehungsweise altersabhängig - für die U3-Kinder - auch komplett innen. Man werde dies - bei Maskenpflicht für die Erwachsenen - so organisieren, dass möglichst wenige Personen zeitgleich anwesend seien und sich innen möglichst wenige Eltern begegneten, versichert Götz.

Kita und Corona in der Wetterau: Ein echtes Dilemma

Sie weiß, dass der Ausschluss erkältungskranker Kinder schwierig für die Eltern wird, gibt aber zu bedenken: »Was wollen Sie machen, wenn Sie die Symptome wie Schnupfen, Husten, Halsweh nicht beachten, und nachher muss die ganze Einrichtung in Quarantäne, weil es einige Verdachtsfälle gibt? Dieses Dilemma wird sich nicht auflösen lassen, solange es das Virus gibt.«

Auch Barbara Theiß aus Karben, Mitbegründerin der bundesweiten Initiative »Kinder brauchen Kinder«, sieht im Herbst eine große Herausforderung auf die Eltern zukommen. Sie fordert von der Politik mehr Rücksicht auf Familien. Regelungen wie der Kindergartenausschluss müssten vom Infektionsgeschehen abhängig gemacht werden; sei dieses niedrig, verringere sich der Handlungsbedarf. Vor allem moniert Barbara Theiß die unterschiedliche Umsetzung der Verordnung in den Kommunen. Notwendig sind aus ihrer Sicht mehr Tests in den Kitas und kindgerech- te Testverfahren. Nähere In-formationen gibt es im Internet unter der Adresse https://kinderbrauchenkinder-petition.de/die-initiative.

Das sagt Kinderarzt Arno Fuchshuber

»Schnupfen allein« ist laut Gesundheitsminister Kai Klose kein Grund, Kinder aus der Kita auszuschließen, Symptome wie Husten oder Halsweh sind es wohl. Wie realistisch ist diese Differenzierung?

Zwischen dem einfachen Fließschnupfen ohne sonstige Symptome und dem banalen Luftwegsinfekt mit Husten und »Halsweh«, aber ohne Fieber besteht ein fließender Übergang. Grundsätzlich besteht bei keinem dieser Symptome Verdacht auf Covid-19, solange es in der unmittelbaren Umgebung keine an Covid-19 erkrankten Angehörigen gibt. Diese Kinder können aus medizinischer Sicht also in den Kindergarten. Allerdings unterliegt das dem Ermessen der jeweiligen Einrichtung.

Wie sollten sich die Kitas in der Erkältungszeit verhalten?

Erhöhte Körpertemperatur ist der beste Hinweis auf einen ernsteren viralen oder bakteriellen Infekt. Hierbei gilt für Kleinkinder: bis 38 Grad ist alles normal, bis 38,5 erhöhte Temperatur, ab 38,5 Grad Fieber. Kitas stehen aktuell vor einem Dilemma, aber auch hier wäre pragmatisches Abwägen wünschenswert. Ein Kind mit Fließschnupfen ohne Fieber und sonstige Symptome benötigt kein ärztliches Attest für den Kita-Besuch! Kinder mit Fieber gehören nicht in die Kita; fiebert das Kind, hat es Husten, Durchfall oder Schmerzen, sollte es dem Kinderarzt vorgestellt werden.

Die Nachfrage nach Attesten für Kita-Kinder dürfte im Herbst steigen. Wie stehen Sie zu einer Ausweitung von Corona-Tests für Kleinkinder?

Wir rechnen mit vermehrter Nachfrage nach Kita-Attesten im Herbst, das ist unter den gegebenen Umständen durchaus verständlich und auch gerechtfertigt. Grundsätzlich gilt jedoch: 1. Kinder mit Symptomen, die auf Covid-19 hindeuten, sollten in den Covid--Koordinierungsstellen (C-KOC) oder deren Vertragsarztpraxen getestet werden. Die C-KOCs für unsere Region sind in Gießen, Marburg, Wetzlar und Gelnhausen. 2. Einen Test bei symptomfreien Personen halte ich für nicht gerechtfertigt. Der Test in einem C-KOC ist für diese Kinder nur auf schriftliche Anordnung des Gesundheitsamtes möglich. 3. Tests auf eigenen Wunsch und ohne Symptome können nur in Arztpraxen durchgeführt werden, die diese anbieten.

Prof. Arno Fuchshuber ist Kinderarzt mit Praxen in Bad Nauheim und Friedberg.

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