Blick vom Ende der Taunusstraße in Friedberg-West über die Felder Richtung Ockstadt: Hier könnte einmal eine Kindertagesstätte gebaut werden. Wenn alle Stricke reißen und keine andere Lösung gefunden wird. FOTO: NICI MERZ

Keine Kita in Friedberg-West

Kita-Bauplatz: Knappe Mehrheit für Notlösung in der Taunusstraße

Niemand hat die Absicht, auf den Äckern westlich von Friedberg eine Kita zu bauen. Gibt es aber keine Alternativ, könnte der Ersatzbau für die Kita Wintersteinstraße trotzdem gebaut werden.

Die Ausgangslage ist bekannt: Die (baufällige) evangelische Kita Wintersteinstraße musste schließen, die Kinder wurden auf andere Kitas verteilt, in Friedberg-West gibt es nun keine Kinderbetreuungseinrichtung mehr. Nach langer Grundstückssuche wurde ein Acker am westlichen Rand des Wohngebiets ausgedeutet: Auf einer knapp 7000 Quadratmeter großen Fläche, die sich in städtischem Eigentum befindet und derzeit an einen Landwirt verpachtet ist, könnte eine sechsgruppige Kita gebaut werden.

Das will aber niemand wirklich, alle betonen, dies sei nur eine Notlösung. Ist der B-Plan aber beschlossen und rechtsgültig, könnte ihn die Stadt - wie aktuell geschehen in einem anderen Kia-Bauvorhaben - "aus der Schublade holen" und sofort umsetzen. Darum geht es momentan.

Ein wichtiger Satz für alle, die sich vehement für den Erhalt des Grüngürtels westlich von Friedberg einsetzen, fiel in der Sitzung: "Wir alle sind dagegen, dass links und rechts des Grundstücks gebaut wird", sagte Erste Stadträtin Marion Götz (SPD). "Das ist ein deutliches Statement", ergänzte Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU). Auch in der Parlamentsvorlage wird dies betont: "Der Magistrat spricht sich gegen jede weitere Bebauung rechts und links vom Grundstück der Kindertagesstätte aus." Hintergrund: Noch in diesem Jahr will der Regionalverband den Kommunen den neuen Flächennutzungsplan zur Abstimmung vorlegen. Das Gebiet (in dem man Hasen, Störche, Kraniche, Rebhühner und viele Spaziergänger antrifft) ist derzeit als "Vorranggebiet für Landwirtschaft" ausgewiesen. Es gibt Befürchtungen, dies könnte geändert und das Wohngebiet am Steinernen Kreuz in südlicher Richtung über die Ockstädter Straße hinaus erweitert werden. Das Magistratsvotum richtet sich wohl auch gegen solche Befürchtungen.

Dr. Jochen Meier (FDP) forderte in der Ausschusssitzung, den Beschluss zurückzustellen. Es gebe keine Eile, aber eine neue Situation. Damit sprach Meier die Bemühungen der "Spurenleger" an, das "Wellenhaus" in der Wintersteinstraße doch noch zu sanieren, zu vergrößern und weiterhin als Kita zu nutzen.

Neue Initiative der "Spurenleger"

Die "Spurenleger", eine Gruppe heimischer Architekten, Stadtplaner und Wirtschaftsförderer, hat dem Vernehmen nach zwei Investoren gefunden, die bereit seien, das Gebäude von der Kirche zu kaufen und zu sanieren. Im Ortsbeirat nannte Peter Junker (CDU) zwei Namen. Die SPD schäumte, befürchtet, auf diese Weise solle die Initiative der Privatleute torpediert werden.

Die "Spurenleger" haben in einer Stellungnahme auch die städtische Analyse der potenziellen Kita-Standorte kritisiert. Die Stadtverwaltung hat die Kritik zurückgewiesen, die "Spurenleger" bleiben dabei: Eine Sanierung sei machbar.

Und was sagen die Anwohner der Taunusstraße zu den Plänen, im Notfall wertvolles Ackerland zu bebauen? Darum geht es bei der öffentlichen Auslegung der Pläne. Ein Bürger erwartet eine Flut an Elterntaxis, die am Ende der Taunusstraße ihre Kinder abladen. Die Stadt teilt diese Bedenken nicht, verweist auf die Breite der Straße von 14 Metern. Hingewiesen wird auch darauf, dass umliegende Äcker und Obstbaumplantagen "mit Pestiziden und Spritzmitteln behandelt werden". Die Stadt nimmt dies "zur Kenntnis" und verweist darauf, dass ein Abstand von mindestens 100 Metern vorhanden sei.

Andere Bürger halten die Ausweisung der Ackerfläche als Kita-Bauland hinsichtlich des Grundwasserschutzes für "unverhältnismäßig" oder befürchten den (oben erwähnten) "Einstieg in den beschleunigten Flächenverbrauch", der angesichts der verfügbaren Flächen im Kasernengelände "nicht wünschenswert" sei.

Gibt es Feldhamster in dem Gebiet? "Die von einem Fachbüro durchgeführte Arten-Bestandserfassung hat für diese Fläche keine schützenswerten Arten ergeben", antwortet die Stadt.

Rosa Maria Bey (CDU) sprach sich klar und deutlich für die "Notlösung" in der Taunusstraße aus. "Wenn wir das Grundstück benötigen, haben wir etwas in der Hinterhand." Für die Satzung stimmten im Ausschuss mehrheitlich CDU, SPD und Linke; die Vertreter von UWG und FDP votierten mit Nein, der Grünen-Vertreter enthielt sich.

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