Forschungen übers Sudentenland: Institutsleiter Prof. Rudolf Grulich (l.) und Referent Albrecht Pachl.		FOTO: PV
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Forschungen übers Sudentenland: Institutsleiter Prof. Rudolf Grulich (l.) und Referent Albrecht Pachl. FOTO: PV

Kirchenkampf im Sudetenland

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Friedberg-Ockstadt (pm). Im Februar war Albrecht Pachl zu Gast im »Institut für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien, Haus Königstein« in Ockstadt. Pachl hatte sein Geschichtsstudium in Gießen mit einer Arbeit über »Die Kirche im Sudetenland nach dem Münchner Abkommen« abgeschlossen.

Pachl referierte über die Bemühungen des Vatikans, die Seelsorge zu gewährleisten, als alle Bistümer in Böhmen, Mähren und Schlesien durch die neuen Grenzen geteilt wurden und nur die Bischofsstadt Leitmeritz im Deutschen Reich lag, während in allen anderen Diözesen die Bistumsverwaltung im Ausland lag.

Entgegen allen rechtlichen Traditionen erklärte die NS-Führung das Sudetenland zum staatskirchenrechtlich rechtlosen Raum. Ganz im Sinne des Gauleiters Henlein, der seinen Gau zum »Mustergau« machen wollte, wurden im Sudetenland Vorgehensweisen ausprobiert, die später im »Altreich« angewendet werden sollten. So ging die Gestapo in besonderer Weise gegen Priester vor.

Der Referent erläuterte, wie sich nach dem Münchener Abkommen und der Besetzung des Sudetenlandes durch das Deutsche Reich für die katholische Kirche dort eine komplizierte Situation ergab. Die Bischofssitze Prag, Budweis, Königgrätz, Brünn und Olmütz lagen in tschechischem Gebiet und hatten tschechische Bischöfe. Die NS-Führung verwehrte diesen die Ausübung ihres Amtes in den deutschen Gebieten der Bistümer.

Allein in Leitmeritz residierte ein deutscher Bischof in deutschem Gebiet. Dazu kamen Bereiche, die zum Erzbistum Breslau gehörten. Beide Bistümer hatten aber auch tschechische Anteile, und zu diesen wollte die NS-Führung die Kontakte unterbinden.

Im Einvernehmen mit dem Vatikan richteten die Bistümer daher räumlich definierte Generalvikariate für die Gebiete der jeweiligen anderen Nation ein. Die deutschen Gebiete des Bistums Budweis wurden den deutschen und österreichischen Nachbarbistümern als »apostolische Vikariate« zur Verwaltung unterstellt.

Katholische Kirche übersteht Kampf

Dies funktionierte unter den gegebenen Umständen gut. Teilweise wurden Priester aus Westfalen zur Betreuung der Gemeinden geholt, die großen Abteien halfen in der Gemeindeseelsorge aus. Die katholische Kirche überstand mit dieser Organisation den im Sudetenland besonders heftigen Kirchenkampf. Nach der Niederlage des Deutschen Reichs wurden diese Administrationsbezirke aufgelöst und die deutschen Administratoren mit ihren deutschen Pfarrkindern vertrieben. Insgesamt zeigte sich, dass die Anbindung an Rom in dieser Zeit für die Kirche gut war. Denn diese verhinderte einen direkten Zugriff des NS-Staates auf die kirchlichen Strukturen und Ämter.

Pachl würdigte auch den Mut der Priester und Gläubigen, die der Kirche trotz der Nazi-Diktatur treu blieben. Nach dem Vortrag entwickelte sich eine rege Diskussion.

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