Wie kann Kindern das Thema Sterben nahegebracht werden? Auch darum dreht sich das Gespräch, das Autorin Antje Damm (Mitte) mit Redakteurin Gudrun Hartmann und Verlagsleiter Markus Weber führt. FOTO: GERHARD KOLLMER
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Wie kann Kindern das Thema Sterben nahegebracht werden? Auch darum dreht sich das Gespräch, das Autorin Antje Damm (Mitte) mit Redakteurin Gudrun Hartmann und Verlagsleiter Markus Weber führt. FOTO: GERHARD KOLLMER

Der kindliche Blick

  • vonGerhard Kollmer
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Friedberg(gk). "Wir freuen uns, endlich wieder einmal vor echten, leibhaftigen Menschen zu sitzen": Mit diesen Worten begrüßte HR2-Redakteurin Gudrun Hartmann am Mittwochabend die Zuhörer in der Bindernagel’schen Buchhandlung an der Kaiserstraße. Als Gäste hatte sie die Kinderbuchautorin Antje Damm und den Leiter des renommierten Frankfurter Moritz Verlags mitgebracht. Das gut einstündige Gespräch bildete den Auftakt zur Reihe "Hessische Verlage stellen sich bei HR2-Partnerbuchhandlungen vor".

Antje Damm, die fast alle ihrer zahlreichen Bücher selbst illustriert hat, schreibt seit vier Jahren für den Moritz Verlag und ist gefragte Autorin von in zahlreiche Sprachen übersetzten Titeln wie "Was wird aus uns? Nachdenken über die Natur", "Hat Jesus Fußball gespielt?" oder "Und was kommt dann? Das Kinderbuch vom Tod".

Illustration spielt wichtige Rolle

Auch ihr jüngstes Buch "Füchslein in der Kiste" kreist ums Thema "Sterben". Ab einem Alter von fünf, sechs Jahren werde es ein Gegenstand kindlichen Nachdenkens, so Damm im kurzweiligen, kundig moderierten Gespräch. Sie schreibe keine Bücher von Erwachsenen für Kinder, sondern entscheidend sei der kindliche Blick aufs jeweilige Thema. "Bild und Text, Schreiben und Illustrieren verstehe ich als Einheit, als parallele Vorgänge. Illustrationen müssen mehr sein als nur ›Textverdopplung‹", sagte die Autorin.

Gut sei ein Buch, wenn Kinder immer wieder aus ihm vorgelesen haben wollen oder selbst zu ihm greifen. Dass dies für "Füchslein in der Kiste" ebenfalls zutreffen wird, ließ sich nach Antje Damms kurzer Lesung aus dem wunderbar illustrierten Buch vermuten. Der Fuchs, der sein Ende nahen fühlt, hat den Jagdinstinkt verloren und plaudert zwanglos mit den Kaninchen, die ihn nicht mehr fürchten. Das Sterben, der Tod: Sie werden nicht verharmlost, sondern dem kindlichen Gemüt mit großer Empathie nahegebracht. Auch Erwachsene erinnert die anrührende Geschichte daran, dass der Tod nicht Gegenteil, sondern Teil des Lebens ist, ja ihm erst seinen Sinn verleiht.

Für den gestorbenen Fuchs zimmern die Kaninchen einen Sarg und bestatten ihn im Wald. Diese Szene hat Antje Damm in einem "tableau vivant" gestaltet und in der Buchhandlung ausgestellt: Schreiben, Illustrieren, Gestalten als Gesamtkunstwerk.

Verlagsleiter Markus Weber berichtete von der langjährigen Zusammenarbeit mit der von Gudrun Hartmann geleiteten "Lauschinsel", der Kinderredaktion von HR2. Neben den Erfolgstiteln von Antje Damm standen bereits etliche Bücher des Verlags auf den Vorschlagslisten zum jährlich auf der Frankfurter Buchmesse verliehenen Kinder- und Jugendbuchpreis. Etwa 20 Bücher bringt der Moritz Verlag pro Saison heraus - in diesem Jahr coronabedingt einige weniger.

Weber hob explizit die Rolle des Buchhandels hervor. Die hohe Qualität eines Titels, positive Rezensionen oder Auszeichnungen allein seien noch keine Garantie für wirtschaftlichen Verlagserfolg. Nur wenn Kinderbücher in so großer Zahl und kindgerecht mit Leseecken und anderen Aktivitäten präsentiert würden wie beispielsweise in der Bindernagel’schen Buchhandlung, seien hohe Verkaufszahlen erzielbar.

Das mit viel Beifall bedachte Autorengespräch wird am Sonntag, 6. Dezember, ab 12.04 Uhr im Rahmen der Reihe "Literaturland Hessen" auf HR2 gesendet.

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