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Der 49-jährige Angeklagte aus der Wetterau muss sich am Gießener Landgericht wegen Kindesmissbrauchs und des Besitzes von Kinderpornografie verantworten. 

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Kindesmissbrauch via Whatsapp: Meist bekam er, was er wollte

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Dieser Fall erschüttert: Über Whatsapp soll ein 49-jähriger Wetterauer zehn Mädchen im Alter von neun bis 13 Jahren zu sexuellen Handlungen aufgefordert haben. Meist bekam er, was er wollte.

Wetterau - Leon ist 14 Jahre alt und chattet gern. Er nimmt Kontakt mit Mädchen auf. Und kommt ziemlich schnell zur Sache. Zu einer Sache, die in diesem Alter noch keine Rolle spielen dürfte. Zumal Leon nicht 14 ist. Er heißt auch anders. Ein 49-jähriger Wetterauer ist in die Rolle des Jungen geschlüpft, um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Er wollte Fotos und Videos sehen. Möglichst schnell, möglichst oft, möglichst intim. Bilder von ihren nackten Brüsten sollten die Mädchen ihm über Whatsapp schicken, von ihrer Scheide, dabei die Beine spreizen. Der 49-Jährige interessierte sich für die Größe der Brüste, wollte Details zum ersten Mal wissen.

Wetterau: Neunjährige senden Nacktaufnahmen

Es war schwer zu verkraften, was der Staatsanwalt vor der Ersten Großen Strafkammer am Gießener Landgericht verlas. Über eine Stunde dauerte es, die Fälle detailliert zu schildern, die dem Mann auf der Anklagebank vorgeworfen werden. Der 49-jährige Wetterauer wurde bereits 2016 und 2017 vom Amtsgericht Büdingen zu einer insgesamt 20-monatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Es gab diverse Wohnungsdurchsuchungen bei dem Mann, dessen schwangere Ehefrau sich im Gerichtssaal die Tatbeschreibungen anhörte. Bei einer der Durchsuchungen entdeckten die Ermittler eine Festplatte mit 803 Bild- und 1735 Videodateien. Darauf zu sehen: Ein- bis 13-jährige Mädchen, die oral, vaginal und anal penetriert werden.

Auch von Gruppensex ist die Rede

Doch zurück zum Missbrauch via Whatsapp: In seiner Rolle als Leon schlug der Angeklagte Treffen mit den Mädchen vor, schrieb von Gruppensex, bei dem auch sein Onkel mitmachen würde. In einem der Anklagepunkte geht es um zwei Neunjährige, die der Wetterauer über Whatsapp sexuell missbraucht haben soll.

Laut Chat-Protokoll schlug er ein Treffen in einem Hotel vor, fragte die beiden Neunjährigen nach ihren sexuellen Erfahrungen, schrieb "Darf ich dich f…?". Einem Mädchen versprach er ein iPhone, beide sendeten ihm Nacktaufnahmen von sich, er schickte Videos, auf denen sich ein Mädchen befriedigt und ein Mann onaniert.

Im Saal 227 des Landgerichts war es schon beim Zuhören kaum zu ertragen, was den Kindern angetan worden war. Wie der Angeklagte sie derart manipulierte, dass die Mädchen auf die Forderungen des Mannes eingingen, den sie für einen Jungen hielten. Er hat sie aus einer Mischung aus Forderungen, Komplimenten und Versprechungen gefügig gemacht. Dabei verwendete er eine - milde ausgedrückt - derbe Sprache.

Der Kontakt zu den in verschiedenen Regionen Deutschlands wohnenen Mädchen hatte der Wetterauer eigenen Angaben zufolge über Instagram aufgebaut. Dort habe er ein Profil mit dem Bild eines "hübschen Jungen" angelegt - dann kämen eben automatisch die Zuschriften.

Bei Whatsapp schlüpfte der 49-Jährige auch in die Rollen von Leons Schwester und Vater - immer mit dem Ziel, seine perversen Bedürfnisse zu befriedigen. Die Fotos vom erigierten Penis seien übrigens nicht von ihm, sagte der Mann, woraufhin der Richter entgegnete: "Das macht die Sache nicht besser."

Wetterauer vor Gericht: Abstand zur eigenen Tochter

"Da hab’ ich echt Bockmist gebaut", sagte der Angeklagte am Montag. Was er getan habe, tue ihm leid. Zu den vorgeschlagenen Treffen mit Mädchen sagte er: "Das hätte ich nicht gemacht. Ich war nur scharf auf die Fotos."

Insgesamt zeigte er sich reumütig. Der Wetterauer und sein Anwalt unterstrichen, dass die Therapie mittlerweile Wirkung zeige. Allerdings kam auch zur Sprache, dass der Kindesmissbrauch via Whatsapp nach Beginn der Therapie weitergegangen sei. Besonders auffällig: Eine Stunde nach einer Hausdurchsuchung, bei der auch Smartphones beschlagnahmt wurden, machte der Mann weiter.

Als er die Taten begangen habe, habe es Eheprobleme gegeben, sagte der 49-Jährige vor Gericht. Eine Auswirkung; Seine Frau habe geschlafen und er im Wohnzimmer gesessen und mit Mädchen gechattet. Mittlerweile habe er kein internetfähiges Handy mehr. Seine Tochter, Jahrgang 2012, hat ein eigenes Zimmer außerhalb der Wohnung, aber im selben Haus - bei der Mutter des Angeklagten.

Am Landgericht tat der Angeklagte alles, um Reue zu zeigen. Drei Sätze standen exemplarisch dafür: "Ich habe meine ganze Familie zerstört", "Ich habe mein ganzes Leben geändert" - und: "Meine Frau ist befriedigender als ein Kind." Vielleicht kann der Gutachter am nächsten Montag die Frage beantworten, wie ernst diese Sätze gemeint gewesen sind.

Info: Das Verfahren

Die Taten, die dem 49-jährigen Wetterauer vorgeworfen werden, sollen sich in den Jahren 2015, 2017 und 2018 ereignet haben. Verhandelt werden sieben Anklagepunkte, in denen es um den Missbrauch von insgesamt zehn Mädchen und um den Besitz von Kinderpornografie geht. 2016 und 2017 wurde der Mann bereits vom Amtsgericht Büdingen zu einer insgesamt 20-monatigen Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt. Im vergangenen Jahr hatte in Büdingen ein weiteres Verfahren begonnen, das dann aber ans Landgericht Gießen übergeben wurde. Grund dafür: Es wurde eine mehr als vierjährige Haftstrafe erwartet. Allerdings hatte das Amtsgericht in Büdingen einen U-Haft-Befehl gegen den Mann ausgestellt, diesen aber gegen Auflagen außer Kraft gesetzt. Sowohl die in Büdingen verhandelten, als auch weitere Fälle sind nun Thema am Gießener Landgericht. Auf den Angeklagten warten folglich zwei Strafen. Das Verfahren wird am nächsten Montag fortgesetzt. Dann sollen der psychiatrische Gutachter aussagen und die Plädoyers gehalten werden.

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