Die Gießener Virologin Dr. Christin Peteranderl zeigt im Burggymnasium die Gefahren des Coronavirus auf.		Foto: PV
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Die Gießener Virologin Dr. Christin Peteranderl zeigt im Burggymnasium die Gefahren des Coronavirus auf. Foto: PV

Keiner sollte das Virus unterschätzen

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Friedberg . Die Virologin Dr. Christin Peteranderl von der Universität Gießen informierte dieser Tage die Schülerinnen und Schüler der Biologie-Leistungskurse am Burggymnasium über das Coronavirus. Peteranderl forscht am Lungenzentrum des Uniklinikums (Universities Giessen & Marburg Lung Center, UGMLC) mit den Schwerpunkten Influenza und MERS-CoV (Middle East respiratory syndrome coronavirus). Eingeladen hatte Biologielehrerin Dr. Tanja Rösel-Hillgärtner.

Peteranderl gab die Schätzung ab, dass die Zahl der Infizierten deutlich steigen werde - und sie sollte recht behalten. Dennoch: Panik müsse man nicht haben, jedoch sollte man das Virus nicht unterschätzen.

Die Sterblichkeit des SARS-CoV-2 (Covid-19) ist im Vergleich zur Grippe höher. Italien ist dafür das Paradebeispiel mit über 31 500 Infizierten und mehr als 2500 Toten. Damit ist es das am stärksten betroffene Land in Europa. Zum Vergleich: Deutschland hat bisher 12 000 Infizierte und 30 Tote. Über Quarantäne kann man die Ausbreitung des Virus eindämmen, aber nicht stoppen. Die Virologin bezeichnete Deutschland als Hotspot, da es hier Freiheitsrechte gebe, die es wahrscheinlich kaum ermöglichten, Orte so drastisch abzuriegeln wie es aktuell in Italien der Fall ist.

Als absoluter Schutz, um das Virus nicht zu bekommen sowie es nicht zu verbreiten, hilft nur ein spezieller Mundschutz. Er heißt FFP3. Jedoch ist Händewaschen sowie Desinfizieren sehr hilfreich.

Virus-Ursprung in Fledermäusen

Die Virologin erklärte, dass viele Coronaviren ihren Ursprung in Fledermäusen haben. Diese sind aber dagegen immun, sterben also daran nicht. Forscher gehen davon aus, dass der aktuelle Corona-Virus von Gürteltier-ähnlichen Tieren stammt.

Erstmals aufgetreten ist das Virus in China, dort ist es auch auf den Menschen übergegangen. Zunächst wurde beobachtet, dass es in der ersten Zeit erheblich mehr Lungenentzündungen als üblich gab. Am Ende des Jahres 2019 hat man dann festgestellt, dass es sich um eine neue Form des Coronavirus handelt, das stark dem SARS-Virus von 2003 ähnelt.

Zum Krankheitsverlauf erläuterte die Virologin, dass das Virus eine bis zu 14-tägige Inkubationszeit hat, danach können leichtere Symptome wie Kopfschmerzen, Fieber und Durchfall auftreten, jedoch auch schwerere wie Atemprobleme und Sputum (Auswurf). Rund 70 Prozent der positiv getesteten Fälle zeigten nach aktuellen Schätzungen keine Symptome, die Erkrankung bricht also nicht aus. Dadurch besteht die erhebliche Gefahr, dass Menschen nicht unter Quarantäne gestellt werden, sei es häuslich oder im Krankenhaus, und weitere Menschen infizieren können, ohne es zu bemerken.

Die Empfehlung der Virologin ist es, das Immunsystem zu stärken, gesund zu leben und vor allem jetzt bewusst mehr als sonst. Alles, was das Immunsystem schwächt, macht es dem Coronavirus einfacher einzudringen und Symptome auszulösen.

Zurzeit wird an verschiedenen Medikamenten gearbeitet. Als ein Beispiel nannte Dr. Peteranderl Cyclosporin A. Dazu gibt es bereits erste Forschungen. Dieses Medikament dämmt die Vermehrung des Virus ein, führt also zu einer Verlangsamung der Verbreitung. Diese ist auch dringend notwendig, da das Gesundheitssystem nicht überlastet werden sollte.

Intensivbetten nur begrenzt vorhanden

In ganz Deutschland gibt es nur 28 000 Intensivbetten mit Beatmungsgeräten. Diese müssten strategisch gut genutzt werden, um größtmögliche Genesungschancen herbeizuführen.

Generell helfen und schützen Impfungen vor schweren Krankheiten. Einen passenden Impfstoff für das aktuelle Coronavirus gibt es bislang jedoch noch nicht. Die Virologin vermutet, dass die Zahl der Infektionen im Sommer geringer wird, jedoch im Winter wieder zunehmen könnte.

Nach ihrem Vortrag beantwortete die Virologin sehr kompetent die Fragen der Schüler. Für weitere Informationen empfahl sie die Internetseiten des Robert-Koch-Instituts und der WHO.

Ann-Sophie Alexander/Marcel Vorstandslechner

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