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»Keine Spekulationsmasse«

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Wetteraukreis (pm). Bezahlbarer Wohnraum wird nicht nur in den Metropolen Deutschlands immer knapper. Betroffen sind nicht nur Menschen mit geringem Einkommen. Schon jetzt wissen Leute mit mittleren Einkommen oft nicht, wo und wie sie noch eine bezahlbare Bleibe finden können. In einer Online-Gesprächsrunde der Evangelischen Dekanate Büdinger Land und Wetterau nahmen Experten aus unterschiedlicher Perspektive die Problematik des bezahlbaren Wohnraums unter die Lupe.

Und es gab konkrete Hinweise an die Politik und an Kirche.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Gert Holle, Öffentlichkeitsreferent im Büdinger Land, der mit Kollegin Anna-Luise Hortien aus der Wetterau und den Referenten der beiden Dekanate für Gesellschaftliche Verantwortung, Rita Stoll und Wolfgang Dittrich, das Format vorbereitet hatte.

Wie sich die Wohnungssituation in der Wetterau aktuell darstellt, versuchte Bernd-Uwe Domes, einer der beiden Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung GmbH, den rund 40 Zuschauern an den Bildschirmen nahezubringen. Dabei ging er auf Daten ein, die sowohl die Wirtschaftsentwicklung als auch den demografischen Wandel in Zusammenhang mit der Wohnraumsituation stellten.

Bedarf nicht nur in größeren Städten

Zwar unterschieden sich verschiedene Prognosen, klar sei aber, dass der Bedarf nicht nur in den größeren Städten der Wetterau wie Bad Vilbel, Bad Nauheim, Friedberg oder Butzbach steige. Von aktuell 310 000 Menschen werde der Landkreis bis 2035 auf 316 000 Einwohner wachsen. Hinzu komme der zusätzliche Bedarf durch veränderte Ansprüche. Die Ausweitung von Homeoffice ziehe auch zusätzliche Fläche nach sich. Ranstadts Bürgermeisterin Cäcilia Reichert-Dietzel, zugleich Sprecherin der Bürgermeister im Kreis, stellte dar, wo die Problemfelder in ihrer Kommune liegen. Schon lange seien die Quadratmeterpreise für Wohnraum nicht mehr so, dass sich die jeder leisten könne. Mit neun bis zwölf Euro würde man auf einem Niveau mit Butzbach oder Bad Nauheim liegen. Mittlerweile stünden immer mehr Investoren vor der Tür. Alte Hofreiten würden aufgekauft, um sie dann leer stehen zu lassen, in der Hoffnung auf Preissteigerungen. Und Geschäftsleute wollten Land kaufen und am liebsten gleich den passenden Bebauungsplan dazu.

Aus ihrer Sicht sei die Bebauung von Brachen und Wohnungstausch in den Wetterauer Dörfern besser als weitere Einfamilienhäuser auf fruchtbaren Böden am Rand zu bauen. Der Siedlungsrand müsse genau definiert sein. Sinnvoll könne es sein, Wohnungen nach einem Sozialpunktesystem zu vergeben. Städtebauförderung und Denkmalschutz müssten flexibler werden.

Bebauung im Passivhausstandard

BUND-Landesvorstandsmitglied Werner Neumann aus Altenstadt beklagte in seinem Statement den großen Flächenverbrauch, der auch durch den stetig wachsenden Wunsch nach dem Bau von Einfamilienhäusern nicht geringer werde. Sein Wunsch: Kreis und Kommunen forcieren eine dichtere Bebauung im Passivhausstandard. Er warb für energetische Sanierungen, wofür aber mehr Energieberater notwendig seien. So könnten zumindest die Belange des Umweltschutzes und der Bedarf nach mehr Wohnraum einigermaßen zusammengebracht werden. Hierzu gebe es auch Förderprogramme, die allerdings vonseiten des Wetteraukreises nicht angegangen würden.

Gemeinsam mit Bürgermeisterin Reichert-Dietzel wies er auf die Möglichkeit hin, Grundstücke in Erbpacht an neue Nutzer zu vergeben. So könnte der Spekulation mit Bauland Einhalt geboten werden. Zudem sei das genossenschaftliche Bauen von Häusern besser als das 700 000 Euro-Einfamilienhaus am Stadtrand mit SUV und Steingarten.

»Wohnraum darf nicht zur Spekulationsmasse werden. Und es gibt nicht nur eine Lösung bei der Frage, wie bezahlbarer Wohnraum unter Nachhaltigkeitsgeschichtspunkten geschaffen werden kann. Es muss eine Kette von Maßnahmen geben.« Dieses Fazit zog Moderator Gert Holle am Ende des facetten- und umfangreichen Blicks auf das Thema. Abschließend schlug er die Einrichtung eines Runden Tisches »Wohnen in der Wetterau« vor, zu dem die fünf Experten die Bereitschaft ihrer Teilnahme signalisierten.

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