Ein Licht am Horizont über dem ehemaligen Kaufhaus Joh? Hier versagt die Symbolik leider. Das Gebäude am zentralen Elvis-Presley-Platz wird wohl noch Jahre leer stehen.
+
Ein Licht am Horizont über dem ehemaligen Kaufhaus Joh? Hier versagt die Symbolik leider. Das Gebäude am zentralen Elvis-Presley-Platz wird wohl noch Jahre leer stehen.

Kaufhaus Joh

Friedberg: Pläne für Kaufhaus Joh abgelehnt - Vertrauen in Investor fehlt

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
    schließen

Joh und kein Ende: Die Friedberger Stadtverordnetenversammlung hat den B-Plan für das ehemalige Kaufhaus mehrheitlich abgelehnt. Es fehlt das Vertrauen in den Investor.

»Wir haben den Eindruck, dass die Stadt vom Investor am Nasenring durch die Arena geführt wird.« Mit diesem Bild machte der SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Klaus-Dieter Rack die Zweifel deutlich, welche die SPD - und nicht nur sie - hinsichtlich der Neunutzung des ehemaligen Kaufhauses Joh hegt. Seit sieben Jahren steht das Gebäude leer, mehrfach änderte das Rathaus auf Wunsch des Investors 3V Invest aus Grünwald bei München den Bebauungsplan.

Zuletzt verkündeten die 3V Invest-Geschäftsführer, auf den seitlichen Anbau in der Schnurgasse verzichten zu wollen. Ein Parkhaus war geplant und wurde verworfen. Als sich im vergangenen Jahr wieder einmal nichts tat, beschloss das Stadtparlament, das Rathaus solle mit dem Investor einen städtebaulichen Vertrag aushandeln. Das Verhandlungsergebnis, das unter anderem eine als viel zu gering erachtete Vertragsstrafe von 100 000 Euro vorsah, lehnte die Mehrheit des Stadtparlaments nun ab.

Will der Investor das Kaufhaus wirklich mit neuem Leben füllen? »Er will einen gültigen B-Plan und das Kaufhaus dann höherpreisig verkaufen«, sagte SPD-Sprecher Rack. Rund 3,5 Millionen soll das Gebäude beim Kauf gekostet haben, nach Auskunft eines Immobilienmaklers wird es aktuell für 8,5 bis 9 Millionen auf dem Markt angeboten.

Rack hat die gleichen Informationen. Und er verwies im Stadtparlament auf den im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschluss 2019 der 3V Invest GmbH, die von einem Branchenkenner als »bilanziell überschuldet« bezeichnet wird. Das Vertrauen in den Investor sei dahin, sagte Rack: »Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.«

Das sieht Sven Weiberg (Linke) genauso. Er forderte, die Stadt müsse nun mutig auftreten. Die Friedberger Politik müsse endlich Gestaltungswillen zeigen und einen anderen Weg einschlagen. Jetzt gelte es zu überlegen, »was wir sinnvollerweise tun können«. Das Gebäude selbst erwerben und vermarkten? Darüber müsse man sich Gedanken machen.

Joh in Friedberg: Auskünfte waren »wenig glaubhaft«

Auch Florian Uebelacker (Grüne) lehnte es für seine Fraktion ab, etwas zu unterschreiben, »damit der Investor das Gebäude samt B-Plan verhökern kann«. Uebelacker vermisst ein schlüssiges Konzept des Investors. »Jetzt müssen aus der Mitte der Stadtverordnetenversammlung Vorschläge kommen, wie das Gebäude genutzt werden kann.« Man wolle »keinen Investor, der mit uns Schlitten fährt.«

»Wir haben lange überlegt, ob es sinnvoll ist, die Verhandlungen weiterzuführen«, sagte Dr. Jochen Meier (FDP). Der Auftritt der Investoren jüngst im Ausschuss für Stadtentwicklung habe aber auch bei ihm den Eindruck hinterlassen, »dass man uns vorführen will«. Die Auskünfte der beiden Geschäftsführer seien wenig glaubhaft gewesen.

Die CDU-Fraktion, die mit Stimmen der UWG später als einzige für den B-Plan und den städtebaulichen Vertrag stimmte, beteiligte sich nicht an der Debatte. Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) zeigte zwar Verständnis für die allgemeine Verärgerung, stellte aber die Frage: »Was ist denn die Alternative?« Aktuell gilt der B-Plan von 1980, und der schreibt eine Nutzung als Kaufhaus vor. Die Zeit der Kaufhäuser aber ist vorbei. Der B-Plan ermögliche verschiedene Nutzungen, ihn abzulehnen sei der falsche Weg, warnte Antkowiak. Vergebens.

Joh in Friedberg: Mietersuche in Zeiten von Corona

Der einzige, der sich auf die Seite des Bürgermeisters stellte, war Winfried Ertl (UWG). Die Ausführungen der Kollegen nannte er »naiv«, bei einigen Stadtverordneten setze offenbar Schnapp-Atmung ein, sobald sie das Wort Investor hörten, meinte Ertl. »Sie haben nicht erklärt, was Sie stattdessen wollen. Welche Alternativen gibt es? Wir haben eine Corona-Pandemie. Glauben Sie, in diesen Zeiten findet man gewerbliche Mieter?« Die Modekette »H & M« komme nach Friedberg, habe es immer wieder geheißen. Ertl: »Aktuell schließt ›H & M‹ 180 Filialen in Deutschland. Wenn Sie die Verträge ablehnen, dann steht das Haus noch in zehn Jahren leer.«

SPD-Sprecher Rack zeigte sich leicht verwundert über diese Stellungnahme, hatte Ertl doch vor zehn Monaten im Stadtparlament noch verraten, er wache nachts manchmal auf und denke sich: »So eine Enteignung wäre gar nicht schlecht.« Muss wohl ein Alptraum gewesen sein.

Was aus dem Gebäude nun werden soll? SPD-Sprecher Rack: »Wir brauchen dort einen Lebensmittelmarkt, wir brauchen Wohnen und Gewerbe. Aber mit diesem Investor kommen wir nicht weiter.« Die 3V Invest war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare