Das kontaktlose Zahlen erlebt in der Corona-Krise einen deutlichen Schub. FOTO: SCHEPP
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Das kontaktlose Zahlen erlebt in der Corona-Krise einen deutlichen Schub. FOTO: SCHEPP

Wie bezahlen?

Corona und Bezahlung: Kaum jemand zückt noch Bargeld

  • Marc Schäfer
    vonMarc Schäfer
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  • Siegfried Klingelhöfer
    Siegfried Klingelhöfer
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Das kontaktlose Bezahlen erlebt in der Corona-Krise ein ungeahntes Hoch. Ob Brötchen, Mundschutz oder Kaffee – immer öfter zücken auch die Wetterauer in diesen Tagen an der Kasse ihre Karte. 

Ob die Brötchen beim Bäcker, den Americano im Café oder auch den Wocheneinkauf im Supermarkt – immer häufiger zahlen die Wetterauer in der Corona-Krise mit der Karte. Die Höhe der Beträge spielt dabei kaum eine Rolle. Seit die Weltgesundheitsorganisation WHO den Verzicht auf Bargeld empfohlen hat und auch die meisten Ladenbesitzer ihre Kunden zur Reduzierung des Ansteckungsrisikos um kontaktloses Bezahlen bitten, schnellt die Anzahl der bargeldlosen Transaktionen in die Höhe.

Bezahlen in Zeiten von Corona: Plus von 60 Prozent bei Kartenzahlung

Kartenzahlungen sowie das mobile Zahlen mit dem Smartphone sind im Corona-Shutdown zu einem Trend geworden, der die Krise überdauern könnte. Das glaubt auch Lars Witteck, Vorstand der Volksbank Mittelhessen. Denn das Geldinstitut hat in den letzten Tagen interessante Zahlen erhoben. Demnach haben sich die Kartenzahlungen der Volksbank-Kunden im Zeitraum der Krise von Mitte März bis Mitte April im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um etwa 60 Prozent gesteigert. 2019 zählte die Bank in diesen vier Wochen 280 000 Transaktionen. In diesem Jahr 470 000. Fast 400 000 Transaktionen waren zuvor von Mitte Februar bis Mitte März 2020 angefallen. "Ein Plus von 70 000 Transaktionen innerhalb eines Monats, obwohl die meisten Geschäfte geschlossen waren, ist eine beachtliche Entwicklung", sagt Witteck.

Er berichtet, dass es eine ähnliche Steigerung auch beim Zahlen mit dem Handy gegeben habe. Dort sind die Transaktionen von etwa 1300 (2019) über 2400 (Februar bis März 2020) auf zuletzt 3300 gestiegen. "Vieles davon wird sich nicht zurückdrehen lassen. Ich bin sicher, gerade bei den bis zu 50-Jährigen wird das Bargeld nach der Krise abgemeldet sein", sagt Witteck. Ähnlich sieht es bei der Sparkasse Oberhessen aus. "Im März 2020 wurden knapp 45 Prozent aller Kartenzahlungen von Kunden der Sparkasse Oberhessen kontaktlos vorgenommen. Im Vorjahreszeitraum März 2019 waren es nur rund 27 Prozent", teilt Sparkassen-Sprecher Eric Zimdars mit. Ablesen ließe sich dieser Trend zum hygienischen Bezahlen mit Karte in Corona-Zeiten auch an den Nutzungszahlen der Geldausgabeautomaten. Zimdars sagt: "Wurden im April 2019 noch insgesamt rund 329 000 Auszahlungen vorgenommen, sank diese Zahl im April 2020 auf rund 214 000."

Volksbank Mittelhessen: Dreimal so große Nachfrage nach Online-Banking

Bei der Volksbank Mittelhessen kamen im März 2019 durchschnittlich an allen Automaten 3112 Abhebungen zustande. Im März 2020 waren es noch 2275. Doch im April fiel die Zahl weiter. Bis zum 23. nutzten VoBa-Kunden die Automaten zu 1196 Abhebungen. Das ist knapp die Hälfte der Abhebungen aus dem April 2019.

Den Trend zum bargeldlosen Zahlen gab es schon vor Corona. Die Beratungsfirma Oliver Wyman berichtet in einer Studie, dass der Anteil von Barzahlungen nach Umsatz bis 2025 auf 32 Prozent fallen werde. 2017 lag er laut Bundesbank noch bei 52 Prozent. Die Banken haben weitere Veränderungen bemerkt: Es gebe eine sehr hohe Nachfrage der Händler nach Kartenterminals, sagt Witteck, "auch von denen, die das für ihre Branche bislang immer ausgeschlossen haben". Zudem sei seit Mitte März ein sprunghafter Anstieg bei der Eröffnung von Online-Wertpapierdepots zu verzeichnen. Interessant ist auch die Veränderung in der Kontaktaufnahme der Kunden. Sowohl Sparkasse als auch Volksbank bemerken eine starke Zunahme von Anrufen und E-Mails. Die Sparkasse berichtet von einer starken Nachfrage vor allem beim Online-Banking. Zimdars sagt: ."Vor der Corona-Krise wurden in unserem Kunden-ServiceCenter hierzu 30 Anträge pro Tag bearbeitet. Jetzt sind es mit rund 100 Anträgen täglich mehr als dreimal so viele. Auch werden viele bisher ungenutzte Online-Zugänge jetzt reaktiviert."

Info: Kein Recht auf Barzahlung 

  • Kontaktlos ist das Zahlen mit Karte nur ohne Eingabe der Geheimzahl. In der Corona-Krise hat die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) das Limit für eine Kartenzahlung ohne PIN von 25 auf 50 Euro erhöht.
  • Anspruch auf Barzahlung besteht nicht. Die Verbraucherzentrale klärt auf, dass hier das Prinzip der Vertragsfreiheit gelte. Es bedeutet, dass Vertragsparteien auch die Art der Bezahlung bestimmen können.
  • Gebühren fallen zumindest für den Händler je nach Modell bei Kartenzahlung in unterschiedlicher Höhe an. Bei manchen Kontomodellen werden auch die Kunden (pro Buchung 20 Cent) zur Kasse gebeten.

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