Informieren sich beim Rundgang der CDU durch den Ockstädter Kirschenberg über den Speierling (v. l.): Günther Weil, Gerhard und Christel Bohl, Karl Heinz Bietz. Martina Pfannmüller, Claudia Eisenhardt, Referent Hendrik Hollender, Gisela Rasper und Thorsten Bietz. FOTO: PV
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Informieren sich beim Rundgang der CDU durch den Ockstädter Kirschenberg über den Speierling (v. l.): Günther Weil, Gerhard und Christel Bohl, Karl Heinz Bietz. Martina Pfannmüller, Claudia Eisenhardt, Referent Hendrik Hollender, Gisela Rasper und Thorsten Bietz. FOTO: PV

Kaum jemand kennt noch diesen Baum

  • vonred Redaktion
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Friedberg(pm). Speierlinge haben Früchte, die wie kleine Äpfel oder Birnen aussehen. Schon 1792 wusste der Kronberger Pfarrer und Pomologe Johann Ludwig Christ die Qualität des Speierlings zu schätzen. Er schrieb: "Allein man hat vor wenigen Jahren hier entdeckt, dass sie (die Speierlingsfrüchte) einen vortrefflichen Wein geben, und zwar in besonders großer Menge. Der Wein wird nicht nur von Farbe sehr schön, sondern auch stark und gut. Es müssen aber Äpfel mit untergekeltert werden." Das ist die erste schriftlich Erwähnung der Verwendung des Speierlings zum Apfelwein in der Region. Kaum jemand kennt noch diesen Baum.

Hausmittel gegen Krankheiten

Doch im Ockstädter Kirschenberg stehen einige mächtige alte, aber auch jung gepflanzte Speierlinge. Daher trafen sich Mitglieder der CDU in Ockstadt, um bei einem Rundgang vom Biologen und Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender mehr über den Speierling zu erfahren.

Die Heimat des mit der Eberesche verwandten Speierlings liegt im Mittelmeerraum, in Kleinasien und auf der Krim. Er wird seit über 2000 Jahren als Obstgehölz genutzt. Im Mittelalter wurde der Baum aufgrund seiner Früchte in den Klostergärten Europas angepflanzt. Heute ist die Kulturform in Mittel- und Westeuropa und in Nordamerika verbreitet. Sie unterscheidet sich nur unwesentlich von der Wildform. Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts sprach man beim Speierling nur von "sorbus". 1554 wird erstmals der Zusatz "domestica" verwendet.

Man holte also seit vielen Jahrhunderten junge Speierlinge aus der freien Natur und pflanzte sie in der Nähe der Siedlungen wieder ein. Damit wollte man die Früchte leichter ernten können, zumal frei stehende Gartenbäume mehr Früchte bilden als Waldbäume. Die Früchte enthalten Pektin und organische Säuren (Apfelsäure). Der hohe Gerbstoffgehalt der Früchte verleiht ihnen roh verzehrt einen etwas herben Geschmack. Früher wurde der Speierling als Hausmittel gegen Durchfall und Erbrechen eingesetzt.

Wertschätzung ab 1993

Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Speierling auf die rote Liste der gefährdeten Arten gesetzt. Der Bestand war auf etwa 5000 bis 6000 Bäume in Deutschland geschrumpft. Erst als der Speierling 1993 "Baum des Jahres" wurde, entwickelten sich vielfältige Aktivitäten der Nachzucht, und es konnten in den darauffolgenden Jahren etwa 600 000 bis 700 000 Bäume gepflanzt werden, sodass man den Bestand für die nächsten 100 Jahre als gesichert ansehen könne, schreibt die CDU.

Da der Weinbau im Mittelalter eine größere Bedeutung als der Obstbau hatte, ist zu vermuten, dass die Speierlingsfrüchte schon zu dieser Zeit zum Klären beziehungsweise zum Schönen des Weines verwendet wurden. Aus diesem Grund findet man auch besonders in der Nähe von Burgen und ehemaligen Weinbergen die typischen Feldspeierlinge. Als im 17. und 18. Jahrhundert der Obstbau eine größere Bedeutung erlangte und auch entsprechend mehr Obstweine hergestellt wurden, erkannte man die Bedeutung des Speierlings neben der Volksmedizin auch als Zusatz zum Apfelwein. Der Apfelwein wird durch Zugabe von 0,5 bis 2 Prozent Speierlingssaft herber, klarer, haltbarer und unverwechselbar im Geschmack.

So verkosteten auch die Teilnehmer am Speierlingsrundgang einen Speierlingsapfelweine einer Ockstädter Kelterei unter dem als Naturdenkmal ausgewiesenen "Speierling in den Wendelsgärten".

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