Die leidenschaftliche Marktgängerin Silvia Dollinger hat bei Sven Weber die letzten Eier ergattert.
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Die leidenschaftliche Marktgängerin Silvia Dollinger hat bei Sven Weber die letzten Eier ergattert.

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Kauflust auf den Wochenmärkten in Friedberg und Bad Nauheim

  • vonHarald Schuchardt
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Seit Beginn des verschärften Lockdowns ist es in den Innenstädten ruhig geworden - auch in Friedberg und Bad Nauheim. Eine Ausnahme sind die Tage, an denen Wochenmärkte stattfinden.

Auf den Wochenmärkten in Friedberg und Bad Nauheim werden die Corona-Regeln beachtet. In beiden Städten weisen Schilder auf Maskenpflicht und das Einhalten des Abstands hin. »Wir haben keine Probleme, wir alle tragen Masken, die Kunden auch. Und der Abstand ist durch die Breite des Standes ohnehin da«, sagt Claudia Lesch, die zusammen mit ihren Schwestern Silvia und Petra den Gemüsestand der Familie Münch auf dem Friedberger Wochenmarkt führt.

»Unsere Mutter war schon vor 40 Jahren hier, und auch unser Bruder unterstützt uns«, erzählen die drei Frauen aus Griesheim bei Darmstadt, während sie Gemüse und Obst verkaufen. »Heute ist es relativ ruhig, die Kunden kommen alle am Mittwoch«, sagt Claudia Lesch an jenem Samstagvormittag.

Viele Kunden wollen unterstützen

Ganz anders sieht das Heidi Mörler. Die Ockstädterin verkauft hausgemachten Kuchen. »Seit der Pandemie kommen die Kunden früher, ich hatte heute nicht mal Zeit, die Schilder aufzustellen«, erzählt die Ockstädterin, deren Umsatz in den vergangenen Monaten gestiegen ist. »Viele Kunden sagen, dass sie uns mit ihrem Einkauf unterstützen wollen. Das finde ich toll.«

Silvia Dollinger unterstützt sowohl die Händler in Friedberg, als auch die in Bad Nauheim. Die Friedbergerin bezeichnet sich selbst als »eingefleischte Marktgängerin. »Für mich hat sich nichts geändert, ich unterstütze schon immer den Einzelhandel und die Marktbeschicker«, sagt Dollinger, die gerade am Stand von Max und Sven Weber die letzten Eier ergattert hat. »Wir bekommen nochmal Nachschub«, sagt Max Weber, der im Sommer die Nachfolge von Inge und Bernd Glaum aus Hüttenberg angetreten hat. Die Brüder Weber bieten Handkäse, Eier, Backwaren und einiges mehr aus dem Raum Hüttenberg an. »Die Leute haben richtig Kauflust«,sagt Sven Weber.

Gestiegener Umsatz bei Käse-Schuster

Diese Kauflust fällt auch den Beschickern des Wochenmarktes in Bad Nauheim auf, obwohl es an diesem Dienstag zwischendurch immer wieder einmal nieselt. An nahezu allen Ständen herrscht Hochbetrieb, vor allem an den Wagen der Metzgereien, aber auch bei Käse-Schuster. »Der Umsatz ist leicht gestiegen«, sagt Gunther Schuster, der zusammen mit Ehefrau Tanja gerade Eva Gerszke bedient. »Seitdem ich in Bad Nauheim lebe, gehe ich auf den Markt. Das hat für mich etwas mit der Qualität der Lebensmittel und auch mit Regionalität zu tun« sagt dieBad Nauheimerin, die auch das Schlangestehen in Kauf nimmt., »Auch wenn’s manchmal schwerfällt«, fügt ein älterer Bad Nauheimer lachend hinzu.

Rauchen auf dem Markt ist tabu

Eines ist Gunther Schuster noch aufgefallen: Sein Online-Handel hat kaum zugenommen - mit einer Ausnahme: »Unser Käse-Abo wird vermehrt bestellt und verschenkt, damit Eltern oder Großeltern nicht mehr auf den Markt gehen müssen.«

Mehr Vorbestellungen als jemals zuvor hat die Holzofenbäckerei Stein aus Lauterbach in den vergangenen Tagen zu verzeichnen. Die beiden Verkäuferinnen Manuela Listmann und Corinna Zulauf freuen sich über den großen Zuspruch, vor allem das Körnerbrot ist in Bad Nauheim gefragt, aber auch Kümmelbrot und Kuchen haben viele Abnehmer. »Es läuft richtig gut, wir haben vor 30 Jahren mal mit ein paar Laib Brot angefangen« sagt »Seniorchefin« Ulrike Stein. Nachdem er die Meisterprüfung im Bäckerhandwerk abgelegt hat, führt Sohn Sebastian seit 2011 den Betrieb.

Immer wieder kommt auch Peter Egenberger am Stand der Bäckerei vorbei. Der Bad Nauheimer ist einer von drei Marktmeistern, die abwechselnd an den Markttagen vor Ort sind. »Es läuft ganz gut. Alle tragen Masken, bis auf die zwei Prozent Querdenker, die es nicht einsehen wollen.«

Die Abstandsregel wird immer besser angenommen. Probleme gibt es mit Menschen, die auf dem Markt rauchen oder etwas verzehren. »Viele wissen nicht, dass dies auf dem Marktgelände nicht gestattet ist,« sagt Egenberger, der kurz zuvor eine Frau mit einer Dose Bier in der Hand aufgeklärt und vom Marktgelände »komplimentiert« hat. »Aber das ist eher die Ausnahme geworden«.

Geänderte Markt-Zeiten

Wegen der Feiertage wurden die Wochenmärkte in Bad Nauheim von Freitag auf Donnerstag vorverlegt. Daher findet der Wochenmarkt am Donnerstag 31. Dezember, von 8 bis 12 Uhr statt.. Am Dienstag, 29. Dezember, findet der reguläre Wochenmarkt in Bad Nauheim ab 12 Uhr statt, in Friedberg am Mittwoch, 30. Dezember, ab 7.30 Uhr. Allerdings sind da schon auf beiden Märkten vereinzelt Beschicker in Urlaub, ebenso wie in den ersten beiden Januarwochen.

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