Die beste Adresse in Friedberg steht seit Jahren leer: Das Stadtparlament soll am 29. Oktober den B-Pan und einen städtebaulichen Vertrag beschließen. Kommt’s so? Die Spurenleger und die SPD haben da Bedenken.		FOTO: NICI MERZ
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Die beste Adresse in Friedberg steht seit Jahren leer: Das Stadtparlament soll am 29. Oktober den B-Pan und einen städtebaulichen Vertrag beschließen. Kommt’s so? Die Spurenleger und die SPD haben da Bedenken.

Abriss in Gelnhausen

Kaufhaussterben in Friedberg: Nachnutzung gesucht - Neuer Anlauf in Sachen Joh

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Neues vom Kaufhaus Joh: Die Planungen gingen mit großen Schritten voran, allerdings nur in Gelnhausen, am ehemaligen Stammsitz. In Friedberg zieht sich die Sache noch ein wenig hin.

In Gelnhausen, wo das Joh-Stammhaus stand, planen Kreis, Stadt und Kreissparkasse den Abriss des Gebäudes. Direkt an der Kinzig entsteht ein Neubau, in dem Verwaltungen des Main-Kinzig-Kreises, Einzelhandel, Gastronomie und drei Schulbibliotheken unterkommen sollen. Die Planung gehe „mit großen Schritten voran“, heißt es.

In Friedberg sieht die Sache ein wenig anders aus. Nachdem die Kaufhauskette 2013 in Insolvenz ging und an fünf Standorten Filialen geschlossen wurden, verkaufte die britische Edinburgh-House-Gruppe die Friedberger Liegenschaft an die 3 V Invest aus Grünwald bei München. Ein neues Kaufhaus sollte eröffnet werden, doch diese Pläne zerschlugen sich schnell. Mittlerweile wird auch in Friedberg ein Nutzungsmix angestrebt. Mehrfach wurde der Bebauungsplan geändert. Dennoch: Das Gebäude steht weiter leer, daran wird sich in naher Zukunft auch nichts ändern.

Kaufhaussterben: Joh steht in Friedberg leer - Gebäude wieder mit Leben füllen

Vor zwei Wochen waren Christian Weiher und Rainer Damaschke, die beiden Geschäftsführer von 3V Invest, in Friedberg. Im Ausschuss für Stadtentwicklung stellten sie sich den Fragen der Parlamentarier. Die Politik drängt darauf, dieses für die Innenstadt so wichtige Gebäude endlich wieder mit Leben zu füllen.

Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) wertet den Besuch als „positives Zeichen“. Von dem Gespräch sei das Signal ausgegangen, dass 3 V Invest nach wie vor daran interessiert sei, das Projekt umzusetzen. „Die Investoren haben schon viel Geld in das Gebäude gesteckt, jeder Monat kostet“, erläutert Antkowiak.

Der Bürgermeister hat mit den 3V Invest-Vertretern den städtebaulichen Vertrag nachverhandelt, den das Stadtparlament erst gefordert und dann für „zu leicht“ befunden hatte. Wie Antkowiak sagte, wurde die Frist zur Bauverpflichtung wurde von sieben auf fünf Jahre verkürzt, die Rechtsnachfolge des Vertrags wurde geregelt. Nicht geändert wurde die Vertragsstrafe in Höhe von 100 000 Euro. Ein solcher Passus sei bei Kreditvergaben von Banken nicht gerade förderlich, hieß es dazu.

Kaufhauskette Joh: Kritik von SPD - Strafsumme sei „fast lächerlich“

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Klaus-Dieter Rack bezeichnet diese Summe „angesichts eines millionenschweren Umbauprojekts“ als „fast lächerlich“. Die Stellplatzfrage sei auch nicht geklärt. Rack hält auch den nachverhandelten städtebaulichen Vertrag für „nicht zustimmungsfähig“.

Antkowiak ist da anderer Meinung: Der Besuch der Investoren habe zur positiven Stimmung beigetragen. Er rechne damit, dass Vertrag und B-Plan am 29. Oktober von den Stadtverordneten angenommen werden. Die Zeit drängt. Sonst gilt ab 3. November der alte B-Plan von 1980, der die Nutzung des Gebäudes als Kaufhaus vorschreibt.

Aber drängt die Zeit wirklich? Die Spurenleger, eine Gruppe Friedberger Architekten und Geschäftsleute, bezweifelt das. Aus einem Schreiben an alle Fraktionen im Stadtparlament geht hervor, dass es keine Eile gebe. Denn noch gebe es keine konkreten Planungen. Eine Schadensersatzforderung des Investors gegenüber der Stadt sei daher nicht zu erwarten.

Die Spurenleger empfehlen, den Satzungsbeschluss des B-Plans aufzuschieben und den städtebaulichen Vertrag erneut zu verbessern. Ein Punkt, der die Spurenleger und auch Rack stutzig macht: Die Investoren wollen zunächst auf den Anbau an der Ecke Färberggasse/Schnurgasse verzichten und dort auf zwei Ebenen Parkplätze einrichten. Die Option für eine Bebauung soll aber offengehalten werden. Dies, so schreiben die Spurenleger, widerspreche aber der städtebaulichen Konzeption, die in den Erläuterungen zum B-Plan formuliert seien.

Auch die Stellplatzfrage sei ungeklärt. Dazu Rack: „Für ein Gebäude, das eine vielfältig andere Nutzung und ein deutliches Mehr an Beschäftigten (bei Joh maximal 50 Personen) bekommen soll, kann nicht mit den 1980 abgelösten Stellplätzen argumentiert werden, wie wiederholt von der Stadtverwaltung geschehen.“ Für Rack wie für die Spurenleger steht daher fest: „Der städtebauliche Vertrag bedarf weiterer Nachbesserungen und Klarstellungen, die vor einem Satzungsbeschluss zum B-Plan erfolgt sein müssen.“ (Jürgen Wagner)

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