Werden ab dem zweiten Obergeschoss Wohnungen im Kaufhaus Joh eingerichtet, könnte auch die Fassade umgestaltet werden. Die sei "nicht so der Brüller", ist im Ortsbeirat festgestellt worden.
+
Werden ab dem zweiten Obergeschoss Wohnungen im Kaufhaus Joh eingerichtet, könnte auch die Fassade umgestaltet werden. Die sei »nicht so der Brüller«, ist im Ortsbeirat festgestellt worden.

Leerstehendes Kaufhaus

Joh: Der nächste B-Plan für den nächsten Anlauf

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
    schließen

Was wird aus dem Joh? Wird der leerstehende Gebäudekomplex am Friedbrger Elvis-Presley-Platz nach sechs Jahren Leerstand wieder belebt? Die Politik nimmt einen neuen Anlauf.

Im Friedberger Rathaus wird die dritte Offenlage des Bebauungsplans für das ehemalige Kaufhaus Joh vorbereitet. Das Hin und Her in der Sache war in jüngster Zeit mehrfach ein Thema. Die erste Offenlage erfolgte im Sommer 2018, im September drauf wurde der B-Plan als Satzung beschlossen; diese Satzung wurde aber nie öffentlich bekannt gegeben. Zwischenzeitlich hatte der Investor 3 V Invest aus Grünwald bei München Änderungen beantragt: mehr Wohnungen, eine Umgestaltung des (aufzustockenden) Baukörpers mit Lichthöfen und Flachdächern, ein höherer Anbau in der Schnurgasse, eine Tiefgarage im Untergeschoss.

Im Dezember 2019 meldete der Investor erneut Änderungen an: Verzicht auf die Tiefgarage, Einzelhandel von Untergeschoss bis zum 1. Obergeschoss, keine Aufstockung. Die »Spurenleger« und das Bürgerbündnis »WIR« kritisierten die Pläne, in der Stadtverordnetenversammlung am 12. Dezember 2019 wurde quasi ein Neuanfang beschlossen, dem nun die 3. Offenlage folgt.

Einiges soll sich ändern. Untergeschoss bis 1. Obergeschoss sollen für Einzelhandel reserviert sein. Wohnen ist erst ab dem zweiten Obergeschoss möglich, und dann nur »ausnahmsweise«. Hier geht es darum, ob die Schallisolierung des Gebäudes ausreicht. Die Stadt will sich Ärger mit Mietern ersparen, die womöglich gegen Musikveranstaltungen auf dem Elvis-Presley-Platz klagen. Werden die Lärmschutzvorgaben eingehalten, ist die Stadt auf der sicheren Seite, und Wohnungen sind ab dem 2. Obergeschoss möglich.

Weitere Änderungen betreffen die Höhe des Kaufhauses (keine Aufstockung mehr), die reduzierte Höhe des Neubaus in der Schnurgasse (maximal drei Vollgeschosse) und den Abstand dieses Neubaus zu den Nachbargebäuden; dieser wird von fünf auf sechs Meter erhöht.

Joh Friedberg: Investor nicht mit allen Änderungen einverstanden

Der Ortsbeirat der Kernstadt hat sich als erstes Gremium mit dem neuen B-Plan befasst. Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) hatte zuvor eine Sondersitzung des Ältestenrats einberufen, um die Änderungen intern zu besprechen. Die Verwaltung habe einen guten Vorschlag erarbeitet, sagte Antkowiak. Der Investor sei aber nicht mit allen Änderungen einverstanden. Wie Bauamtsleiterin Dr. Christiane Pfeffer sagte, gebe es aktuell noch einen strittigen Punkt, den die Politik entscheiden müsse: Soll der Gehweg an der hinteren Gebäudefront (Färbergasse) für Fußgänger verbreitert werden oder entstehen hier Pkw-Stellplätze?

Evelyn Weiß (SPD) sagte in der Aussprache, es sei gut und richtig gewesen, den B-Plan aufgrund der Initiative von Bürgern und mit den Stimmen von SPD, FDP, UWG, Grünen und Linken zurück an die Stadtverwaltung zu geben, um ihn erneut zu überarbeiten. Weiß hatte Detailfragen, die allesamt beantwortet wurden. Strittige Punkte in der Debatte im Stadtparlament am 26. März dürften die Pkw-Stellplätze sein. Wo sollen welche entstehen? Gibt es dafür überhaupt Platz? Oder werden die Stellplätze - wie schon beim ersten B-Plan für das Kaufhaus - »abgelöst«, sprich: Der Investor kauft sich frei? Die Stadtverordneten hatten auch einen städtebaulichen Vertrag gefordert. Der liegt laut Verwaltung noch nicht vor.

Joh Friedberg: »Irre Ideen« für die Fassadengestaltung

Helge Müller (FDP) wollte wissen, in welchen Fällen die Kaufhaus-Fassade bestehen bleiben muss. Dr. Pfeffer: »Wenn nichts geändert wird, hat die Fassade Bestandsschutz.« Werden ab dem 2. Obergeschoss (und mit Einzelfallentscheidung des Magistrats) freilich Wohnungen gebaut, muss der Investor die Fassade zwangsläufig verändern. Diese ist, wie im Ortsbeirat einhellig festgestellt wurde, »nicht so der Brüller«. Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender (CDU) konnte die Kollegen aufklären, wie es zu dieser hübsch-hässlichen Fassade kam: »Das war eine Vorgabe des Denkmalschutzes. Die Fassade ist quasi eine Annäherung an jene des ehemaligen Amtsgerichts, das an dieser Stelle einst stand.« Und mit einem fast schon fatalistischen Schulterzucken fügte Hollender hinzu: »Die haben manchmal irre Ideen.«

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare