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Eigentlich wollte Bernd Weckwerth Lehrer werden. Doch dann entscheidet er sich dazu, Pfarrer zu werden. Heute übt er diesen Beruf in Ockstadt und Rosbach aus.

Kirchenkritik

Katholischer Pfarrer über den Zölibat: "reine Schikane"

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Wer Priester wird, muss akzeptieren, ein eheloses Leben zu führen. Dieses Gesetz gibt es seit dem Mittelalter. Heute jedoch sei es nicht mehr angebracht, sagt der Ockstädter und Rosbacher Pfarrer Weckwerth.

Ob er schon mal verliebt war? "Natürlich", sagt der Pfarrer. "Bis zu meinem 30. Lebensjahr war ich ja ein ganz normaler Schüler und Student." Das war lange Zeit, bevor Bernd Weckwerth nach Ockstadt kam. Eigentlich wollte er Lehrer werden - Physik und Religion. Es kam anders. Lehrerstellen gab es damals, Anfang der 80er, kaum. Die Aussicht: sechs Jahre warten. Das, erzählt er, hat dafür gesorgt, dass er während der Referendarzeit an einem Gymnasium bei Offenbach "über den heimlichen Wunsch, Priester zu werden", nachdachte. Und so ging er einen anderen Weg. Bernd Weckwerth trat ins Mainzer Priesterseminar ein. In einer Zeit, in der immer weniger junge Männer diesen Beruf wählten.

Wenn er heute, als Pfarrer von Ockstadt und Rosbach, über diese Entscheidung spricht, sagt er, es war die richtige. "Dieser Beruf kann so vielseitig sein wie kein anderer, er kommt damit meinen vielen Interessen und Talenten entgegen." Dennoch gebe es einiges am Priester-Dasein, das ihn grundsätzlich bekümmere - vor allem die Pflicht zum Zölibat. "Reine Schikane", sagt er. "Wenn wir als katholische Kirche nicht schleunigst alles abschaffen, was das Kirchenvolk gängelt, werden wir in Deutschland zu einer immer kleineren Sekte zusammenschrumpfen."

Letztlich schade sich die katholische Kirche selbst. "In der Kirche wird mit den Füßen abgestimmt." Wenn der Gemeinde etwas nicht gefalle, blieben die Kirchenbänke leer. Und im Falle des Zölibats seien es die Stühle im Priesterseminar. "Wir wissen, dass wir viele deswegen in die Wüste geschickt haben."

Dass ein Priester nicht verheiratet sein darf, hat seine Ursprünge im 4. Jahrhundert, doch erst im Mittelalter wurde das Heiratsverbot fixiert. Ein häufig genanntes Argument in der katholischen Kirche zum Zölibat: Das enthaltsame Leben stärke die Beziehung zu Gott. Aber, sagt Weckwerth: "Aus der Bibel lässt sich eine solche Verpflichtung nicht begründen." Obwohl es in der Kirchengeschichte immer wieder zu Kritik an dem Gesetz der Ehelosigkeit kam, hält man nach wie vor daran fest. Bernd Weckwerth hält das Argument für untauglich, wonach der Priester sich wegen des Zölibats ganz und gar Gott widmen könne. Eines seiner Beispiele: Ein Priester aus seinem Weihekurs war früher evangelisch und ist verheiratet. "Bei unseren regelmäßigen Treffen hat er seine Frau und seine zwei Töchter nie als Ablenk- oder Stress-Element beschrieben, aber als Stütze in seinem Beruf."

Entscheidung zur Ehelosigkeit

Klar, sagt der Pfarrer, wäre es schwer, für eine Abschaffung des Zölibats gleich auf der ganzen Welt Verständnis zu bekommen. Deswegen schlägt er vor, im Kleinen anzufangen und erst einmal in einem Bistum den Zölibat für Priester freizustellen. "Aber kein Bischof hatte bisher den Mut dazu. Lieber zerschlage man die gewachsenen Strukturen der Pfarrgemeinden und belaste die Ehrenamtlichen mit neuen Aufgaben, nur um den selbstverschuldeten Priestermangel auszugleichen."

Bernd Weckwerth jedenfalls ist dafür, dass ein Priester selbst entscheiden kann, ob er heiratet oder nicht. Für ihn selbst habe sich die Frage auch gestellt. Schon mit 19, erzählt er, habe er mit dem Gedanken gespielt, Priester zu werden. "Aber ich war viel zu unsicher, ob ich ehelos leben kann". Später jedoch, als sich eine Freundin wegen der Liebe zu einem anderen Studenten von ihm trennte, hatte er aus Liebeskummer eine längere Auszeit zu bewältigen. Das war vielleicht der entscheidende Moment: "Ich habe dabei erfahren, dass ich auch recht gut damit leben kann, privat alleine zu sein. Doch galt es dabei stets, sich von guten Beziehungen zu andern und einem tiefen Glauben getragen zu fühlen, um sich dann letztlich für die Ehelosigkeit zu entscheiden." "Aber", sagte er schmunzelnd: "Nicht für ein Leben ohne tanzen. Ich liebe flotte Musik und tanze gerne dazu, und es steht ja nirgends geschrieben, dass wir Priester nicht tanzen dürfen."

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