Ein Anblick, an den sich die Friedberger gewöhnt haben: Das 74 Hektar große Kasernengelände ist noch im Besitz der Bundesrepublik. Mit der Entwurfsplanung geht die Stadt in die Kaufverhandlungen mit der BImA.
+
Ein Anblick, an den sich die Friedberger gewöhnt haben: Das 74 Hektar große Kasernengelände ist noch im Besitz der Bundesrepublik. Mit der Entwurfsplanung geht die Stadt in die Kaufverhandlungen mit der BImA.

Konversion der Kaserne

Kaserne Friedberg: Online-Bürgerversammlung bringt viele Ideen

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
    schließen

260 Seiten dick ist der Stapel Kopien, die Friedberger haben sich rege an der »Online-Bürgerversammlung« zur Entwicklung der Kaserne beteiligt. Jetzt stehen Verhandlungen mit der BiMA an.

Wird das noch was mit der Entwicklung des Kasernengeländes? Je länger der Prozess der Umwandlung des einstmals militärisch genutzten Areals im Süden von Friedberg dauert, desto lauter werden die Zweifler, die sich fragen ob die Stadt »das überhaupt hinbekommt«. Dauert es noch Jahre, bis eine neuer Stadtteil entsteht? Oder geht alles ganz schnell? Für kommenden Mittwoch, verriet Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) im Ausschuss für Stadtentwicklung, wird ein Investor im Rathaus erwartet.

In den vergangenen Tagen haben Magistrat und Stadtverordnete den dicken Packen Papier studiert. Ann Kathrin Magic vom Bauamt stellte die wichtigsten Ergebnisse in einem kurzweiligen Vortrag vor.

116 Ideen wurden eingereicht. Diese Ideen konnten (ähnlich wie in einer Bürgerversammlung, nur eben schriftlich) auf der Seite friedberg-mitmachen.de im Internet kommentiert werden, was 109 Mal erfolgte. Die Bürger konnten ihre Ideen auch per Telefon oder auf dem Postweg einreichen. Alles sei in die Betrachtung eingeflossen, sagte Magic. Die Umstellung auf eine Online-Beteiligung habe sich gelohnt: Zwei Artikel in der Fachpresse stellten den Prozess in Friedberg vor. Alle Ideen wurden bewertet. 50 Prozent der Vorschläge kämen zu früh, sagte Magic. Das betreffe etwa die Verkehrsplanung, aber auch viele weitere Punkte, die erst zu einem späteren Zeitpunkt geklärt werden. 13 Prozent der Ideen wurden abgelehnt, etwa eine Motocross-Strecke oder die Reaktivierung des Capri Clubs, der laut Denkmalschutz nicht zu erhalten ist. Auch ein Grundstück für ein Kino wird in der Kaserne nicht benötigt; irekt gegenüber hat ein Kinobetreiber bereits eines erworben. Nur das Kino fehlt noch.

Kaserne Friedberg: Grundschule wird in die Mitte verlegt

15 Prozent der Vorschläge seien bereits im Plan enthalten gewesen, 4 Prozent konnten nicht eindeutig zugeordnet werden. Bleiben 9 Prozent, die aufgenommen wurden.

Viele Bürger forderten eine Verlegung der Grundschule, die nun zentral am Grünzug und nahe der »Quartiersmitte« vorgesehen ist. Auch die Standorte für Pflegeheim und Seniorenwohnen wurden nach Wunsch der Bürger näher an die »Quartiersmitte« verlegt. Letztere soll »das Herzstück des neuen Stadtteils« werden: ein Treffpunkt mit kleineren Einzelhandelsgeschäften, Gastronomie, Dienstleistungen, Kultur und einem Gemeindezentrum. Größere Vollversorger sollen im Süden des Gebiets angesiedelt werden. Die amerikanische Kirche wird zur Außenstelle des Standesamtes. Der THM-Campus erhält den Namen »Wissenschaftscampus«, was verdeutlicht, dass dort auch Hochschul-verwandte Nutzungen wie ein Gründerzentrum möglich sind.

Geprüft wird, ob die östliche Erschließung des Gebiets (Görbelheimer Hohl) über einen Verkehrskreisel erfolgt. Auch ein autofreier Stadtteil und reine Fahrradstraßen wurden gewünscht. Dies, heißt es in der Verwaltungsvorlage, »ist in weiteren Untersuchungen zu überprüfen und abhängig vom politischen Willen«. Was viele freuen dürfte: Die Fläche für Sport wurde vergrößert. Im Süden des Kasernengeländes befindet sich der Bahnhaltepunkt. Es soll geprüft werden, wie die fußläufige Anbindung verbessert werden kann.

Kaserne Friedberg: Nächstes Gespräch mit der BiMA

Ausschussvorsitzender Patrick Stoll (CDU) dankte Magic für die »sehr gute Präsentation«. Alle Vorschläge samt den Kommentaren sind weiterhin im Internet einsehbar. Ob die »Nissenhütte« (die denkmalgeschützte Blechbaracke am Rande der Friedensstraße) an Ort und Stelle bleibt oder in den Hessenpark versetzt werden kann, sei noch nicht entschieden, sagte Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU).

Für den 15. September ist das nächste Gespräch mit der BiMA anberaumt, außerdem werden im September Konversionsflächen in Frankfurt und Bensheim besichtigt. Winfried Ertl (UWG) meinte, dass es »Gespräche mit der BiMA« gebe, höre er seit zehn Jahren. »Wann wird’s endlich konkreter?« Sobald die BiMA den Grundstückswert ermittelt hat, antwortete Antkowiak.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare