Vorwurf: Drogenhandel

Kampfmesser und Gras-Geruch: Friedberger vor Gericht

  • vonOliver Potengowski
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Ein 33-jähriger Mann aus Friedberg saß am Montag am Landgericht Gießen auf der Anklagebank. Ihm wird unter anderem Drogenhandel vorgeworfen.

Seit Montag wird am Landgericht Gießen der Prozess gegen einen 33-jährigen Eritreer geführt, dem außer dem Handel mit größeren Mengen Marihuana auch weitere Delikte zur Last gelegt werden. So soll der Friedberger bereits 2017 einen 15-Jährigen damit beauftragt haben, für ihn Drogen zu verkaufen. Als dieser nicht den kompletten Preis der in Kommission erhaltenen Ware bezahlt habe, soll der Angeklagte handgreiflich geworden sein. Dieser streitet die Vorwürfe ab.

Extrem starker Geruch im ersten Stock

»Es war, als habe man in einen Bienenschwarm gestochen«, schildert ein 43-jähriger Polizist, wie er mit seinem Kollegen eher zufällig im Januar 2019 an der Wohnungstür des Angeklagten geklopft habe. Eigentlich seien sie wegen einer Leiche im dritten Stock in das Wohnhaus gekommen. Doch schon als er es betreten habe, sei ihm starker Marihuana-Geruch aufgefallen. »Im ersten Stock war der Geruch so stark, dass ich mich entschieden habe, an die Tür zu klopfen«, berichtete der Beamte.

Nachdem einer der sechs jungen Männer, die sich in der kleinen Wohnung aufhielten, die Tür geöffnet habe, sei dort große Unruhe ausgebrochen. Er habe einen Ruf »Scheiße, die Bullen und die Klospülung gehört. Einer der Männer habe etwas aus dem Fenster geworfen. Deshalb habe er die Gruppe mit lauter Stimme aufgefordert, aus der Wohnung zu kommen, und sich im Flur aufgestellt, sagte der Polizist. Dem seien die Leute auch zunächst gefolgt.

Dann hätten die Männer jedoch gesehen, dass da nur zwei Polizisten, sie selbst aber zu sechst gewesen seien. »Da wurde das so aggressiv, dass ich den Teleskopschlagstock gezogen habe und sie aufgefordert habe, sich kooperativ zu verhalten.«

Waffen angeblich als Film-Requisiten

Sofort bemerkte der Beamte, dass auf dem Boden der Wohnung große Mengen Marihuana-Blüten herumlagen. Bei einer anschließenden Durchsuchung mit einem Drogenspürhund wurden mehr als 600 Gramm Marihuana, verpackt in einen Müllsack und eine Plastiktüte, gefunden. Außerdem, und das ist für das Strafmaß von erheblicher Bedeutung, eine Softair- und eine Schreckschusspistole sowie ein Kampfmesser und eine Machete »griffbereit auf dem Bettrand«, wie der Beamte betonte.

Der 33-Jährige selbst war, als die Polizisten an seine Wohnungstür klopften, gerade nicht zu Hause. Die Drogen, die in den zwei großen Plastiktüten und einigen kleineren Mengen gefunden worden seien, gehörten gar nicht ihm, ließ der Angeklagte seinen Verteidiger erklären. Und auch für die Waffen hat er eine Erklärung: Diese verwende er bei Filmaufnahmen als Requisiten, das sei sein Hobby.

Die Polizisten schenkten diesen Argumenten bei seiner Vernehmung, nachdem er vorläufig festgenommen worden war, wenig Glauben. Auch die Erklärung, warum er von dem 15-Jährigen Geld verlangt habe, hielt der Polizist für unglaubwürdig.

Feinwaagen deuten auf Handel hin

Die Geschichte, die der Angeklagte damals erzählte, ging so: Der 15-jährige, den er zuvor nicht gekannt habe, habe ihn gebeten, ihm Geld zu leihen. Er sei gerade mit seiner Familie aus Bulgarien gekommen und müsse für sie sorgen. »Ich habe ihm 50 Euro gegeben, weil ich selbst weiß, wie das ist, wenn man kein Geld hat, sich etwas zu essen zu kaufen«, wird die Aussage des Angeklagten im Vernehmungsprotokoll wiedergegeben. Doch dass er »wie jemand, der für die Heilsarmee Geld sammelt«, jemandem, den er kaum kenne, immer wieder Geld leihe, passe nicht zur Persönlichkeit des Angeklagten, argumentierte der Beamte.

Die Ergebnisse der Durchsuchung im Dezember 2017 sprachen für Drogenhandel. So fanden sich in der Wohnung des Angeklagten Plastiktütchen, wie sie zum Abpacken von Drogen verwendet werden, und mehrere Feinwaagen, wie sie bei Dealern üblich sind. Diese habe er nur besessen, um zu kontrollieren, dass, wenn er Drogen für den Eigenverbrauch kaufe, er nicht betrogen werde, habe der Angeklagte vor fast drei Jahren versucht, den Beamten zu erklären.

Hinsichtlich der großen Mengen Marihuana, die sich bei der Durchsuchung im vergangenen Jahr in seiner Wohnung gefunden hat, ist erwiesen, dass der Angeklagte damit direkten Kontakt gehabt hat. Eine Sachverständige erläuterte, dass sowohl an den Waffen, als auch an den Knoten des Müllsacks und der Plastiktüte mit insgesamt mehr als 600 Gramm Marihuana neben anderen auch die DNA-Spuren des Angeklagten nachgewiesen worden waren.

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