Kaiserstraßen-Umbau: "Provozieren Sie kein Friedberg 21"

Friedberg (sda). "Abwärtsspirale, Leerstände, sinkendes Niveau" – die Aussichten für die Stadt sind düster, zumindest aus Sicht des Friedberg-Forums. Jedenfalls dann, wenn die rot-grüne Koalition ihre Pläne zur Umgestaltung der Kaiserstraße durchsetzt.

Am Dienstagabend hatte die Initiative zu einer Informationsveranstaltung in die Stadthalle eingeladen, um ihr Konzept vorzustellen. Nach hitziger Diskussion mit viel Lob und Anregungen kündigte die Inititave im Falle des Scheiterns die Herbeiführung eines Bürgerentscheids an.

Dr. Ralf Streum, Vorsitzender des Stadtmarketings, erklärte eingangs, dass das Forum konstruktiv sei und die Stadt mitgestalten wolle. In einer ausführlichen Präsentation führten die Mitglieder ihre Pläne zur Kaiserstraßen-Umgestaltung vor (die WZ berichtete mehrfach) und zeigten an einem eigens gebastelten Modell, wie eine mögliche Gestaltung der Innenstadt aussehen könnte. Das Augenmerk liegt dabei auf dem Verkehr. Denn der soll reduziert und verlangsamt werden: "Dafür benötigen wir Kreisel", betonte Friedrich Wilhelm Durchdewald. Zwei Minikreisel als Abschlüsse des Elvis-Presley-Platzes sollen es sein: einer an der Einmündung Wolfengasse, der andere in der Höhe Haagstraße – so könne jeder Autofahrer problemlos wenden.

Aber auch unregelmäßige Fahrbahnunterbrechungen durch Pflastersteine sollen ihren Teil zur Verkehrsberuhigung beitragen. "So vergisst keiner, dass die Straße keine Autobahn ist." Im Mittelpunkt steht auch Barrierefreiheit: Der jeweiligen Nutzung entsprechende Straßenbeläge seien deswegen dringend notwendig – etwa durch altersgerechte Bordsteinkanten und Pflasterflächen zur Orientierung von Sehbehinderten.

Heiß diskutiert ist die Zukunft des Elvis-Presley-Platzes: Denn dort sollte aus Sicht des Forums mehr Raum geschaffen werden. Weit oben auf der Wunschliste steht das Stichwort "Flexibilisierung des Stadtraums" – gemeint ist eine Raumplanung, die Veränderungen ohne großen Aufwand zulässt. "Besonders im Hinblick auf die Außenbewirtschaftung ist das sehr wichtig." Denn laut Durchdewald könnten die Wirte nicht ohne diese überleben. Daher verweigert das Forum eine starre Einteilung in Verkehrs-, Park- und Gewerbeflächen. Die Ausstattung mit Pollerhülsen soll deswegen den bedarfsabhängigen Gebrauch der jeweiligen Flächen garantieren. So seien dann etwa in der Adventszeit rund 200 Parkplätze verfügbar, bei voller Gastronomienutzung allerdings nur 150 Abstellmöglichkeiten.

Viel Lob für das Forum

Die Resonanz der rund 250 erschienen Bürger ist groß: Über eine Stunde wird heftig diskutiert, das Forum bekommt viel Lob, die rot-grüne Stadtregierung eine Menge Kritik. Parkplätze, Sitzbänke oder Häuserfassaden – die Fragen und Anregungen der Bürger sind vielseitig. Dass Friedberg nachts gar lebensgefährlich sei, fand eine Bürgerin, die sich begeistert den Vorschlägen des Forums anschloss und eine Änderung der Gehwege wünschte. Anderen brennt die Frage nach den Parkgebühren unter den Nägeln. Auch ob die Bäume erhalten oder weg sollen, ist umstritten – die Meinungen gehen wie bei den Politikern auch hier auseinander. Denn, wie einige finden, dienen diese der Verschönerung des Stadtbilds, andere hingegen stören sich an der regelrechten Vermummung der Hausfassaden.

"Was kostet die Umgestaltung im Sinne des Forums eigentlich", wollte ein Friedberger wissen. Das sei unklar, antwortete Durchdewald – "genauso wie die Kostenvoranschläge der Stadt" –, denn keiner wisse, wie es wirklich unter der Straße aussehe. Besonderen Anklang fand das Konzept der Minikreisel – weswegen Koalitionsmitglied Mark Bansemer (SPD) starke Ablehnung erfuhr, als er sich für das Abbiegemodell der Stadt starkmachte. So kämpfte er ziemlich allein gegen die vom Forum vereinnahmte Menge an und musste sich nicht selten abfälligen Bemerkungen hingeben: "Ich habe das Gefühl, die haben ein Geschäft mit einer Ampelfirma gemacht", murmelte eine Friedbergerin.

Nicht weniger abwertend reagierte die Masse, als Bansemer meinte, eine öffentliche Toilette auf der Kaiserstraße reiche vollkommen aus: "Die ist genau in der Mitte, das sind maximal 350 Meter bis dorthin." Empörungsrufe: "Ja, wenn man in Ihrem Alter ist, ist das kein Problem." Aber trotz großer Zustimmung für das Forum bedrückte die Anwesenden eine dringliche Frage: "Was, wenn die Stadt ihren Plan im Parlament beschließt?" Die Antwort Durchdewalds sorgt für Jubel: "Dann sind wir auch bereit, einen Bürgerentscheid herbeizuführen.

" Denn eins solle sich die Stadt gesagt sein lassen: "Provozieren Sie lieber kein Friedberg 21", warnte Streum die Koalition.

Kaiserstraße: Rot-Grün für Kreisel an Ockstädter Straße Kaiserstraßen-Umgestaltung: Forum offeriert Kooperation Kaiserstraßen-Umstaltung: Großes Interesse an Sitzung 600 Bürger diskutieren die Umgestaltung der Kaiserstraße

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