1. Wetterauer Zeitung
  2. Wetterau
  3. Friedberg

Junity: Ein Jugendhaus als Ort für Inspiration und Geistesblitze

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Friedberg (jw). Volles Haus am ersten Abend: Besser hätte die Eröffnung des neuen Jugendzentrums nicht laufen können. Am Freitag wurde die Einrichtung am Burgfeld unterhalb des Adolfsturms eingeweiht, und sie hat auch einen Namen: Junity heißt das Jugendhaus.

Jugenddezernent Peter Ziebarth (CDU) enthüllte zusammen mit Namensgeberin Helen Tesfalem vor rund 200 Gästen das Logo, das auf kunstvolle Weise - mit dem Adolfsturm als »i« - die Begriffe »Jugend« und »Unity« (englisch für Einheit) vereint.

»Das Jugendhaus soll ein Ort werden, wo junge Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten und unterschiedlicher Herkunft aufeinandertreffen und Gemeinschaft finden«, sagte Ziebarth. Bürgermeister Michael Keller (SPD) hingegen machte keinen Hehl daraus, dass er eine andere Form städtischer Jugendarbeit für sinnvoller als ein einzelnes Haus hält: dezentrale Einrichtungen, wie es sie bisher in Friedberg gab. Gleichwohl sei das Jugendhaus gelungen. Davon konnten sich die Gäste aus Politik, Schulen, Vereinen, der Nachbarschaft und der Verwaltung sowie aus der Nachbarstadt Bad Nauheim bei anschließenden Rundgängen durch das Gebäude überzeugen.

»Dass wir das noch erleben durften!« Diese Äußerung kam am Freitag gleich aus mehreren Politikermündern. »Noch ein paar Jahre länger, und ich hätte für ein selbstverwaltetes Altenheim gekämpft«, schmunzelte Grünen-Fraktionsvorsitzender Horst Weitzel. Mehr als 25 Jahre ist es her, seit das alte Juz geschlossen wurde. Der Bau der B 3 habe 50 Jahre gedauert, tröstete Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender (CDU). Er sprach die Hoffnung aus, dass sich hier Jung und Alt treffen und die Jugend mit guten Ideen glänze, um zu zeigen: »Das Haus hat Sinn.« Dass dies so ist, wurde in den politischen Diskussionen der letzten Jahre von einigen Protagonisten bezweifelt, vor allem von SPD und UWG. Statt einem Haus würde er »lieber viele Häuser, Sportplätze und Treffpunkte blühen sehen«, sagte Bürgermeister Keller in seiner Rede. Im Haushalt 2010 klafft ein Loch von 6,8 Millionen Euro, in diesem Jahr ist das Defizit genauso hoch und der Grund für die Misere ist, natürlich, die Finanzkrise. Trotzdem waren rund 2,3 Millionen Euro für das Jugendhaus übrig. Es sei eben ein günstiges Zeitfenster gewesen, betonten Olaf Osten (CDU) und Achim Güssgen (FDP) in ihren Grußworten. Hätte die Koalition aus CDU, Grünen und FDP ein Jahr länger mit dem Beschluss zum Bau des Hauses gewartet, wäre dies kaum mehr machbar gewesen.

Der Bürgermeister indes hätte das Geld lieber in Vereine und Initiativen investiert, in die Ausbildung von Trainern oder in Jugendcafés auf der Kaiserstraße. Doch die Mehrheit im Stadtparlament habe anders entschieden. Nun sei das Jugendhaus da, und die Politik müsse sich Gedanken machen, wie das Gebäude mit Inhalten gefüllt wird, wie aus einem Haus »für« Jugendliche ein Haus »von« Jugendlichen wird.

Keller versteht darunter nicht nur einen Ort zum »Chillen« und für Partys, sondern auch eine Stätte für »Inspiration und Geistesblitze«. Neben Flachbildschirmen wünscht er sich Bücher und Zeitungen, historisch-politische und gesellschaftliche Bildung sollten ebenfalls ihren Platz finden. Nur wer die Jugend herausfordere, fördere sie auch. Für Jugenddezernent Ziebarth ist das Junity »eine Chance, dem Auseinanderdriften der Jugend entgegenzuwirken«. Das Junity sei eine »Keimzelle für Ideen und Innovationen«. Und es sei auch ein Ort, wo die Jugendlichen lernen könnten, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

Jugendpflege betreibt das Haus

Andrej Seuss (Grüne), Vorsitzender des Jugend- und Kulturausschusses im Stadtparlament, ist zuversichtlich, dass das Jugendhaus zu einer Stätte des Austauschs und der Integration werde, zu einem Ort, wo Jugendliche Sport und Musik und vieles mehr machen können, von wo vielleicht auch Impulse für die Theaterarbeit in Friedberg ausgehen, wo Jugendliche sich für Umweltschutz und gegen Neonazis engagieren und »wo sie die politischen Strukturen kennenlernen«. Es werde wohl auch Ärger geben. »Doch wenn die Probleme hier auftreten, können sie bearbeitet werden.« Weil es hier ein Team der städtischen Jugendpflege gibt, das mit den Kindern und Jugendlichen arbeitet.

Dass die Diskussion um das Für und Wider des Jugendhauses mit der Eröffnung des Junity noch nicht beendet ist, machte (nicht nur) eine Bemerkung von Bürgermeister Keller deutlich. Aus der Beteiligungsphase bei der Planung sei »keine breite Bewegung von Jugendlichen für dieses Haus erwachsen«, sagte Keller.

Horst Weitzel widersprach gegenüber der WZ und lobte das Engagement von Jugendhausleiter Lukas Hölzinger, dessen Team und den Jugendlichen: »Moderation, Musik, Logo, Bewirtung, Technik, Aufbau - das haben heute Abend alles die Jugendlichen geleistet«, sagte Weitzel. Und zwar mit Bravour. Helen Tesfalem bekam für ihr Logo viel Anerkennung, die Band Prélude, hervorgegangen aus einem Musikschulprojekt, ließ die Gitarrenverstärker jaulen und rockte den Saal, das Trio Nadine Dannehl & friends spielte gefühlvollen Folk, und für eine lockere Moderation sorgten Mario Nahke und Pia Wagner. Die sagte zu ihrem Engagement, sie habe sich gedacht: »Lass mal mitmachen!« Nicht das schlechteste Motto für das Junity.

Jugendhaus: »Nicht gedacht, dass es so groß ist« Neues Jugendhaus kann besichtigt werden Jugendliche sollen JUZ mit einrichten

Auch interessant

Kommentare