Der Mauersegler ist streng geschützt. Er kommt aus dem südlichen Afrika in die Wetterau, um hier seine Jungen aufzuziehen.
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Der Mauersegler ist streng geschützt. Er kommt aus dem südlichen Afrika in die Wetterau, um hier seine Jungen aufzuziehen.

Naturschutz

Jungtiere in Gefahr: NABU Friedberg mahnt zur Vorsicht - Hohe Bußgelder für Störungen und Eingriffe in Natur

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
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Von der Natur sollen alle etwas haben: Menschen, Tiere und die Pflanzen selbst. Nach Ansicht des NABU Friedberg ist diese Übereinkunft aus den Fugen geraten. Vor allem Jungtiere leiden.

Frühjahr und Frühsommer sind die Zeiten, in denen in der Natur die Jungen zur Welt kommen oder wie bei den Vögeln aus dem Ei schlüpfen. Wer kennt sie nicht, die Bilder eines Rehkitzes, das im hohen Gras liegt. Oder die der jungen Vögel, die in ihren Nestern auf das Futter warten. Genau in dieser Zeit brauchen sie besonderen Schutz. Störungen können dazu führen, dass sie elendig verhungern müssen.

»Leider mehren sich in der letzten Zeit beim NABU Friedberg Anrufe besorgter Mitbürger, die über erhebliche Störungen berichten. Seien es Motorrad- oder Quadfahrer, Reiter oder auch Spaziergänger mit oder ohne Hund, die durch Schutzgebiete fahren, reiten oder laufen«, beklagt der Friedberger NABU in einer Pressemitteilung. Jungtiere könnten dadurch erheblich gestört, vielleicht auch von den Müttern getrennt werden oder die Gelege von Wiesenbrütern zerstört werden.

»Noch mehr Berichte erreichen uns über massive Baum- und Heckenschnitte, bei denen teilweise Vogelnester beseitigt werden«, führt Axel Müller vom NABU aus. Solche Maßnahmen können, wie die Naturschützer schreiben, in den meisten Fällen auf Herbst- und Wintermonate verschoben werden. Auf jeden Fall sollten - gleich ob im Garten oder in der freien Natur - Hecken und Bäume auf Nistplätze überprüft werden. Müller: »Wir unterstellen, dass meistens Unkenntnis die Ursache solcher voreiligen Schnittmaßnahmen ist, entschuldbar ist das keinesfalls.«

Ein ganz anderes Kaliber seien Beeinträchtigungen von besonders geschützten Arten wie zum Beispiel Schwalben und Mauerseglern. Verschiedentlich soll laut NABU das Brutgeschäft bei diesen Arten auch in Friedberg massiv gestört worden sein.

NABU Friedberg: Was das alles mit Corona zu tun hat

»Dies sind keine Kavaliersdelikte mehr, sondern klare Gesetzesverstöße (§ 44 Bundesnaturschutzgesetz). Danach ist es verboten, die Tiere unter anderem in der Fortpflanzungs- und Aufzuchtzeit erheblich zu stören«, schreibt der Naturschutzbund und fordert alle - ob Privatleute oder die zuständigen Behörden - auf, beim Bekanntwerden »solcher massiven Gesetzesverstöße« aktiv zu werden. »Die Natur sollte uns das wert sein.«

Was sagen die Behörden zu dem geschilderten Problem? Bei der Fachstelle Naturschutz und Landschaftspflege des Wetteraukreises sieht man letztendlich auch einen Zusammenhang mit der Corona-Krise. So heißt es in der Antwort auf eine WZ-Anfrage: »Insgesamt haben sich am Anfang der Corona-Pandemie viel mehr Menschen draußen aufgehalten als sonst. Man ist Rad gefahren und spazieren gegangen, weil andere sportliche Aktivitäten nicht möglich waren. Dadurch hat es mehr Störungen durch Sport gegeben, die Menschen haben selbst auch mehr Verstöße gegen das Naturschutzrecht beobachtet, was nicht heißen muss, dass tatsächlich mehr begangen worden sind.«

NABU Friedberg: Bei Verstößen Bußgelder

Im Moment habe man in der Kreisverwaltung den Eindruck, dass Störungen und Meldungen eher rückläufig seien. Die Fachstelle könne Störungen nur dann verfolgen, wenn sie belastbare Beweise dafür erhalte, beispielsweise Kennzeichen von Autos, mit denen illegal Wege befahren werden. »Definitiv zugenommen haben die Anfragen wegen Rodungen und Baumfällungen«, teilt der Wetteraukreis mit. Dies liege daran, dass mehr Menschen zu Hause seien und »aufräumten« - und daran, dass viele Bürger einen Garten pachteten oder kauften und diesen dann entsprechend herrichten wollten. »Wenn wir von Verstößen gegen das Artenschutzrecht erfahren, ahnden wir diese natürlich«, heißt es weiter aus der Kreisverwaltung.

Die Anzahl der Fälle von Störungen durch Baumaßnahmen - Schwalben und Mauersegler betreffend - bewegt sich nach Angaben der Fachstelle Naturschutz im Rahmen der Zahlen der Vorjahre. Es handele sich um etwa vier bis fünf betroffene Nester im Jahr. Das Bauamt verhänge einen Baustopp, wenn diese Fälle bekannt würden, und der Wetteraukreis leite ein Ordnungswidrigkeitsverfahren ein. Dies habe eine Bußgeldzahlung zur Folge. Andere Strafen gibt es laut Kreis nicht.

Bisher hat der Wetteraukreis folgende Bußgelder festgesetzt: Illegales Befahren von Wegen kostet 100 bis 150 Euro, für Gehölzrodungen sind - je nach Umfang - 100 bis 4000 Euro fällig. Auf das illegale Entfernen von Schwalbennestern steht eine Strafe in Höhe von 500 Euro.

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