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Informatives Gespräch: (v. l.) Christiana Juschzak, Bürgermeister Herbert Unger, Ingrid Stock, Stefan Heller, Matthias Rychly und Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch.

Junge Menschen fehlen

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Wetteraukreis (prw). Seit Monaten bremst der Lockdown nicht nur den Kulturbereich, die Gastronomie und die Unternehmen aus. Auch das Vereinsleben kam durch die Krise massiv ins Stocken. Wie Vereine in der Pandemie überleben, vor welchen Herausforderungen sie aktuell stehen, darüber informierten sich Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch und der Florstädter Bürgermeister Herbert Unger beim SG 1920 Stammheim.

Mit einem großen Fest sollte im vergangenen Jahr das 100-jährige Jubiläum des Sportvereins gefeiert werden. Die Pandemie hat aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. »Wir versuchen die Feier in diesem Jahr in einem kleineren Rahmen nachzuholen. Solche Veranstaltungen sind für den Verein sehr wichtig. Hierüber wird ein großer Teil der Einnahmen getätigt, die beispielsweise zur Renovierung unseres Sportheims eingesetzt werden. Außerdem können wir bei Veranstaltungen immer wieder neue Mitglieder werben«, erklärt Matthias Rychly, Erster Vorsitzende des SG Stammheim.

Kämpfen um jedes Mitglied

Den Sportvereinen sind in der Corona-Krise aber nicht nur die Einnahmen weggebrochen. »Wir mussten unsere Beiträge in diesem Jahr erhöhen. Aber zum Glück haben wir - wie vielleicht manch anderer Verein - durch die Pandemie keine Mitglieder verloren.« Und dennoch beschäftigt den Verein die Mitgliederentwicklung. »Die Krise hat die bisherigen Schwierigkeiten nur noch einmal verstärkt. Bei der Mitgliederentwicklung sehen wir, dass wir ein Loch haben im mittleren Alterssegment. Bei den Kindern stehen wir in der Altersgruppe eins bis zwölf gut da. Bei den Erwachsenen setzen wir wieder bei den 40-Jährigen an. Uns fehlen aber klar Jugendliche und junge Menschen.« Auch gäbe es immer weniger Menschen, die im Verein selbst auch Verantwortung übernehmen. »Die Strukturen in den Vereinen ändern sich massiv. Früher war die ganze Familie im Verein tätig. Die Kinder waren im Turnen oder in der Fußballmannschaft und die Eltern brachten sich auch ein. Der Verein war auch für die Dorfgemeinschaft ein fester Anlaufpunkt. Jetzt kämpfen die einzelnen Vereine um jedes Mitglied. Es ist fast zu einem ehrenamtlichen Vertriebsjob für uns geworden«, erklärt die zweite Vorsitzende Christiana Juschzak. Sozialdezernentin Becker-Bösch betonte: »Bereits vor der Krise konnte man klar einen Wandel im Vereinsleben feststellen. Wenn Kinder in Ganztagsschulen gehen, die Eltern beide Vollzeit arbeiten und häufig längere Fahrtzeiten zur Arbeit haben, bleibt nicht mehr viel Zeit für den Verein übrig.« Dabei seien Vereine gerade für Kinder und Jugendliche, insbesondere Sportvereine, von enormer Wichtigkeit für ihre Entwicklung. In Vereinen bildeten sich soziale Kontakte. Gemeinschaftssinn, Verantwortungsbewusstsein, Pflichtbewusstsein - all das seien Werte, die sich durch das Engagement im Verein herausbildeten und die für das gesellschaftliche Zusammenleben unerlässlich seien. »Vereine leisten auch einen enormen Beitrag um die Lebendigkeit in Städten, Gemeinden und Kommunen aufrechtzuerhalten. Wir haben gerade in Stammheim eine sehr aktive und breit gefächerte Vereinslandschaft. Wenn Vereine in dieser schwierigen Zeit nicht unterstützt werden, wird die Attraktivität kleinerer Städte und Gemeinden wie Florstadt massiv darunter leiden«, ergänzt Unger.

Antragstellung sehr zeitaufwendig

Zwar hätten Bund und Land Hilfsprogramme aufgesetzt. Doch die bürokratischen Hürden seien hoch. »Zum einen sind die Anträge sehr zeitaufwendig. Zum anderen erhalten die Vereine, die sich in den letzten Jahren gerade so in den schwarzen Zahlen halten konnten, nichts. An dieser Stelle werden wir als Verein, der in den letzten Jahren einigermaßen gut gewirtschaftet hat, bestraft.«

Ein Problem, das der Ersten Kreisbeigeordneten, bekannt ist: »Unsere Vereine brauchen immer noch eine unbürokratische Soforthilfe, auf die sie kurzfristig zurückgreifen können. Auch wenn wieder eine schrittweise Öffnung möglich ist, werden sich zumindest die finanziellen Schwierigkeiten nicht in Luft auflösen.«

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