Julian Eder tritt als Direktkandidat zur Bundestagswahl an. Eines seiner Themen ist Friedenspolitik. Deswegen sei er auch in die Linke eingetreten. "Deutsche Außenpolitik muss Friedenspolitik sein."
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Julian Eder tritt als Direktkandidat zur Bundestagswahl an. Eines seiner Themen ist Friedenspolitik. Deswegen sei er auch in die Linke eingetreten. »Deutsche Außenpolitik muss Friedenspolitik sein.«

WAHL AM 26. SEPTEMBER

Bundestagskandidat Julian Eder (Die Linke): »Kapitalismus funktioniert nicht«

  • Sabrina Dämon
    VonSabrina Dämon
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Es muss sich etwas verändern, sagt Julian Eder. Der 23-Jährige ist Linke-Direktkandidat für die Bundestagswahl. Die Ursache für viele Probleme, die es aktuell überall gebe, liege im Wirtschaftssystem.

Friedberg – Für Julian Eder war es selbstverständlich: Die Linke war für ihn die einzige Partei, deren Ziele und deren Programm er vertreten konnte. Der gebürtige Nieder-Wöllstädter war damals 17, politisch interessiert und an einem Punkt, an dem er sich, wie er heute erzählt, sagte: »Ich muss etwas machen.«

Damals habe er sich vor allem mit Außenpolitik beschäftigt, es war die Zeit des Ukraine-Konflikts. »Ich habe verstanden, dass man durch Krieg nichts verbessern kann«, sagt er. »Und dass nicht alles schwarz-weiß ist.« Er trat in die Linke ein - »die einzige Friedenspartei. Es gab für mich keine Alternative.« Mit dem Eintritt habe er begonnen, sich zu engagieren - Bildungsveranstaltungen, Diskussionen, Mitarbeit bei den Parteizeitungen. »Dann habe ich relativ schnell angefangen, die Links-Jugend aufzubauen.«

Heute ist Eder 23 Jahre alt, wohnt in Bad Nauheim und macht eine Ausbildung als Fachkraft Abwassertechnik in einer Kläranlage. Er sitzt im Roten Laden der Partei in der Usagasse in Friedberg. Dort, wo er bei der Sozialsprechstunde der Hartz-IV-Hilfe unterstütze. Er spricht darüber, was in seinen Augen falsch laufe, was verändert werden müsse, und vor allem, wie. Am 26. September tritt er als Direktkandidat der Linken zur Bundestagswahl an.

Bundestagswahl in der Wetterau: Reichtum ungleich verteilt

»Es ist viel Arbeit, und die Erfolgsaussichten sind gering«, sagt er. Aber darum gehe es nicht: »Ich mache das mit Leidenschaft. Und ich nutze gerne jede Gelegenheit, um für den Sozialismus zu streiten.« Das ist ein Punkt, der oft von anderen Parteien negativ kommentiert wird: »Wir sind die einzigen, die den Kapitalismus kritisieren und damit das System angreifen.« Das führe nicht überall zu Beliebtheit. Sein Beispiel: Vermögenssteuer. Er sagt, dass die 45 reichsten Haushalte im Land so viel Geld besäßen wie 40 Millionen Menschen zusammen. Daher, sagt er, stehe seine Partei für eine Vermögenssteuer - »zum Wohle der Mehrheit«.

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Die andere Seite des ungleich verteilten Reichtums sei, wie er sagt, »dass manche Menschen zwei oder drei Jobs haben müssen. Es macht sehr wütend, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Ärmeren gezielt gegeneinander ausgespielt werden.« Er spricht in diesem Kontext die Pflegebranche an: »Man wirbt Leute aus Südosteuropa ab, damit sie für weniger Geld arbeiten als Deutsche.« Löhne würden so gedrückt, rassistische Stimmungen geschürt, die Arbeiterbewegung geschwächt.

Wetterauer Bundestagswahl-Kandidat Julian Eder (Die Linke): „Die wahren Ursachen des Klimawandels werden nicht angegangen“

Ein ähnliches Problem sieht Eder beim Klimawandel. Diesen aufzuhalten sei ein Thema, das ihn persönlich und als Teilnehmer von Fridays-for-Future-Demonstrationen beschäftige. »Die wahren Ursachen des Klimawandels werden nicht angegangen. Für 70 Prozent der globalen CO2-Emissionen sind 100 Konzerne verantwortlich.« Stattdessen, kritisiert er, werde Klimaschutz individualisiert - doch statt über eine Mehrweg-to-go-Becher-Pflicht auf der Kaiserstraße zu diskutieren (wie bei Demos gefordert), sagt Eder, müsse man bei den Konzernen ansetzen. »Wir können nicht anfangen, Autos zu verbieten, wenn der ÖPNV teuer und nicht ausgebaut ist.«

Den anderen politischen Parteien, die sich für Klimaschutz einsetzten, wirft er daher vor: »Sie haben nur Antworten innerhalb der Marktlogik.« Eders Vorschlag geht weiter als individueller Klimaschutz: Er sagt, er könne sich ein Modell vorstellen, in dem Konzernspitzen ausgetauscht würden - gegen ein öffentliches Gremium, »dann werden öffentliche Interessen vertreten und keine Profitmaximierungsinteressen«.

Bundestagswahl im Wetteraukreis: Mehr Geld für Krisenbewältigung

Letztlich, sagt er, hingen viele Probleme zusammen; »unser Wirtschaftssystem ist die Ursache«. Rüstungsexporte spricht er an, dass seine Partei sich gegen eine Erhöhung des Rüstungsetats auf 70 Milliarden Euro ausspreche. Das Geld solle lieber zur Bewältigung der aktuellen Krise genutzt werden. Außenpolitik sei ein großes Thema, mit dem er sich intensiv beschäftigt habe. »Deutsche Außenpolitik muss Friedenspolitik sein.«

Eder weiß, dass die Linke für ihre Positionen oft angegriffen wird - auch weil viele den DDR-Vergleich zögen. »Aber wir haben uns viel mit der Geschichte auseinandergesetzt«, sagt er. »Viele sagen, Sozialismus funktioniert nicht. Aber wenn man sich umschaut, sieht man, Kapitalismus funktioniert nicht. Hunger, Armut und Verderben überall.«

Redaktioneller Hinweis: Dieser Text erschien erstmals am 08.09.2021.

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