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Das Jobcenter in Friedberg bleibt weiter für den Publikumsverkehr geschlossen.

Jobcenter arbeitet an Öffnungskonzept

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Wetteraukreis (hed/pm). Der Verein »Linke Hartz4-Hilfe Wetterau« hat die Geschäftsführung des Jobcenters Friedberg aufgefordert, angesichts sinkender Infektionszahlen den Eingangsbereich wieder für die Öffentlichkeit freizugeben. Leistungsbeziehern werde die Kontaktaufnahme erschwert. Im Jobcenter sieht man das anders.

Die »Linke Hartz4-Hilfe Wetterau« bietet zweimal in der Woche Sozialsprechstunden im Roten Laden in Friedberg an. Dort berichteten Betroffene immer wieder davon, dass der Kontakt mit dem Jobcenter nicht funktioniert, sagt die Vorsitzende Anja El Fechtali. »Hartz-IV-Empfänger müssen ihre Anliegen mit dem Jobcenter jetzt telefonisch oder online klären, persönliche Termine sind aus Gründen des Infektionsschutzes nicht möglich.« Leistungsempfänger ohne Zugang zu digitalen Endgeräten stelle dies aber vor »unüberwindbare Hindernisse«. Auch bei Sprachproblemen fehle die Hilfe. Zudem können Unterlagen nicht am Schalter im Eingangsbereich abgegeben werden. Also entfalle ein Eingangsstempel. »So kann nicht nachgewiesen werden, dass man die Unterlagen wirklich abgegeben hat. Gehen die Unterlagen ›verloren‹, kann es schnell zu Problemen mit der Unterstützung kommen«, berichtet El Fechtali.

Für den Vorstand sei dieser Zustand untragbar. Die Jobcenter müssten laut Sozialgesetzbuch generell dafür sorgen, dass Grundsicherungsempfänger »die ihnen zustehenden Leistungen in zeitgemäßer Weise, umfassend und zügig erhalten«. Auch eine Pandemie entbinde die Jobcenter nicht von der Pflicht, ihre Dienstgebäude für jeden zugänglich und barrierefrei zur Verfügung zu stellen. »Zumindest der Eingangsbereich muss geöffnet sein. Das ist mit einem entsprechenden Hygienekonzept auch möglich.«

Der stellvertretende Vorsitzende Karlheinz Hofmann bemängelt darüber hinaus, dass derzeit keine Formulare abgeholt werden könnten. »Der kostenfreie Kopierer kann nicht genutzt werden. Und besonders Leistungsempfänger, die die deutsche Sprache nicht vollständig beherrschen oder Menschen, die keinen Zugang zu PC, Drucker oder Guthaben für Anrufe haben, werden vollends im Regen stehen gelassen. Hier muss sich dringend etwas ändern.« Dazu komme, dass auch andere Behörden nicht erreichbar und geforderte Unterlagen schwerer zu beschaffen seien.

Zum Schutz der Mitarbeiter im Jobcenter und in Sozialbehörden schlägt die »Linke Hartz4-Hilfe« den Einsatz von entsprechenden Schutzvorrichtungen vor. Plexiglaswände zum Beispiel würden auch von anderen Behörden oder Einrichtungen genutzt.

Präsenztermine weiter möglich

Laut Sprecherin Swaantje Mika wird beim Jobcenter derzeit an einem Öffnungskonzeot gearbeitert. Wie genau dieses aussehe, könne sie noch nicht sagen. »Wir wollen das auch«, betont sie. Mika räumt ein, dass es für jene, die sich in der digitalen Welt nicht auskennen, womöglich schwieriger sein könne, merkt aber an, dass es für manche Kunden »ganz angenehm« sei, nicht extra nach Friedberg oder Büdingen fahren zu müssen. Telefonisch oder digital sei die Erreichbarkeit nun bisweilen sogar besser. Man könne mittlerweile vieles online erledigen. Und: Präsenztermine seien nach vorgheriger Absprache weiter möglich.

Wegen der Pandemie würden zudem aktuell weniger Sanktionen verhängt.

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