Was das vergangene Jahr ausgezeichnet hat: "Es musste schnell gehen", sagt der Veranstalter Harry Thyssen. Im Sommer zum Beispiel, als Kleinveranstaltungen für 100 Besucher geplant waren, kurz vorher aber eine Erhöhung auf 250 Besucher erlaubt wurde. Doch damit kann Thyssen arbeiten: "Wir in der Branche sind es gewohnt, Probleme zu lösen." FOTO: SDA
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Was das vergangene Jahr ausgezeichnet hat: "Es musste schnell gehen", sagt der Veranstalter Harry Thyssen. Im Sommer zum Beispiel, als Kleinveranstaltungen für 100 Besucher geplant waren, kurz vorher aber eine Erhöhung auf 250 Besucher erlaubt wurde. Doch damit kann Thyssen arbeiten: "Wir in der Branche sind es gewohnt, Probleme zu lösen." FOTO: SDA

Veranstalter Harry Thyssen

"Jetzt beginnt die kritische Zeit"

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Die Leute wollen raus - zu Festen, auf Konzerte, zu Kabarett-Abenden, so die Erfahrung von Veranstalter Harry Thyssen. Doch für die Branche könnte es coronabedingt schwierig werden.

Die Crew war bereit, die Hotelzimmer gebucht, die Laster gemietet. Es hätte losgehen können: Frankfurt, Berlin, Leipzig - "Symphonic Rock in Concert". 65 Musiker der Neuen Philharmonie Frankfurt sollten mit einem rockigen Orchesterprogramm auftreten, Harry Thyssen war als technischer Leiter und Betreuer der Tournee für das Drumherum verantwortlich.

Dann, kurz vor der Abfahrt: Lockdown, Kontaktbeschränkungen, Großveranstaltungen verboten. Die Pläne von Thyssen und den Musikern änderten sich; die Veranstaltung wurde in den November verschoben.

Planen, organisieren, kümmern

Als es soweit war: Gleiches Spiel wie im März. Stand jetzt, soll die Tournee im Mai nachgeholt werden. Für Thyssen bedeutet das Planungsphase Nummer drei. Planen, organisieren, sich kümmern, dass alles läuft, ist zwar sein Job, doch verdient er damit eigentlich sein Geld. Wenn Veranstaltungen aber bloß verschoben werden, macht es im Ergebnis keinen Unterschied, ob Thyssen einmal oder eben dreimal geplant hat.

Dennoch, sagt der Kulturveranstalter: "Andere leiden mehr. Für mich ist das Corona-Jahr gar nicht so schlecht gelaufen. Die Masse an kleinen Veranstaltung hat es gemacht."

Jahr normal durchgeplant

Da die erlaubte Besucherzahl im Sommer wieder erhöht wurde, konnten einige Veranstaltung entgegen der Erwartungen doch noch stattfinden - zum Beispiel die Veranstaltungsreihe "Sommer im Rathauspark" in Friedberg. Die Besucherzahlen seien gut gewesen, die Tickets problemlos verkauft worden. Obwohl alles recht spontan war.

Das war vergangenes Jahr. "Aber jetzt beginnt die kritische Zeit." Zwar sind die Terminbücher für dieses Jahr voll. Feierabend-Treff auf dem Elvis-Presley-Platz in Friedberg steht zum Beispiel darin. Das Jahr ist normal durchgeplant.

"Aber die Frage ist, ob die Veranstaltungen stattfinden können. Man kann nur hoffen." Was Thyssen glaubt: Es wird keine großen Veränderungen zum vergangene Jahr geben. "Und wie geht es dann weiter?"

Wird bei der Kultur zuerst gespart?

Zurzeit habe er noch Rücklagen, sein Azubi sei in Kurzarbeit, "aber wenn ich im April nicht wieder Rechnung schreiben kann, wird es problematisch."

Hinzu kommt die allgemeine Unsicherheit: Wie wird sich das Publikumsverhalten ändern? Und wie die wirtschaftliche Situation? Kann sich die Masse noch Konzert-Tickets leisten? 80 Prozent von Thyssens Auftraggeber seien öffentlich; Städte und Kreise. "Was, wenn sie sparen müssen und bei Kultur damit anfangen?"

Hoffnung auf kleine Veranstaltungen

Aber: "Darüber kann man sich noch so lange den Kopf zermartern, lösen kann man es doch nicht." Deswegen versucht er, das Beste aus der Situation zu machen, vor allem, flexibel zu bleiben.

Ist er berufsbedingt ohnehin. So hat er, als es coronabedingt in seiner Branche nur wenig zu tun gab, bei dem städtischen Projekt "Friedberg hilft" mitgearbeitet - ein Einkaufsservice für Risikopatienten. Was die wärmeren Monate angeht, ist Thyssen vorsichtig optimistisch - zumindest hofft er, es wird kleine Veranstaltungen im Freien geben können.

Planung muss schnell gehen

So oder so: Was das vergangene Jahr ausgezeichnet hat und was auch weiterhin so sein wird: Die Planung muss schnell gehen, weil sich die Regeln für Veranstaltungen ständig ändern. "Normalerweise habe ich ein halbes Jahr Vorlauf, vergangenes Jahr waren es vier bis sechs Wochen."

Aber das kriegt er hin: "Wir sind es in der Branche gewohnt, Probleme zu lösen." Vor allem, weil das Organisieren von Veranstaltungen nicht bloß ein Job für Thyssen ist. Es ist sein Ding, seit Jahrzehnten schon.

"Kultur ist wichtig für unsere Gesellschaft" - und deswegen will er weiterhin gute und vielfältige Veranstaltungen bieten. "Online-Angebote können niemals ein Live-Konzert ersetzen. Und Künstler müssen auf die Bühne."

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