Der Herr des Ockstädter Legolandes: Jens Müller in seinem Reich.
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Der Herr des Ockstädter Legolandes: Jens Müller in seinem Reich.

Lego-Baumeister

Jens Müller aus Ockstadt baut heimische Gebäude nach - aus Lego-Steinen

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Jens Müller aus Ockstadt hat in seinem Keller viele offene Baustellen, aber hier stehen auch wahre Meisterwerke wie die Ockstädter Kirche im Miniaturformat - erbaut aus über 7000 Lego-Steinen.

Nur gut, dass die Zeit der Partykeller vorbei ist. Feiern kann man hier nicht mehr, der gut 40 Quadratmeter große Kellerraum im Hause Müller am Ockstädter Kirschenberg ist voll mit Lego-Steinen. Hinter der Tür stapeln sich Plastikboxen, bunte Spielsteine schimmern durch. An der nächsten Wand ein Regal mit Lego-Baukästen, dann folgen wieder Plastikboxen, alle mit fünfstelligen Zahlen beschriftet. In der Mitte steht ein Schreibtisch. Wer daran sitzt, hat eine Art Schaltzentrale vor sich, blickt auf ein Halbrund an Plastikboxen, in denen weitere Lego-Steine stecken.

Auf eine Tonne schätzt Jens Müller das Gewicht seiner Lego-Steine. Beeindruckender als das »Baumaterial« sind die Modelle, die Müller daraus baut. Allen voran die Ockstädter St.-Jakobus-Kirche. Das Modell ist 72 Zentimeter hoch, 57 Zentimeter lang, 50 Zentimeter breit. Der Maßstab sei nicht wichtig, die Proportionen müssten stimmen. Müller: »Ich habe Fotos von der Kirche gemacht und dann gebaut.«

Lego-Steine gibt es in 60 Farben, die Ockstädter Pfarrkirche schimmert im Original in sattem Ocker. Müller wählte für die Fassade die Farbtöne »Tan« und »Dark Tan«, die Ähnlichkeit ist verblüffend. Man kann sich gar nicht satt sehen, entdeckt immer wieder Details wie die von innen beleuchteten Kirchenfenster oder die beiden Ehrenmale für die Gefallenen der Kriege. Selbst Hausmeister Josef Margraf hat seinen Auftritt, er schiebt eine Kehrmaschine über den Kirchenvorplatz.

Rosbacher Fitnessstudio nachgebaut

Wie viele Modelle Müller bereits gebaut hat, kann er nicht sagen. Manche baut er aus Platzgründen wieder ab, wie das Ockstädter Schwimmbad. Andere stehen in einer Vitrine, die quer in den Raum ragt. »Wir mussten umbauen«, sagt Jens Müllers Vater Horst. Er hat Verständnis für das Hobby seines Sohnes, hat früher selbst Eisenbahnen und Bierwagen-Modelle gesammelt. In der Vitrine stehen ein Piratenschiff, ein VW-Käfer, ein roter Sportwagen, ein Feuerwehrauto und mehrere Häuser im viktorianischen Stil. Das sind Bausätze von Lego, andere Häuser hat Müller selbst konstruiert.

»Wenn ich alle Steine zusammengesucht habe, regiert hier das Chaos«, sagt er und lacht. Tausende von Teilen müssen zusammengefügt werden. Am Ende entsteht eine Berglandschaft mit Wasserfall oder das Rosbacher Fitnessstudio »Peoples«, das Müller besucht. Auch hier galt: Alles wie im Original, mit Solarium, Hantelbank und dem Rolltor am Ende der Halle.

BVB-Fan baut Arena auf Schalke

Das Dortmunder Westfalenstadion hat Müller als BVB-Fan schon zweimal gebaut. Aber was liegt da auf dem Schreibtisch? Die Grundform eines Fußballstadions in Blau-Weiß! »Das wird ein Schalke-Stadion«, sagt Müller und guckt verschämt. Ein Freund hatte sich das gewünscht, Müller verlor eine Wette, und da Schalke-Fans zurzeit nicht viel Freude am Leben haben, baute er los.

Was sagen seine Freunde zu dem Hobby? Muss er Spott einstecken? »Anfangs schon. Mittlerweile schenken mir meine Freunde Lego-Bausätze zum Geburtstag.« Müller arbeitet als Koch in Frankfurt. Als er vor rund zehn Jahren erstmals den Lego-Store auf der Frankfurter Zeil betrat, war’s um ihn geschehen. »Ein VW-Bulli war mein erstes Modell.«

Zweimal jährlich fährt er zur Lego-Börse nach Oberhausen, im Lego-Land in Günzburg waren er und seine Kinder auch schon. »Wahnsinn«, schwärmt er. Aber auch das »Lego-Land-Ockstadt«, das sich Müller in seinem Keller eingerichtet hat, macht Staunen.

An der St.-Jakobus-Kirche hat Müller rund 60 Stunden gearbeitet. »Einmal waren es 14 Stunden am Stück.« Nach einem stressigen Arbeitstag sei das Bauen mit Lego-Steinen eine entspannende Sache. »Man schaltet total ab.« Vater Horst ergänzt: »Beim Bauen versinkt man ganz in sich. Man ist in seiner eigenen Welt.« Computerspiele, die so etwas am Bildschirm simulierten, könnten da nicht mithalten.

Auch die nächste Generation baut

»Man kann sich einfach nie satt sehen an den Modellen«, sagt Jens Müller. Seine Leidenschaft hat sich auf seine Kinder übertragen. Sohn Mats (8) und Tochter Emma (6) haben eigene Lego-Steine, dürfen sich aber an den Plastikboxen bedienen, wenn sie Baumaterial benötigen.

»Mein Traum ist, meine Modelle und die meiner Kinder auszustellen.« Beim nächsten Pfarrfest soll es soweit sein. Dann will Jens Müller nicht nur die St.-Jakobus-Kirche im Miniatur-Format präsentieren. Das nächste Modell hat er bereits im Sinn: die Ockstädter Hollarkapelle.

Mit Lego gegen die Lockdown-Langeweile

Das Prinzip ist einfach, aber genial: Die farbigen Klemmbausteine aus Kunststoff tragen auf der Oberseite Noppen und auf der Unterseite stabilisierende Röhren. So lassen sich die Steine, die es in verschiedenen Größen und Formen gibt, leicht zusammenstecken, und der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Psychologen haben festgestellt, dass das Bauen mit Lego-Steinen nicht nur das technische Verständnis schult, sondern auch das Einfühlungsvermögen steigert. Die Spieler erbauen sich eine eigene Welt, können ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Welcher Vater von Kleinkindern hat nicht schon mal stundenlang an einer Ritterburg gebaut und dabei die Zeit vergessen?

Lego ist ein dänisches Unternehmen, 1932 zur Herstellung von Holzspielzeug gegründet. Der Firmenname steht als Abkürzung für »leg godt« (»Spiel gut!«). Das gilt nicht nur für Kinder, sondern auch für das berühmte »Kind im Manne«. Rund 20 Prozent der Spielzeuge werden in Deutschland von Erwachsenen gekauft - für Erwachsene. Wer spielt, ist nicht kindisch, sondern kreativ. Lego ist für einige Rekorde gut, nur zwei seien erwähnt: Lego ist größter »Reifenhersteller« der Welt, produzierte 2016 über 730 Millionen Miniatur-Reifen für die Bauklötzchen-Fahrzeuge der Firma, mehr als der weltweit größte »echte« Reifenhersteller Bridgestone. Und die Lego-Figuren, die mal als Bauarbeiter, mal als Pilot, Pirat oder Ritter auftreten, bilden mit 4 Milliarden Exemplaren die größte Population der Welt.

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