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Drehort Europaplatz (v. l.): Ausländerbeauftragter Recep Kaplan, Landrat Jan Weckler, Olga Schramm und Daniel Schütz (Volkshochschule Wetterau) mit Kathrin Hysky und Michael Schlag vom Kamerateam »Makasete«.

Thema Integration

Japanisches Fernsehen interessiert sich für »Modellstadt Friedberg«

  • VonRedaktion
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Lernen bedeutet auch zu schauen, was andere machen. Wie Integration in Deutschland gelingen kann, zeigt ein Filmteam an Beispielen in Friedberg im Auftrag des japanischen Fernsehens.

Ein Filmteam drehte jüngst im Auftrag des japanischen Fernsehens unter anderem an der VHS Wetterau, bei der Stadt Friedberg und war mit dem Kreisausländerbeauftragten unterwegs. Der Beitrag geht der Frage nach, was Japan von Deutschland lernen kann. Wo hierzulande Integration von Neuzugewanderten seit Jahrzehnten Bestandteil der Gesellschaft ist, hat Japan als Inselstaat weniger Erfahrungen mit diesem Thema. Demografischer Wandel und Fachkräftemangel sorgen für ein Umdenken der traditionellen Abschottung, es wird über neue Einwanderungsgesetze gesprochen.

»Wir freuen uns, den Menschen in Japan zeigen zu dürfen, wie Integration gelingen kann«, sagte Landrat Jan Weckler. »Sprache ist der Schlüssel, doch auch darüber hinaus wird in der Wetterau viel für eine gute Integration zugewanderter Menschen getan. Gerade von unserer Volkshochschule wird einiges angeboten.« Wenn Menschen neu in ein fremdes Land kommen, ist der Spracherwerb einer der ersten und wichtigsten Schritte hin zu einer Teilhabe in der Gesellschaft. Menschen nehmen an Deutsch-Integrationskursen teil.

Besuch in Integrationskurs

Die größte Anbieterin von Integrationskursen in der Wetterau ist die Volkshochschule (VHS). Dort drehte das Filmteam in einem Deutsch-Integrationskurs. Diese Kurse dauern rund zwölf Monate, umfassen 700 Unterrichtseinheiten und schließen mit dem »Deutschtest für Zuwanderer« und dem Test »Leben in Deutschland« ab. An der VHS gibt es inzwischen auch reine Online-Integrationskurse.

Durch das Zuwanderungsgesetz von 2005 wird die Teilnahme an Integrationskursen vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gefördert, für manche Teilnehmer ist der Besuch verpflichtend. Da es in Japan kein vergleichbares Gesetz gibt, war dies für den Beitrag ebenfalls ein wichtiger Baustein. Während des Drehs konnten einzelne Teilnehmer des Integrationskurses über ihre Erfahrungen zum Thema Deutschlernen und die Bedeutung der Kurse für ihr Ankommen in der Wetterau berichten.

Dreharbeiten auf dem Friedhof

Der nächste Dreh führte das Kamerateam zur Stadt Friedberg und zu Bürgermeister Dirk Antkowiak. Für die Stadt sei die Einbindung von Neubürgern seit Jahren wichtig, betonte Antkowiak: »Nicht erst seit der Flüchtlingskrise wissen wir um die Bedeutung der Integration Neuzugewanderter. Für uns in Friedberg ist es wichtig, dass die Bürger der Stadt friedlich miteinander leben können.« Daher habe die Stadt dem Antrag des Ausländerbeirats auf einen muslimischen Friedhof zugestimmt und diesen eingerichtet.

Recep Kaplan, Ausländerbeauftragter der Stadt Friedberg und des Wetteraukreises, sieht darin einen wichtigen Beitrag für die Integration, denn: »Dank des Friedhofs können die muslimischen Mitbürger, die in der Stadt leben, hier auch ihre letzte Ruhe finden.« In Japan findet aktuell eine Debatte zum Thema Bestattung von Muslimen nach muslimischem Ritual statt. Dem Filmteam war es wichtig, mit dem muslimischen Friedhof in Friedberg ein positives Beispiel für ein derartiges Projekt zu zeigen.

Journalisten aus Butzbacher Büro

Das Filmteam begleitete Kaplan auf den Friedhof und in die Moschee. Dort filmten sie unter anderem ein Gebet. Kaplan freut sich, dass Muslime ihre Religion in Friedberg friedlich ausleben können. Er berichtet in dem Film von seiner Funktion als Kreisausländerbeauftragter und der Arbeit als Schnittstelle von persönlichen Belangen Einzelner und der lokalen gesellschaftlichen Öffentlichkeit.

Nicht nur deshalb gilt Friedberg für die Journalisten des japanischen Fernsehens von besonderem Interesse, berichtet Kathrin Hysky. Die Japanologin und ihr Mann führen ein Journalistenbüro in Butzbach und drehen häufig im Auftrag des japanischen Fernsehens. Für sie bot es sich an, in Friedberg zu drehen. »Friedberg hat alles, was man für gelungene Integration braucht - für die Japaner ist Friedberg eine Modellstadt«, sagt Hysky.

Der Beitrag des Filmteams »Makasete« wird beim Sender Japan Broadcasting Corporation (NHK) ausgestrahlt und auch online verfügbar sein.

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