Jannis Beck wurde nach einem Vorfall auf der Skateranlage in Friedberg zum Lebensretter.
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Jannis Beck wurde nach einem Vorfall auf der Skateranlage in Friedberg zum Lebensretter.

Besondere Auszeichnung

Friedberg: 12-Jähriger wird zum Lebensretter - Jannis Beck reagiert genau richtig

  • VonHarald Schuchardt
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Jannis Beck aus Friedberg ist ein Lebensretter. Nachdem sein Freund auf der Skateranlage neben dem Junity schlimm gestürzt war, machte der damals Zwölfjährige alles richtig.

Den 19. November 2019 wird Jannis Beck sein ganzes Leben lang sicher nicht vergessen. Es war ein feuchter, trüber Novembertag. Als es am Nachmittag aufhörte zu regnen, beschlossen der damals zwölfjährige Friedberger und sein gleichaltriger Freund Tim, die sich schon seit ihrer Kindergartenzeit kennen, mit ihren Rollern vom Barbaraviertel aus auf die Skateranlage neben dem Junity zu fahren.

»Der Boden war noch nass, als wir begannen, über die beiden Rampen zu fahren oder auf den Block in der Platzmitte zu springen«, erinnert sich Jannis ebenso genau, wie an das, was dann geschah: »Tim ist mit einem Rad des Rollers hängen geblieben und weggerutscht. Er fiel erst auf die Schuler und dann auf den Kopf.«

Lebensretter: So viel Adrenalin im Kopf

Sofort rannte Jannis zu seinem Freund, der nicht mehr ansprechbar war und dazu »komische Geräusche« von sich gab. »Es sah aus wie ein Krampf oder ein Anfall«, beschreibt Jannis die Situation heute. Er öffnete die Jacke seines Freundes, legte die Hand auf das Herz und konnte einen Pulsschlag spüren. Jannis: »Dass das Herz nicht schlagen könnte, war zunächst meine größte Sorge.« Anschließend wollte der Junge den Notruf absetzen, doch »ich hatte so viel Adrenalin im Kopf, dass ich vergessen hatte, dass Tim sein Handy dabei hatte«, erzählt Jannis, der zum nahen Sportplatz rannte, wo einige Jungs Fußball spielten, darunter auch ein Klassenkamerad von Jannis.

Der hatte auch kein Telefon dabei, jedoch ein anderer Junge, auf dessen Smartphone der Jannis die 112 wählte, um einen Notruf abzusetzen. »Die Nummer kennt man doch, das weiß man halt«, sagt der Gymnasiast, der die siebte Klasse der Augustinerschule besucht.

Am anderen Ende der Leitung war Nils Kopmann, Mitarbeiter der Rettungsleitstelle Wetterau. Er hörte sich Jannis’ Beschreibung vom Zustand seines Freundes an und gab genaue Anweisungen, die Jannis alle befolgte. Schnell rannte er mit den beiden anderen Jungs zurück zur Skateranlage. Dort legte er seinen Freund in die stabile Seitenlage, wobei er den Kopf so positionierte, dass sein Freund, sollte er sich übergeben, nicht am Erbrochenen ersticken konnte. Die beiden Jungs schickte er an die Straße, um den Rettungswagen einzuweisen. Als dieser eingetroffen war, verständigte Jannis Tims Eltern.

Lebensretter: Anweisungen übers Telefon

Der Vater war schnell vor Ort und fuhr im Rettungswagen mit ins Krankenhaus. »Die ganze Zeit über war Tim nicht ansprechbar«, erinnert sich Jannis. Die Verletzung stellte sich als schwere Gehirnerschütterung heraus. Eine Woche lag Tim im Krankenhaus. Längst ist er wieder topfit, Folgeschäden gibt es keine. Die beiden Freunde spielen wieder beim SV Germania Ockstadt gemeinsam Fußball.

Anfang August erhielten Jannis und seine Familie einen Anruf aus dem Friedberger Rathaus - und sie erfuhren von einer geplanten Ehrung, mit der der Einsatz des Jungen gewürdigt werden sollte. Zu verdanken war dies Nils Kopmann, der von Jannis’ Geistesgegenwärtigkeit und schneller Hilfe so angetan war, dass er bei der Hessischen Staatskanzlei eine Ehrung anregte. So kam es, dass Ministerpräsident Volker Bouffier die Belobigung aussprach und die Urkunde unterschrieb.

Der Friedberger Bürgermeister Dirk Antkowiak und Kopmann überreichten kürzlich vor dem Kreishaus die Auszeichnung an den mittlerweile 13-jährigen Jannis. Von der Stadt gab es als kleines Dankeschön ein T-Shirt dazu.

Lebensretter: Eine besondere Einladung

Kopmann lud Jannis und seine Familie zu einem Besuch in der Rettungsleitstelle ein, um die Abläufe beim Eingang eines Notrufs einmal live miterleben zu können. »Das werden wir sicher machen, sobald es Corona zulässt«, sagt Vater Harald Beck, der zusammen mit Mutter Annette sehr stolz auf seinen Sohn ist. »Jannis schaut schon immer nach Anderen. Doch dass er das als Zwölfjähriger so cool hinbekommen hat, das hat uns beide schon überrascht.«

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