Der Vorsitzende des Geschichtsvereins Lothar Kreuzer (l.) und Museumsleiter Johannes Kögler tauchen tief in die örtliche Historie ein. FOTO: PV
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Der Vorsitzende des Geschichtsvereins Lothar Kreuzer (l.) und Museumsleiter Johannes Kögler tauchen tief in die örtliche Historie ein. FOTO: PV

100 Jahre Wetterau-Museum am heutigen Standort

  • vonred Redaktion
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Friedberg(pm). Noch vor Beginn des neuerlichen "Teil-Lockdowns" konnte der Friedberger Geschichtsverein wieder zu einem Vortrag einladen. Dem 16. Mai 1920, dem 100. Jahrestag der Eröffnung des Wetterau-Museums am heutigen Standtort, widmeten der Vereinsvorsitzende Lothar Kreuzer und Museumsleiter Johannes Kögler einen Doppelvortrag, der nach pandemiebedingter Verschiebung im Frühjahr nun nachgeholt werden konnte.

Enger Bund mit Augustinerschule

Erstmals seit sieben Jahren war der Verein in der Aula der Augustinerschule zu Gast. Dort gab es nicht nur ausreichend Platz, um die gebotenen Abstandsregeln einzuhalten, auch historisch erwies sich der Ort als durchaus passend, wie Lothar Kreuzer im ersten Teil des Vortrags zu berichten wusste.

So ist die Entstehung des Wetterau-Museums eng mit der Geschichte des heutigen Gymnasiums verbunden. Theodor Goldmann, der Ende des 19. Jh. als Direktor der Schule wirkte, gilt nicht nur als Initiator des Museums, sondern auch als Gründervater des Geschichtsvereins.

Kreuzer betonte, dass auch die weitere Entwicklung von Verein und Museum eng mit dem Engagement verschiedener Lehrkräfte der Augustinerschule verknüpft war. Motive für dieses Engagement gab es genug: Wertvolle Zeugnisse der Stadtgeschichte hatten im 19. Jahrhundert Friedberg verlassen. Auch um diesem "Aderlass an Kulturgütern" entgegenzuwirken, machte sich der neu gegründete Verein früh für die Einrichtung eines eigenen Museums stark.

Hinzu kamen zahlreiche Funde, die man bei Ausgrabungen am römischen Kastell Kapersburg geborgen hatte, für die es aber zunächst keinen festen Ausstellungsort gab. So fanden die antiken Geschichtszeugnisse zwischenzeitlich wiederum in der Augustinerschule eine "Notunterkunft", wurden als Anschauungsmaterial im Unterricht genutzt, später in erste Ausstellungsräume in der Usagasse 38 verlegt und erhielten 1920 endlich einen eigenen Museumsbau, in dem das Museum bis heute beheimatet ist.

Der 100-jährigen Geschichte des Wetterau-Museums in der heutigen Haagstraße widmete schließlich Museumsleiter Kögler den zweiten Vortrag des Abends. Das Gebäude konnte wegen des Ersten Weltkriegs erst mit Verzögerung eingeweiht werden, zeigte sich dann aber als echter Multifunktionsbau. Auch das Stadtarchiv und die Feuerwehr fanden dort ihre Heimat.

Das finanzielle Engagement der Bürgerschaft ließen Ausstattung und Bestände rasch wachsen, doch blieb die Geschichte wechselvoll. Kögler berichtete von der Zweckentfremdung des Gebäudes in der NS-Zeit, der zunehmenden Bedeutung des Themas Grafik und Kunst nach Kriegsende, aber auch von Raumnot als steter Begleiterin. So habe es schon in den 1950er Jahren die Idee gegeben, das Museum in das frei gewordene Burggrafiat umziehen zu lassen, was aber an einer Einigung zwischen der Stadt und dem Land Hessen als Gebäudeeigentümer gescheitert sei.

Mehr Gestaltungsspielraum entstand erst im Kontext des Hessentags 1979. Kögler würdigte die Arbeit des damaligen Museumsleiters und späteren Bürgermeisters Michael Keller, der sich um die Neuordnung der Bestände und das Museum als Veranstaltungsort verdient gemacht hatte und dessen überregional beachtete Landmaschinenausstellung auch die Sozialgeschichte der Wetterau ins Bewusstsein der Museumsgäste rückte.

Zum Abschluss berichtete Kögler aus seiner eigenen Amtszeit als Museumsleiter und richtete den Blick nach vorne. Neben den zahlreichen Sonderausstellungen zählten insbesondere die Ferienworkshops für Kinder oder das Open-Air-Kino im Museumhof zu den jüngsten Projekten, die durch die Pandemie erst einmal ein jähes Ende fanden. Wie den gesamten Kulturbereich stelle Corona auch die Museen vor eine ungewisse Zukunft, sagte Kögler abschließend.

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