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Irgendwann endet jedes Leben

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Von: Harald Schuchardt

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Was ist zu tun, wenn ein Verwandter stirbt? Bernhard Laux, 2. Vorsitzender der Hospizhilfe Wetterau, referiert über das Abschiednehmen vom Leben.	(Foto: lod)
Was ist zu tun, wenn ein Verwandter stirbt? Bernhard Laux, 2. Vorsitzender der Hospizhilfe Wetterau, referiert über das Abschiednehmen vom Leben. (Foto: lod) © oni Schuchardt lod

Die Hospizhilfe Wetterau hat erstmals den Kurs »Letzte Hilfe« angeboten. 12 Teilnehmer erfuhren, wie sie Nöte von alten und kranken Menschen lindern und Berührung spenden können.

Brigitte Maul pflegt seit fünf Jahren ihre 92 Jahre alte Mutter zu Hause. »Irgendwann kommt das Thema Sterben auf mich zu«, sagt die Friedbergerin. Sie war eine von zwölf Teilnehmern des vierstündigen Kurses »Letzte Hilfe – Umsorgen von schwer erkrankten und sterbenden Menschen am Lebensende«, den die Hospizhilfe Wetterau am Samstag zum ersten Mal anbot.

Zu dem Kurs waren auch vier jüngere Frauen gekommen, die alle bei der FAB die Qualifizierung zur Betreuerin absolviert haben. Darunter war Regina Schwab aus Geiß-Nidda. »Früher war sterben offener. Da wurden die Toten noch im Schlafzimmer aufgebahrt, das hat sich geändert«, meinte Schwab, die in einem Gederner Altersheim arbeitet. Von dem Kurs versprach sie sich weitere Impulse für ihre Tätigkeit. »Das Thema hat mich schon lange interessiert und beschäftigt«, begründete die Steinfurtherin Sabine Ruf, und ihr Ehemann Werner, der einzige männliche Teilnehmer, ergänzte: »Die Älteren werden älter, und irgendwann wird es auch einen selbst treffen.« »Wir hoffen, dass dieser Kurs für sie zu einer erkenntnisreichen Veranstaltung wird«, sagte Bernhard Laux, 2. Vorsitzender des Hospizvereins, in seiner Begrüßung. Koordinatorin Sabine Becker übernahm die ersten beiden Bereiche des vierteiligen Kurses, der von dem Palliativmediziner Dr. Georg Bollig aus Schleswig entwickelt wurde.

»Der Titel des Kurses kann falsch verstanden werden. Es gibt einen Sterbehilfeverein gleichen Namens. Das ist das Gegenteil dessen, was wir wollen. Wir wollen den Begriff ›Letzte Hilfe‹ neu besetzen«, sagte Becker. Erste und letzte Hilfe gehörten zusammen, denn »schon mit dem ersten Atemzug ist es sicher, dass das Leben irgendwann endet«. So beschäftigte sich der erste Kursteil denn auch mit dem Thema »Sterben ist ein Teil des Lebens«.

Immer wieder kamen Teilnehmerinnen zu Wort. So erzählte eine Frau, wie sie den Krebstod ihres Bruders auf einer Palliativstation erlebt und empfunden hat. Becker erläuterte in diesem Zusammenhang den Unterschied zwischen einer Palliativstation und einem Hospiz: »Palliativ ist die medizinische Abteilung, ein Stationsaufenthalt ist auf drei Wochen begrenzt. Das Hospiz steht für einen interdisziplinären, zeitlich unbegrenzten und ganzheitlichen Ansatz. Hospizarbeit kommt aus dem Ehrenamt.« Nur kurz angerissen wurde der zweite Bereich »Vorsorgen und Entscheiden«, waren doch alle Anwesenden mit Themen wie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung bestens vertraut. Zum Bereich »Nöte lindern« war Palliativkrankenschwester Gerlinde Schneider gekommen.

Sie erzählte von ihrer Arbeit, bei der die medikamentenlose Symptomlinderung im Mittelpunkt steht: »Manche Verwandte machen impulsiv das Richtige beim Umgang mit Sterbenden.« Schneider riet allen Anwesenden, auf die Bedürfnisse der Kranken und Sterbenden einzugehen – mit Berührungen und Bewegung, beruhigender Musik, Aromatherapie oder Akupressur. Sie betonte dabei: »Kein Sterbender will seine Angehörigen belasten.« Den letzten Kursteil »Abschied nehmen vom Leben« übernahm Bernhard Laux, der als Bestatter umfassend über die Aufgaben der Verwandten nach dem Tod eines Angehörigen informierte. Dabei steht »der Wunsch des Verstorbenen und der Verwandten über allem«. Am Ende waren sich alle einig, dass der Kurs öfters angeboten werden sollte. »Wir denken daran, ihn auch in Schulen durchzuführen«, sagte Becker.

Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.hospizhilfe-wetterau.de sowie auf www.letztehilfe.info.

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