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Gerlinde Jallow hat 21 Jahre im Evangelischen Dekanat Wetterau gearbeitet, nun geht sie in den Ruhestand.

Interkultureller Garten als Herzensprojekt

Wetteraukreis (alh). Gerlinde Jallow ist eine Netzwerkerin. Das hat die Gemeindepädagogin mehr als nur einmal in ihren 21 Jahren im Evangelischen Dekanat Wetterau bewiesen. Jetzt verabschiedet sie sich in den Ruhestand.

Gerlinde Jallow hat immer schon vernetzt - zwischen Generationen, zwischen Religionen und Nationen. Zuerst viele Jahre in der Kinder- und Jugendarbeit in Niddatal, später im Interkulturellen Garten in Friedberg. Ihren Dienst begann die Gemeindepädagogin am 1. April 2000, als es das Dekanat so noch gar nicht gab, sondern es noch in die Standorte Butzbach, Friedberg und Bad Vilbel aufgeteilt war. Ende März verlässt die Gemeindepädagogin das Dekanat in den Ruhestand.

Ein Stückchen Erde an der frischen Luft

Angefangen hat Jallows Dienst in der Offenen Jugendarbeit in Niddatal und an der dortigen Geschwister-Scholl-Schule. Bis Ende 2014 lag der Fokus hier auf der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Neben Konfirmations- und Religionsunterricht war ihr die Mädchenarbeit besonders wichtig. Gemeinsam wurde gekocht, gebastelt und gemalt. Es gab Ausflüge in Freizeitparks, zu Jugendkirchentagen, Fahrradtouren oder auch Disko-Abende.

2015 begann ein neuer Abschnitt ihres Dienstes: Sie kümmerte sich um die Geflüchteten in der Wetterau. Dabei entstand gemeinsam mit Wolfgang Dittrich, Referent für Gesellschaftliche Verantwortung im Dekanat, die Idee zum Interkulturellen Garten Friedberg, den es seit März 2016 gibt. »Der Garten soll vor allem Einheimische und Menschen mit Migrationshintergrund in und um die Friedberger Altstadt ansprechen«, sagt Gerlinde Jallow, für die der Garten an der Usa zu einem echten Herzensprojekt geworden ist. Die Anschubfinanzierung für die ersten drei Jahre kam von der »DRIN«-Projektförderung der EKHN, die Geld zur Entstehung oder Weiterentwicklung von Gemeinwesen-Projekten zur Verfügung stellt.

»In unseren Garten kommen ganz unterschiedliche Menschen, zum Teil haben sie schwierige Lebensgeschichten«, erzählt Jallow. »Sie haben oft nur kleine und dunkle Wohnungen. Bei uns haben sie die Möglichkeit, ein kleines Stück Erde an der frischen Luft gemeinsam mit anderen zu bebauen.« Bei der Arbeit im Garten wurde immer wieder Jallows Begabung sichtbar, sich Menschen zuzuwenden, ihnen zuzuhören und zu helfen. »Ich hatte so viele tolle Begegnungen dort, das werde ich nie vergessen.«

Unvergessen bleiben auch der Besuch von Gästen aus der Partnerdiözese in Indien, ebenso Poetry-Slams und Konzerte auf der kleinen Bühne, die es in dem Interkulturellen Garten gibt.

»Jedes Jahr feiern wir ein interreligiöses Erntedankfest mit Segensworten in arabischer, deutscher und türkischer Sprache«, erzählt Jallow. 2019 ist zusätzlich der Friedberger »Begegnungsgarten e.V.« neben der Kinderfarm Jimbala entstanden. Beide Projekte übergibt sie nun an ihre Nachfolgerin. Doch die Corona-Pandemie schränkt derzeit viele Aktivitäten ein.

Gern wieder nach Afrika reisen

So ist Gerlinde Jallow quasi »in die Rente reingerutscht«, wie sie selbst sagt. Was die Zukunft bringt, weiß sie noch nicht genau. Sie sagt: »Die Pandemie hat uns gelehrt, besser keine langfristigen Pläne zu machen.« Das sei zwar traurig, aber: »Ich war schon immer spontan und gut im Improvisieren.« Gerlinde Jallow hat Familie in Afrika, dort würde sie gern mal wieder hinreisen. »Aber ich lasse jetzt alles auf mich zukommen. Am meisten freue ich mich, dass ich gesund in den Ruhestand starten kann.«

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