Insolvenzverwalter Bernd Reuss insolvent

Friedberg (chh). Eigentlich ist es Bernd Reuss’ Aufgabe, die Insolvenz von anderen Unternehmen zu verwalten. Seit dem 27. Dezember steckt der Friedberger Anwalt jedoch selbst in einem Insolvenzverfahren.

Friedberg (chh). Eigentlich ist es Bernd Reuss’ Aufgabe, die Insolvenz von anderen Unternehmen zu verwalten. Seit dem 27. Dezember steckt der Friedberger Anwalt jedoch selbst in einem Insolvenzverfahren. Neben der Privatinsolvenz hat der Fachanwalt für Insolvenzrecht und Insolvenzverwalter auch für sieben weitere Firmen Konkurs angemeldet, an denen er beteiligt ist. Betroffen sind die BRF Factoring GmbH, die BRI Bernd Reuss Investitionen GmbH, die InsO Guide GmbH, die Reuss Gesellschaft für Insolvenzverwaltungen, die Reuss Rechtsanwälte Rechtsanwaltsgesellschaft, die RP Vermögensverwaltungsgesellschaft und die Turnaround Capital Beteiligungs-Beratungsgesellschaft.

Laut Julia Kappel-Gnirs, Rechtsanwältin in der zuständigen Kanzlei des vorläufigen Insolvenzverwalters Ottmar Hermann (Frankfurt), sind 50 Mitarbeiter betroffen. Die Finanzierung der Lohnrückstände für den Monat Dezember seien gesichert. Wie es danach weitergehe, werde derzeit geprüft.

Über die Grenzen der Wetterau hinaus ist Bernd Reuss vor allem durch das Insolvenzverfahren des Telefonanbieters Teldafax im Jahr 2001 bekannt geworden. In einem Anfechtungsprozess gegen die Deutsche Telekom gewann er laut Insolvenzverwalter-Magazin Indat-Report 22,3 Millionen Euro für Teldafax. Im gleichen Fall machte er negative Schlagzeilen, da nach Informationen des Nachrichtenmagazins Spiegel zahlreiche Aktionäre von Teldafax über die hohen Honorarforderungen des Insolventverwalters verärgert waren. Wie das Nachrichtenmagazin berichtete, beliefen sich die Forderungen des Anwalts auf rund 5 Millionen Euro. Reuss hingegen bezeichnete die Aufstellung laut Spiegel als angemessen.

Das Insolvenzverfahren gegen die Firmengruppe Assekuranzkontor Just (AKJ) leitete Reuss ebenfalls. Der damalige Alleinvorstand der Butzbacher Firmengruppe, Wilhelm Just, wurde im Jahr 2004 wegen Betrugs, Untreue, Bankrott, Konkursverschleppung und Bilanzfälschung in insgesamt 20 Fällen zu sechs Jahren Haft verurteilt. Reuss sagte damals, dass mehr als 20 000 Anleger von dem Unternehmen um mehrere Millionen Euro geprellt worden waren. Da Just wegen der Vergehen schon in Brasilien im Gefängnis gesessen hatte - dorthin hatte er sich abgesetzt -, wurde die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt.

Auch in diesem Fall wurden Stimmen laut, die Reuss nicht im besten Licht erscheinen ließen. Wulf Weißmann von der Unternehmensberatung Viking Consult, der drei AKJ-Gläubiger vertrat, warf Reuss eine "dubiose Veräußerungstaktik" vor. So seien zwischen 2002 und 2004 Kaufverträge für Grundstücke in Brasilien unterzeichnet worden, ohne die Kreditwürdigkeit der Interessenten zu prüfen. Zudem habe ein Angebot in Höhe von 8,5 Millionen Euro vorgelegen. Verkauft worden sei das Grundstück jedoch für gut 3 Millionen Euro. "Bis heute gibt es keinen Nachweis, welche Kaufpreisraten wann und auf welchem Konkurshinterlegungskonto eingegangen sind", sagte Weißmann damals. Der Friedberger Amtsgerichtsdirektor Oskar Tritt bezeichnete die Vorwürfe hingegen als "unsachlich".

Zu den Gründen für das Insolvenzverfahren gegen die sieben Firmen und die Privatperson Reuss wollte Rechtsanwältin Kappel-Gnirs keine Angaben machen. "Wir müssen erstmal schauen, wie sich das Ganze entwickelt. Zur gegebenen Zeit werden wir die Öffentlichkeit informieren.

" Sie versicherte, Reuss wirke "auf freiwilliger Basis umfassend mit". Gemeinsam mit dem Friedberger Anwalt habe man zudem die Gelder der Unternehmen, die Reuss derzeit als Insolvenzverwalter betreut, gesichert.

Bernd Reuss war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Reuss hat Selbstanzeige wegen Untreue erstattet

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