Büdingen ist sehenswert, seit Kurzem sogar Mitglied der Europäischen Kulturroute Festungsmonumente. Viele "Westkreisler" sind aber nur selten hier, was auch an den schlechten Straßen und dem ausbaufähigen ÖPNV liegt. Die beiden Altkreise sollten besser verbunden werden, lautet eine Forderung in der Debatte um das Impfzentrum in Büdingen. FOTO: V. HOLLAND
+
Büdingen ist sehenswert, seit Kurzem sogar Mitglied der Europäischen Kulturroute Festungsmonumente. Viele "Westkreisler" sind aber nur selten hier, was auch an den schlechten Straßen und dem ausbaufähigen ÖPNV liegt. Die beiden Altkreise sollten besser verbunden werden, lautet eine Forderung in der Debatte um das Impfzentrum in Büdingen. FOTO: V. HOLLAND

Lange Wege

Impfzentrum-Debatte: Bürgermeister rügen "vernachlässigte Infrastruktur" im Wetterauer Osten

  • Dagmar Bertram
    vonDagmar Bertram
    schließen

Das Corona-Impfzentrum im Wetteraukreis kommt nach Büdingen - das sorgt vor allem im Westen der Wetterau für Unmut. Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister des ehemaligen Altkreises Büdingen sehen die Kritik am Standort hingegen als Chance.

Endlich werde offenkundig, wie sehr der Ausbau der Infrastruktur gerade im Ostkreis in den vergangenen Jahrzehnten vernachlässigt worden sei.

Büdingens Bürgermeister Erich Spamer hat die Stellungnahme der Kollegen verschickt. Er hält die Entscheidung des Wetteraukreises, das Impfzentrum in der ehemaligen Kreisstadt einzurichten, für richtig. Entscheidend sei, dass die Immobilie alle Voraussetzungen biete, zügig Massenimpfungen durchzuführen. "Und diese Voraussetzungen sind in dem und um das Gebäude des ehemaligen Obi-Marktes gegeben", sagt Spamer.

Das Gebäude biete von seiner Größe und Aufteilung her die besten Voraussetzungen, die große, täglich zur Impfung anstehende Anzahl an Bürgern des Wetteraukreises zu impfen. Gleichzeitig sei neben der sofortigen Verfügbarkeit der Halle die Infrastruktur entscheidend, da das Gebäude, am Ortsrand von Büdingen gelegen, über die genügende Anzahl an Parkplätzen für Pkw und Busse verfüge.

Zutreffend sei allerdings, dass der Altkreis Büdingen nur etwa ein Drittel und der Westkreis zwei Drittel der Bürger des Wetteraukreises beheimatet, sodass mehr Mitbürger des Westkreises sich auf den Weg nach Büdingen machen müssten. Dies sei, so die Ranstädter Bürgermeisterin Cäcilia Reichert-Dietzel, an sich kein Problem, sei doch die Gesellschaft heute so mobil wie nie zuvor.

Die Kritik am Standort mache jedoch einen Punkt mehr als deutlich, den die Politik in den vergangenen Jahrzehnten nachhaltig vernachlässigt habe: den Ausbau der Infrastruktur gerade im Ostkreis. In der Tat müssten die Mitbürger des Westkreises lange Fahrzeiten in Kauf nehmen, um nach Büdingen zu kommen. Dies gelte aber umgekehrt genauso: Auch die Bürger des Altkreises Büdingen müssten sich für eine Fahrt nach Friedberg oder Bad Vilbel in Geduld üben - "und dies seit der Gebietsreform", betont Reichert-Dietzel.

Kreispolitik gefragt

"Schlecht ausgebaute Straßen und viele Ortsdurchfahrten sind zu passieren, um das gewünschte Ziel hüben wie drüben zu erreichen", sagt die Ranstädter Bürgermeisterin Der ÖPNV zwischen den beiden Altkreisen Friedberg und Büdingen sei ebenso wenig ausgebaut. Auch hier sei die Politik fast 50 Jahre nach dem Zusammenschluss beider Kreise noch gefordert.

Vielleicht sei dies ein positiver Aspekt des Standorts des Impfzentrums, sagt Reichert-Dietzel. Das Zentrum trage dazu bei, allen die Augen zu öffnen, dass auf dem Weg zum Zusammenwachsen beider Altkreise noch intensive und möglichst zeitnahe Arbeit vor den Kreispolitikern liege.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare