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"Immer noch nicht gleich"

  • vonHarald Schuchardt
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Friedberg(har). "Identities" lautet der Titel der aktuellen Ausstellung des Kunstvereins Friedberg. Es ist das englische Wort für Identität, und es ist eine in mehrfacher Hinsicht bemerkenswerte Ausstellung, die von Kuratorin Wiebke Cherubim-Wirth zusammengestellt worden war. Gezeigt werden Werke von international anerkannten Künstlern, die sich auf ganz unterschiedliche Art mit der Identitätsfrage auseinandersetzen.

"Wie weit ist Akzeptanz und Realität auseinander, wenn noch heute Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Sexualität oder Religion ausgegrenzt werden?", fragte Kunstvereinsvorsitzender Joachim Albert in seiner Begrüßung der 40 Gäste der ersten von drei Vernissagen im Museumshof am Freitagabend.

International bekannte Künstler

Die Vernissage einschließlich eines Live-Streams im Internet waren ebenso den Corona-Bedingungen geschuldet wie die Zahl von 20 Besuchern, die gleichzeitig Einlass in die Ausstellung finden.

Ein besonderer Gruß des Vorsitzenden ging an die Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch, als Schirmherrin der Ausstellung. Gekommen waren ferner von der Stadt Friedberg Amtsleiterin Christine Böhmerl und Cornelia Wenk vom Programm "Demokratie leben!" des Wetteraukreises, gefördert vom Bundesfamilienministerium. Ohne der "großzügigen Förderung" (Albert) von "Demokratie leben" sowie der Unterstützung zahlreicher Sponsoren, wie der Berliner Agentur Camerawork, wäre die Ausstellung nicht möglich gewesen, sagte Albert.

"Es ist sehr bewundernswert, was sie hier auf die Beine gestellt haben", stellte Becker-Bösch in ihrem Grußwort fest. Von einer wirklichen Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit von Mann und Frau sowie Diversen sei man noch weit entfernt, so die Erste Kreisbeigeordnete. "Wir müssen mehr tun, um sagen zu können, dass wir eine Gesellschaft sind", sagte die Schirmherrin der außergewöhnlichen Ausstellung, in die Kuratorin Wiebke Cherubim-Wirth einführte. Zunächst verlas die Kuratorin die Geschichte "Kann Schneeräumen sexistisch sein?" über die Schneeräumverordnung der schwedischen Stadt Karlskrona, die unbewusst Männer bevorzugte. Cherubim-Wirth nannte eine Reihe von Beispielen, die der These widersprechen, dass die Gleichberechtigung längst erreicht sei.

"Uns ist eine Ausstellung gelungen, die nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern die sich auf hohem Niveau präsentiert", meinte die Kuratorin, die kurz auf die Arbeiten der Künstler einging. Mit zwei Installationen beteiligt sich der Berliner Künstler MK Kähne an der Präsentation. Erstmals zeigt er eine Großinstallation, in der sich eine nackte Frau auf einem Bett mit einem Spiegel selbst betrachtet. Der Schweizer Documenta-Teilnehmer Luciano Castelli beschäftigt sich weniger mit der "expressiven Verheiratung eines männlich realisierenden und eines weiblichen, durch Verfügbarkeit gekennzeichneten Pols", so auch in seinen drei Fotografien "Spiegelsaal".

Nur mit Handschuhen

Der seit zehn Jahren in Friedberg lebende Amerikaner Robert Rodger, hat für diese Ausstellung das Objekt "Boys will be Boys" geschaffen. "Damit setze ich mich spielerisch mit einschränkenden Klischees auseinander", erklärte der Künstler, dessen Objekt - mit Einweghandschuhen - von den Besuchern durch Drehen der einzelnen beschrifteten Blöcke verändert werden kann.

Rodger war ebenso zur Eröffnung gekommen, wie der Berliner Micha Kähne, der Arbeiten aus seiner Serie "Mutter" zeigt. Die Französin Bettina Rheims hat mehrere Arbeiten über Transmenschen geschaffen, während Pop-Art-Ikone Andy Warhol mit zwei Werken vertreten ist, darunter dem handsignierten Siebdruck "Ladies and Gentleman.

Coverschnitte des Ludwigsburgers Jörg Mandernach, die Serie "Hypertrait" des Italieners Umberto Ciceri, Fotografien der Österreicherin Elfie Semotan und "Wonder Woman" aus dem "Chiquita Portfolio" des amerikanischen Pop-Art-Künstlers Mel Ramos ergänzen die Ausstellung, die klar stellt, das alle Identitäten weltweit das Recht auf Gleichberechtigung und Gleichbehandlung haben.

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