Anne Mühlemeier fährt meist mit dem Rad zu ihren Bienenständen. Das Imkerei-Hobby ist mit viel Bewegung verbunden, die ihr guttut.
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Anne Mühlemeier fährt meist mit dem Rad zu ihren Bienenständen. Das Imkerei-Hobby ist mit viel Bewegung verbunden, die ihr guttut.

Immer mehr Imkerinnen

Immer mehr Imkerinnen in der Wetterau: Einfach ins kalte Wasser gesprungen

  • vonHarald Schuchardt
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Bienenzüchter werden allgemein als Imker bezeichnet. Von Imkerinnen ist so gut wie nie die Rede. Doch die Zahl der Frauen, die sich mit der Imkerei beschäftigen, steigt stetig - auch in Friedberg.

Allein in Hessen hat sich dem Umweltministerium zufolge die Zahl der Imkerinnen von 6500 im Jahre 2009 auf aktuell 11 000 erhöht.

Auch im Imkerverein Friedberg und Umgebung nimmt die Zahl der in der Bienenzucht engagierten Frauen weiter zu. Zu den aktiven Mitgliedern zählen auch Anne Mühlemeier aus Rockenberg und die Friedbergerin Simone Parbel, die inzwischen als Imkerberaterin tätig ist.

Die Idee, sich mit der Imkerei zu beschäftigen, kam Simone Parbel im Februar 2014. Damals hatten sich Bienen in die Küche der Familie verirrt. »Bienen im Februar? Immer wieder fing ich sie mit dem Glas ein und brachte sie heil ins Freie. Zufällig fand ich dann heraus, dass sich in den Schraublöchern des Terrassentischs, den wir im Winter in die Küche geholt hatten, Nester von Wildbienen befanden«, erzählt die Hobby-Imkerin. Da es in der Küche warm war, schlüpften die Bienen früh. »Das fand ich spannend und baute für das Frühjahr Wildbienen-Nistmöglichkeiten und säte ein regionales Blütenangebot im Garten«, erzählt Simone Parbel, die wenige Monate später zum ersten Mal einen Honigbienen-Schwarm sah, der sich mittags auf einer großen Kiefer niederließ.

Immer mehr Imkerinnen in der Wetterau: Viele Imker-Kurse besucht

»Das fand ich toll«, sagt die Friedbergerin. Im Spätsommer 2014 erfuhr sie, dass es möglich ist, im eigenen Garten Honigbienen zu halten. »Ich habe Kontakt zum Imkerverein Friedberg und Umgebung aufgenommen, durfte mit einem Kollegen zu dessen Völkern gehen und war fest entschlossen, Imkerin zu werden.«

Im folgenden Herbst und Winter hat sie mit Büchern und Videos sehr viel gelernt, im Frühjahr 2015 erwarb sie die ersten zwei Völker. Imker-Grund- und Honigkurs des Landesverbandes Hessischer Imker folgten und danach diverse weitere Qualifikationen, die vom Bieneninstitut in Kirchhain angeboten werden. »Mittlerweile halte ich acht bis zehn Völker an zwei Bienenständen. Bei den Bienen kommen Naturwissenschaften und landwirtschaftliches Wissenzusammen. Honigbienen zu halten ist großartig«, betont die studierte Naturwissenschaftlerin.

Schon immer an der Natur interessiert ist auch Anne Mühlemeier, die mehrere Jahre im Bad Nauheimer Waldkindergarten »Wurzelpurzel« gearbeitet hat. Ihr Interesse am Imkern besteht schon lange. »Je mehr ich über Honigbienen erfahren habe, umso größer wurde mein Interesse und der Wunsch, irgendwann selbst zu imkern«, erzählt die Münzenbergerin, die nach einer beruflichen Veränderung vor sieben Jahren mehr Freizeit hatte und auch bei ihrem Mann Interesse an der Imkerei wecken konnte.

Immer mehr Imkerinnen in der Wetterau: Mit zwei Bienenvölkern begonnen

»Wir sind dann ohne großes Vorwissen mehr oder weniger ins kalte Wasser gesprungen und haben mit zwei Bienenvölkern angefangen«, berichtet Anne Mühlemeier. »Schnell haben wir gemerkt, dass wir und die Tiere nur Freude haben, wenn wir mehr über die Biologie und das Leben von Honigbienen und über Betriebsweisen in der modernen Imkerei wissen.« So belegte das Ehepaar mehrere Kurse, die Welt der Honigbienen wurde immer mehr zur Faszination, das Imkern bereitete immer mehr Freude.

Seit zehn Jahren leidet Anne Mühlemeier an rheumatischer Arthritis, gegen die Bienenstiche und Stockluft helfen sollen. Diese Apitherapie hat die Imkerin bereits ausgiebig getestet. Ihr Fazit: »Nach sieben Jahren und etlichen Bienenstichen kann ich nicht sagen, ob es hilft.«

Jedoch wirken sich die mit der Imkerei einhergehende körperliche Betätigung an der frischen Luft positiv aus. Anne Mühlemeier: »Da wir autofrei leben, sind unsere Bienenstände gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar.«

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